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Die Messe wurde vom derzeitigen, 58. Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, Webers Nachfolger Altbischof Egon Kapellari, Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof Franz Lackner und Bischof Johanns langjährigem Generalvikar Leopold Staedtler zelebriert. Foto: Sonntagsblatt / Gerd Neuhold

Sie hatten es im Grazer Dom alle vor sich liegen – das Feierheft zum Requiem für Johann Weber. Es zeigt einen auf einem Seil tanzenden, fröhlichen Gott - ein Wunsch des Verstorbenen. Dieses Bild der Hoffnung und der Zuversicht prägte indirekt auch die Trauerfeier, die nicht zuletzt so gar nicht traurig war. Foto: Sonntagsblatt / Gerd Neuhold

Sie hatten es im Grazer Dom alle vor sich liegen – das Feierheft zum Requiem für Johann Weber. Es zeigt einen auf einem Seil tanzenden, fröhlichen Gott - ein Wunsch des Verstorbenen. Dieses Bild der Hoffnung und der Zuversicht prägte indirekt auch die Trauerfeier, die nicht zuletzt so gar nicht traurig war. Foto: Sonntagsblatt / Gerd Neuhold

Katholikentag 1981 in Graz. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

Katholikentag 1981 in Graz. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

Ein starkes Signal war am 26. Juni 1993 der „Tag der Steiermark“ („Wie und wovon werden wir morgen leben?) mit der Ökumenischen Schlussfeier auf dem Grazer Hauptplatz. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

Ein starkes Signal war am 26. Juni 1993 der „Tag der Steiermark“ („Wie und wovon werden wir morgen leben?) mit der Ökumenischen Schlussfeier auf dem Grazer Hauptplatz. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

1983 besuchte Papst JohannesPaul II. Mariazell. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

1983 besuchte Papst JohannesPaul II. Mariazell. Foto: Sonntagsblatt/Archiv"

Ein frohmütiges Heimgehen zu Gott

Donnerstag, 04. Juni 2020

Beisetzung von Volksbischof Johann Weber im Grazer Dom „ohne Volk“

„Ich hab‘ Angst“, bekannte Bischof Johann Weber, damals 54, seinem Umfeld vor jenem Kirchenfest, das dann aber zum größten Ereignis in seiner 32-jährigen Ära als Bischof der Diözese Graz-Seckau werden sollte: der Katholikentag am 28. Juni 1981 auf der so genannten Passamtswiese im Grazer Stadtpark beim Paulustor. 80.000 Gläubige feierten mit ihm den Schlussgottesdienst und bekundeten so: „Wir sind mit dir, Bischof Johann.“ Er ruft ein Jahrzehnt des Evangeliums aus.

Johann Weber war am 23. Mai im LKH Graz „heimgegangen“, wie die Trauerredner den Tod des Volksbischofs formulierten. Leider folgte seinem Heimgehen kein „Volksbegräbnis“ unter großer Anteilnahme, wie es Webers letzter Wunsch war. Corona machte das nicht möglich. Nur 270 geladene Gäste durften im Grazer Dom beim Requiem dabei sein.

Sie hatten es im Grazer Dom alle vor sich liegen – das Andenkenbild für Johann Weber. Es zeigt vorne den auf einem Seil tanzenden, fröhlichen Gott. Es war der Wunsch des Verstorbenen. Dieses Bild der Hoffnung und der Zuversicht prägte indirekt auch die Trauerfeier, die nicht zuletzt deshalb so gar nicht traurig war, sondern vom Geist der Hoffnung getragen.

Im Dank an Bischof Johann hob Kardinal Christoph Schönborn dessen Initiative „Dialog zur Reform“ hervor. Schönborn erinnerte dabei auch an die Missbrauchsskandale in der Kirche. Weber sei im Schreckensjahr der Kirche, 1995 nach dem Rücktritt von Kardinal Hans Hermann Groer, Vorsitzender der Bischofskonferenz geworden. „Er hat auf den Dialog gesetzt – in einer Zeit, als die Kirche so tief gespalten war, dass viele schon ein Schisma sahen.“ Webers Dialog-Initiativen seien „als Lichtblick in Erinnerung“. Dieses Vorbild erlebe man gerade jetzt, in der Coronakrise, als Auftrag. Die Institutionen der Gesellschaft müssten sich jetzt angesichts vieler Arbeitsloser bewähren.

„Der Herr hat mich gesandt, um den Armen frohe Botschaft zu ringen“ – das war der Wahlspruch von „Herzbischof“ Johann Weber und prägte dessen Leben. Webers Botschaft sprach der jetzige Bischof Wilhelm Krautwaschl in seiner Predigt an: „Als Menschen sind wir auf Unterstützung am Weg zur Vollendung angewiesen und in diesem Sinn können wir als ,arm‘ bezeichnet werden.“

Als Vermittler, der stets auf den wertschätzenden Dialog achtete und mit Weitblick die Diözese in eine neue Ära des Miteinander zwischen Laien und Priestern, zwischen Ehren- und Hauptamtlichen geführt habe, würdigte ihn Andrea Ederer, Präsidentin der Katholischen Aktion und Sprecherin des Diözesanrates in ihrer Rede.

Der Evangelische Superintendent Wolfgang Rehner betonte Bischof Johanns Rolle als Wegbereiter der Ökumene in der Steiermark. Die 2. Europäische Ökumenische Vollversammlung war im Jahr 1997 ein spirituelles Großereignis in Graz. „Heute sagen wir Dank für das Leben von Bischof Weber. Er wurde uns zu einem Bruder im Glauben“, so Rehner stellvertretend für die in der Ökumene geeinten christlichen Kirchen in der Steiermark. Ein starkes Signal war am 26. Juni 1993 der „Tag der Steiermark“ („Wie und wovon werden wir morgen leben?) mit der Ökumenischen Schlussfeier auf dem Grazer Hauptplatz.

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer erinnerte sich in seiner Ansprache an Webers „ansteckende Fröhlichkeit, heitere Gelassenheit, Mut, Kirche in Zukunft zu führen. Er war väterlicher Ratgeber und Hirte für die Menschen. Wir sind dankbar, sie gehabt zu haben!“ Weber verbringt seine letzten Lebensjahre im Alten- und Pflegeheim der Dienerinnen Christi in Graz-Andritz. Auch Schützenhöfer ist Andritzer.

Johann Weber war ein Spätberufener. Er hatte in den Jahren 1945 und 1946 anfänglich Germanistik und Geschichte studiert. Nach zwei Semestern an der Karl-Franzens-Universität in Graz bringt das vom Germanistikprofessor vorgeschlagene Dissertationsthema – „Die Rolle der deutschen Kleinstadt in der deutschen Dichtung“ – die Erkenntnis, die zum Umdenken führt: „Das kann nicht alles sein.“ Er studiert daraufhin Theologie und empfängt am 2. Juli 1950 im Grazer Dom die Priesterweihe.

Er wird als Kaplan in Kapfenberg und Köflach eingesetzt und danach zum Diözesanseelsorger der Katholischen Arbeiterjugend. Johann Weber wollte ein Makler des Evangeliums sein. Es ging ihm um eine Volkskirche und wie man die, die dazu gehören, auch mitnehmen könne. Er wurde damit zu einem starken Impulsgeber und leistete Widerstand gegenüber den reaktionären Kreisen in der Kirche. Gegenüber jenen, die subkutan (unter der Kutte) sein Wirken kritisierten.

Gestern, praktisch nur einen Monat vor seinem 70. Jubiläum als Priester, erfährt Johann Weber seine letzte Weihe. Die Messe wurde vom derzeitigen, 58. Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, Webers Nachfolger Altbischof Egon Kapellari, Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof Franz Lackner und Bischof Webers langjährigem Generalvikar Leopold Staedtler zelebriert.

Während des Requiems und den Ansprachen war Volksbischof Johann Weber noch „anwesend“. Mit der Beisetzung und dem Absenken des Sarges in die Bischofsgruft in einem Seitenschiff des Doms verlässt er die Welt und ist nun Geschichte.andenkbild