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Andreas Sandler-Kiesling (links) und Thomas Ots mit dem bisher erforschten System der Dermatome (s/w) und einem der nächsten Forschungsschritte: Zusammenhang der Akupunkturpunkte mit den teilweise anders verlaufenden Subcutomen (in Farbe). Foto: Thomas Ots

TCM: Wirkungsweg der Akupunktur an der Med Uni Graz erforscht

Dienstag, 05. Mai 2020

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) bildet die klassische Akupunktur seit mehr als 2.000 Jahren eine Behandlungsmethode, bei der eine therapeutische Wirkung durch Nadelstiche an bestimmten Punkten des Körpers erreicht werden soll. Wissenschafter an der Med Uni Graz liefern nun den Nachweis eines Wirkweges der Akupunktur. Dadurch soll die Akzeptanz der Akupunktur seitens der konventionellen Medizin weiter steigen. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „acupuncture in medicine“ veröffentlicht.

Das international besetzte Team rund um Andreas Sandner-Kiesling und Thomas Ots untersuchte in einem systematischen Review über 1.000 Forschungsarbeiten zum Thema „Einsatz der Akupunktur bei verschiedenen Störungen bzw. Erkrankungen“, die jeweils mit einer Kontrollgruppe durchgeführt wurden, die im selben Zeitraum mit Sham-Akupunktur – auch Schein-Akupunktur genannt – behandelt wurde. Bei der Schein-Akupunktur werden die Akupunkturnadeln in Körperareale gestochen, von denen die klassische Akupunkturlehre ausgeht, dass sie unwirksam seien. Dabei konnte hochsignifikant gezeigt werden, dass sich die Wirkung von der klassischen Akupunktur umso weniger unterscheidet, je mehr die Nadeln der Kontrollgruppe in identische Dermatome (Hautareale) gestochen werden. Sehr wohl unterscheidet sich die Wirkung, je weniger gemeinsame Dermatome durch die Kontroll-Akupunktur gereizt werden.

Die klassische Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin besagt, dass ca. 2 cm abseits des Akupunkturpunktes bzw. des entsprechenden Meridians keine Akupunkturwirkung mehr zu erwarten sei. „Die Unkenntnis der Bedeutung der segmentalen Struktur für die Akupunktur hat bei vielen bisherigen Untersuchungen dazu geführt, dass hinsichtlich der Wirkung zwischen Akupunktur nach TCM und Schein-Akupunktur kein großer Unterschied bestand“, beschreibt Andreas Sandner-Kiesling. Das führte wiederum dazu, dass der Wirkeffekt der Akupunktur in diesen Studien als gering eingestuft wurde, ähnlich einem Placebo-Effekt. „So zeigte sich beim großen deutschen Modellvorhaben von 2000 bis 2006 etwa, dass die Akupunktur bei Rücken- und Kniebeschwerden gegenüber schulmedizinischen Therapien deutlich überlegen war. Die Schein-Akupunktur schnitt aber im Vergleich zur klassischen Akupunktur nur unwesentlich schlechter ab“, berichtet Andreas Sandner-Kiesling.

Thomas Ots sieht die Erkenntnisse so: „Durch diese Studie wird die Akupunktur auf ein weiteres neurophysiologisches Bein gestellt, einige tradierte kulturelle Methapern der chinesischen Medizingeschichte werden durch biologische Erkenntnisse abgelöst.“ Dies soll in Zukunft dazu führen, dass die Akupunktur leichter verständlich wird.