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Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP). Fotos: Heimo Ruschitz

Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio (FPÖ)

Bürgermeister-Stellvertreter Mario Eustacchio (FPÖ)

Stadträtin Elke Kahr (KPÖ)

Stadträtin Elke Kahr (KPÖ)

Grazer SP-Klubvorsitzender Michael Ehmann

Grazer SP-Klubvorsitzender Michael Ehmann

Plabutschgondel-Aus: Frust und Freude

Donnerstag, 14. Mai 2020

Schwarz-Blau sagt das rund 35 Millionen Euro teure Prestigeprojekt Plabutschgondel aufgrund von Covid 19 ab. Es ist bzw. war das Lieblingsvorhaben des Grazer Bürgermeisters Siegfried Nagl (ÖVP) und seines Vize Mario Eustacchio (FPÖ) in der laufenden Amtszeit. Bis zur Wahl 2022 hätte man über den Plabutsch zum Thalersee gondeln können sollen.

Zum einen heißt es, es „sei abgesagt“, zum anderen spricht Mario Eustacchio davon, es „sei auf Eis gelegt“. Niemand weiß allerdings zum jetzigen Zeitpunkt, wann und ob dieses Eis jemals wieder schmelzen wird. Rund 1,5 Millionen Euro werden die Vorarbeiten, inklusive Grundstückskäufe und Planungen, gekostet haben.

Bei der Verkündigung der Absage wollten sie den Frust darüber nicht zeigen, sondern versuchten betont locker zu wirken. Festhalten werde man aber auf jeden Fall am geplanten Ausbau des Thalersees zu einem großzügig angelegten Naherholungszentrum. Bedingt durch die Coronakrise komme es sonst aber zu einem Investitionsstopp in Graz. Zumindest rund 100 Millionen Euro fehlen heuer im Budget.

Die Zustimmung und Ablehnung zum Plabutschgondelprojekt waren ja offensichtlich. Die Grünen, die KPÖ und die SPÖ waren nicht dafür. KPÖ-Stadträtin Elke Kahr: „Widerstand zahlt sich aus. Die bereits geleisteten 7.500 Unterschriften waren wichtig, haben den Druck erhöht und trugen zum Erfolg der Bevölkerung und der KPÖ bei. Bei der Plabutsch-Gondel waren wir sicher, dass das Projekt nicht der Grazer Bevölkerung und der Umwelt dient. Deshalb hat die KPÖ dieses Vorhaben von Beginn an abgelehnt und eine Volksbefragung eingefordert. Zusammen mit dem Engagement und immer stärker werdenden Druck der Bevölkerung ist es uns gelungen, dass viele Millionen Euro nicht zum Fenster hinausgeworfen wurden.“

Ähnlich äußert sich auch der Grazer SP-Klubvorsitzende Michael Ehmann: „Unser Applaus zur heute erfolgten Absage der Gondel-Pläne ist eher verhalten – in diese schwarzblaue Seifenblase sind schon jetzt mehr als eine Million Euro geflossen, das erinnert an die ebenfalls euphorisiert gestarteten olympischen Pläne, die letztlich in einem Hunderttausende kostenden Nichts entschwanden. Wir waren den Gondel-Plänen von Anbeginn an skeptisch gegenübergestanden, da uns jegliche Transparenz, jegliche seriöse Grundlage für ein 50 Millionen Spielzeug für die Herren Nagl und Eustacchio gefehlt haben“, stellt er klar. Und zuletzt hätten sich ja auch immer mehr die Anzeichen vermehrt, dass sogar Schwarzblau langsam selbst an der Sinnhaftigkeit dieser Gondel zweifelte und einen Absprung suchte. Umso unverständlicher sei ja gewesen, dass dennoch immer noch weiter gefuhrwerkt und weiter Geld ausgegeben worden sei. Ehmann: „Meine Empfehlung an diese Koalition: In Zukunft bei Ideenfindungen mehr Ernsthaftigkeit und Seriosität an den Tag zu legen, vorher Kosten, Folgen, Nachhaltigkeit und auch Akzeptanz in der Bevölkerung bedenken, und erst dann loszulegen.“

Richtig sei, dass mit dem heutigen Schlussstrich unter den koalitionären Gondelträumen viel an Schaden für die Stadt und ein Alptraum für die Stadtfinanzen abgewendet wurde – aber richtig sei auch, dass diese Koalition am Plabutsch selbst wie auch in der Stadtkasse schon bisher einen beträchtlichen Schaden mit diesen Gondelplänen angerichtet hat. „Was wir jetzt erwarten ist, dass die naturnahe Erschließung des Plabutsch wie auch des Thalersee mit Volldampf weiter vorangetrieben wird: Für attraktive Naherholungsbereiche braucht es keine Gondel!“

Grundsätzlich fordert Ehmann eine Neubewertung von Prioritäten aller städtischen Vorhaben – unter Einbeziehung aller Gemeinderatsfraktionen, der Sozialpartner und von Wirtschaftsforschern. „Es geht darum, mit deutlich weniger werdenden Finanzmitteln das Bestmögliche für die Stadt, für die Grazerinnen und Grazer zu erreichen.“