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Bürgermeister der Stadt Graz Siegfried Nagl, Flughafen-Graz-Geschäftsführer Gerhard Widmann und Wolfgang Malik, Vorstandsvorsitzender der Holding Graz (v.l.) begrüßen die Crew der Austrian Airlines. Foto: Fischer

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Foto: Krug/Flughafen Graz

Foto: Krug/Flughafen Graz

So skurril ist unsere Welt. Als Passagiere an Bord auch zwei Klimaaktivisten in entsprechenden Kostümen. Sie halten nach dem Aussteigen kleine Schilder in die Höhe, mit denen sie darauf hinweisen, dass es in Zukunft keine Inlandsflüge, wie solche von Wien nach Graz, mehr geben soll, weil sie das Klima unnötig belasten. Auch vor dem Terminal demonstriert ein kleines Grüppchen Klimaschützer. Foto: Fritz Pertzl

So skurril ist unsere Welt. Als Passagiere an Bord auch zwei Klimaaktivisten in entsprechenden Kostümen. Sie halten nach dem Aussteigen kleine Schilder in die Höhe, mit denen sie darauf hinweisen, dass es in Zukunft keine Inlandsflüge, wie solche von Wien nach Graz, mehr geben soll, weil sie das Klima unnötig belasten. Auch vor dem Terminal demonstriert ein kleines Grüppchen Klimaschützer. Foto: Fritz Pertzl

Erster Linienflug nach drei Monaten wurde gefeiert

Montag, 22. Juni 2020

Flughafen Graz: „Wir freuen uns sehr, dass es wieder losgeht.“

Heute um die Mittagszeit am Flughafen Graz-Thalerhof. Eine Traube von Medienleuten, bestückt mit Kameras und Fotoapparaten – unter sie hat sich auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl gemischt –, wartet auf ein wichtiges Ereignis. Vor Corona hätte es einen solchen Auflauf nur bei der Landung eines Riesenvogels, wie dem Airbus 380, einer Herkules oder der Ankunft eines internationalen Stars gegeben. In Zeiten von Corona ist alles anders. Nach drei Monaten Stillstand landet erstmals wieder ein kleines AUA-Linienflugzeug aus Wien kommend, mit 55 Passagieren, in Graz. Der Grazer Bürgermeister, Flughafendirektor Gerhard Widmann und Aufsichtsratschef Wolfgang Malik sind als Begrüßungskomitee angetreten. Es gibt sogar kleine Gastgeschenke.

So skurril ist unsere Welt. Als Passagiere an Bord auch zwei Klimaaktivisten in entsprechenden Kostümen. Sie halten nach dem Aussteigen kleine Schilder in die Höhe, mit denen sie darauf hinweisen, dass es in Zukunft keine Inlandsflüge, wie solche von Wien nach Graz, mehr geben soll, weil sie das Klima unnötig belasten. Auch vor dem Terminal demonstriert ein kleines Grüppchen Klimaschützer. „Für die Regionalflughäfen“, so Bürgermeister Siegfried Nagl dann am Rande der Veranstaltung, „wäre das katastrophal.“ Aber auch die Airlines selbst werden sich die nächsten Jahre daher nicht zu diesem Schritt durchringen. Auch wenn die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler davon spricht, dass die AUA ab 2027 derartige 30-Minuten-Flüge einstellen will.

Die Zubringer-Funktion der Regionalflughäfen in Österreich ist für die Airlines ein wichtiger Auslastungsfaktor. Andererseits sichern die Inlandsflüge auch das wirtschaftliche Überleben der Regionalflughäfen.

2019 gab es mit 1.036.929 Passagieren ein Rekordjahr. Wie dramatisch die Lage ist: Heuer wären schon 450.000 und 500.000 Passagiere ein „Spitzenergebnis“. Bis zum Lockdown Mitte März verzeichnete der Flughafen Graz rund 150.000 Fluggäste. Von März bis Juni des Vorjahres waren es vergleichsweise rund 250.000 Passagiere. „2020 ist somit das schwierigste Jahr seit Bestehen des Flughafens“, so Geschäftsführer Gerhard Widmann. Im Vorjahr schaffte man 38 Millionen Euro Umsatz, lieferte auch eine Millionendividende für die Stadt Graz, den Eigentümer des Flughafens. In den vergangenen 20 Jahren gab es unter der Führung von Gerhard Widmann nur positive Betriebsergebnisse, für 2020 wird der Flughafen Graz rote Zahlen schreiben. Persönlich schmerzt ihn das natürlich. Sein Rückzug in die Pension mit Mitte des Jahres war bereits fixiert, doch er wurde gebeten, bis Jahresende sein Team durch die Krise zu führen.

Zurück zur Gegenwart. Ab heute geht es einmal täglich mit Austrian Airlines von Wien nach Graz und wieder zurück. In der ersten Juliwoche sind bis zu zwei Flüge pro Tag im Programm. Durch die Flugzeiten – Ankunft in Graz um 13:40 Uhr und Abflug um 15:35 – können mit einer relativ kurzen Umsteigezeit viele Anschlussflüge z. B. nach Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Stuttgart, Hamburg, Berlin und München erreicht werden.

Bürgermeister Siegfried Nagl freut sich über diesen positiven Impuls für Wirtschaft und Tourismus: „Mit der Aktivierung des Flugverkehrs öffnen sich die Tore zur Welt und wir gehen einen weiteren Schritt in Richtung Normalität. Wir haben das Glück, dass viele große Unternehmen und Unternehmensgruppen in Graz angesiedelt sind. Für diese ist der Flugverkehr zwischen den europäischen Städten dringend erforderlich. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, weitere Anbindungen zur Verfügung zu stellen, um den Standort Graz zu stärken.“

Wolfgang Malik, Vorstandsvorsitzender der Holding Graz: „Das Unternehmen ist ein Vorzeigeunternehmen im Haus Graz und eine wichtige Drehscheibe für die exportorientierte steirische Wirtschaft. Es ist daher für den Wirtschafts- und Tourismusstandort Graz bzw. auch Südösterreich und Nordslowenien sehr wichtig, dass dieses Tor in die weite Welt wieder geöffnet ist und Flüge abheben. Da die AUA nun ihre bisherige „home-base“ wieder bedient, bin ich zuversichtlich, dass auch die weiteren Verbindungen und Allianzen ab Graz wieder abheben.“

Der Flughafen Graz war seit der Einstellung der Linien- und Charterflüge im Minimalbetrieb mit eingeschränkten Betriebszeiten, die mit 30. Juni beendet werden, die Mitarbeiter befinden sich nach wie vor in Kurzarbeit.

„Wir freuen uns sehr, dass es wieder los geht“, erklärt Gerhard Widmann, Geschäftsführer des Flughafen Graz, „auch wenn wir noch sehr weit weg von einer Normalität sind. In den kommenden Tagen startet Gruber Reisen die erste Ferienflugkette nach Brac und ab 1. Juli geht es mit der Lufthansa wieder nach Frankfurt. Springer Reisen plant ab Mitte Juli Richtung Griechenland abzuheben und bringt Urlauber nach Skiathos bzw. Santorin. Alles Weitere wird sich erst in den kommenden Tagen und Wochen klären – aber wenn uns Covid-19 etwas gelehrt hat, dann ist das wahrscheinlich ein wenig Geduld zu haben“.