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Foto: Heimo Ruschitz

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3 x Wilfinger. Foto: beigestellt

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Er ist Österreichs Bio-Pionier

Mittwoch, 13. Mai 2020

Der Oststeirer Roman Wilfinger, 90, schrieb Tourismus-Geschichte

Zu seinem 90. Geburtstag am 10. Mai 2020 war eine große Feier geplant. Covid 19 hat diese unmöglich gemacht. Und auch im Familienkreis wurde auf den Jubilar nicht angestoßen, da Sohn Roman gegenwärtig im Spital ist. Feiern ist also vorerst einmal aufgeschoben. Der Lebensweg von Biopionier Roman Wilfinger Senior ist von vielen Auf und Abs geprägt.

Am Anfang seines Wandels zum biobewussten Gesundheitsapostel, im Jahre 1975, da gab’s ein kleines Motor-Hotel an der Bundesstraße bei Hartberg. Der gebürtige Eisenerzer hatte sich nach der Handelsakademie einen alten LKW angeschafft und begann mit Obst zu handeln. Er kaufte es von den Bauern und fuhr damit nach Wien auf den Naschmarkt. „Zu Hause in Staudach bei Hartberg haben wir ein Gasthaus und eine Gemischtwarenhandlung gehabt“, so Roman Wilfinger. „Ich hab‘ Wien zum ersten Mal mit einem Lastauto voll Äpfel gesehen und war dort der jüngste Marktlieferant.“ Erlebnisreiche Lehrjahre für später: „Am Markt ist die Situation jeden Tag anders, man braucht ein gutes G’spür und im Geschäft muss man oft ein bisserl brutal sein, es geht net anders“, beschreibt er sich selbst.

Im Jahr 1954 machte er sich selbstständig, wurde Tankstellenbesitzer an der stark frequentierten B54 in Hartberg und vier Jahre später Wirt, da er ein Restaurant dazubaute. Der Bau eines Motor-Hotels – damals gab es in Österreich noch kaum welche –, wo Autofahrer nächtigen können, wurde zu einer fixen Idee Roman Wilfingers.

Und im Jahr 1975 eröffnete er das Ring-Motor-Hotel. Es diente vorwiegend Vertretern als Absteige, kam aber nie richtig in Schwung. Angesichts der selten belegten Betten und des geplanten Autobahnbaus Gleisdorf–Hartberg grübelte Wilfinger fieberhaft über einen Ausweg. Dabei kam ihm eine Kneipp-Broschüre zwischen die Finger und ein Jahr später eröffnete er eine Kneipp-Station. Damit begann sein Gesundheitstrip.

In diesen Jahren fühlte er sich immer krank. Roman Wilfinger: „Durch meine sitzende Lebensweise hatte ich schwere Verstopfungen. Meine Nieren und die Leber waren angeschlagen. Die vom Arzt verschriebenen Medikamente nützten nichts. Ich dachte, ich wäre unheilbar krank.“ Das war die Zeit, als er durch Zufall auch den oberösterreichischen Bio-Propheten Siegfried Lübke kennenlernte. Dieser hielt in Hartberg einen Vortrag über biologischen Landbau, wohnte in Wilfingers Hotel und kam mit dem Hotelier ins Gespräch.

Lübke riet dem Mann, neben Kneipp-Kuren auch seine Ernährung umzustellen: Er sollte fasten, drei Wochen vegetarisch leben und Kräutertee zur Körperentgiftung trinken. Das Ergebnis war verblüffend. Roman Wilfinger: „Ich hab’ vorher überhaupt nichts mit Bio zu tun gehabt, war aber tatsächlich nach wenigen Wochen gesund und bin es praktisch bis heute geblieben.“ Das Ring Gesundheitszentrum war damit geboren.

Roman Wilfingers Gäste bekamen eine spezielle Ernährung ohne Fleisch und Naturbehandlungen wie Kneipp-Kuren und Moor-Bäder. Durch Vorträge und mit Gesprächen wurden sie auch mental mit der neuen Lebensweise vertraut gemacht. Die großen Medien des Landes – Krone, Kurier und Bunte – berichteten über die Vegetarier aus Hartberg, die „Körndl-Fanatiker“ wurden zu gefragten Interviewpartnern.

Die Auslastung im Ring Gesundheitszentrum stieg und stieg. Wilfinger eröffnete weitere Lokale – in Hartberg einen Eissalon, eine Pizzeria, ein Imbiss-Café sowie in Wien und Graz ein Bio-Restaurant – heute sind diese allerdings Geschichte. Der Bio-Pionier hat mit seinem Gesundheitszentrum in Hartberg und später auch mit dem Bau des Bio-Hotels (1989) und des Bio-Dorfs für Familien (1992) in Bad Waltersdorf sicher österreichische Tourismus-Geschichte geschrieben. 500 Betten waren damit zu füllen.

Die in seinen Hotels gebotene Ernährung, die selbst gemachten Produkte waren und sind für tausende Gäste der Anstoß zu einem Umdenken und gesünderen Lebensstil. Die Kraft und Stärke dazu hat er sich in schwierigen Phasen – und davon hat es logischerweise etliche gegeben – bei seinen Nächsten geholt: der Familie.

Zum Glück konnte er für seine Philosophie und Ideen auch die Söhne Roman, Andreas, Patrick und Tochter Ulrike begeistern. Sohn Roman führt die Hotels, Patrick ist mit der Firma Figureform und dem Lavendelgut in Bad Waltersdorf erfolgreich, sein Bruder Andi (Andreas) sorgt mit der Expansion und Auszeichnungen seines Unternehmens Ringana Naturkosmetik für Schlagzeilen.