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Barbara Windisch kennt jedes ihrer 76 Alpakas sofort beim Namen.

Barbara Windisch kennt jedes ihrer 76 Alpakas sofort beim Namen.

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Gefragt: Ponchos, Hauben, Taschen, Hüte, Pantoffel, Westen etc. aus der unglaublich weichen, feinen Alpaka-Wolle.

Gefragt: Ponchos, Hauben, Taschen, Hüte, Pantoffel, Westen etc. aus der unglaublich weichen, feinen Alpaka-Wolle.

„Bin nicht zum kuscheln da“

Freitag, 24. Juli 2020

Aber tun würden wir es schon gerne ...

Ich bin versucht, sie an mich zu drücken, zu knuddeln, zu streicheln, mit ihnen zu kuscheln. Mit ihrem neugierigen – „Was ist da los? – Blick“ und dem flauschigen Fell stehen sie vor uns auf der Weide der Alpaka-Landwirtschaft in Kainbach bei Graz. „Leider wollen sie genau das aber grundsätzlich gar nicht“, erklärt Alpaka-Hofbetreiberin Barbara Windisch „Wiewohl es einige Ausnahmen gibt und auch jene Alpakas, die wir für Wanderungen mit Besuchern vorab trainieren und sie mit Leckerlis belohnen, lassen sich streicheln.“

Begonnen hat alles nach einem Südamerika-Aufenthalt vor mehr als fünf Jahren. „In Peru haben sich mein Mann und ich total in die Alpakas verliebt“, blickt die Steirerin zurück. Am liebsten hätten sie gleich vor Ort welche mit nach Hause genommen. Als Barbara und Bernhard Windisch dann in einem Grundlagenseminar über Alpakas auch noch erfahren haben, dass deren Haltung unkompliziert ist, stand fest: „Passt, wir testen das einmal mit drei Stuten.“

Mittlerweile betreibt Barbara Windisch den Alpaka-Hof mit derzeit 76 Tieren bereits hauptberuflich. „Wir haben hier für uns und die Tiere den Luxus einer Offen-Stallhaltung, sprich die Tiere können rein und raus gehen, wann sie wollen“, erläutert sie bei der Hofführung. Vor uns im Stall das „All-you-can-eat-Heu-Buffet“. „Das füllen wir täglich auf und ansonsten fressen sie das Gras draußen auf der Weide.“

Eine Art leises Summen umgibt uns. „So verständigen sich die Alpakas untereinander“, erklärt Barbara Windisch. Alpakas sind neugierige Tiere, sie weichen uns nicht von der Seite und beschnuppern uns. Am Boden liegt Melani, die Mama von Nora, einem erst vier Tage alten Fohlen. „Da drüben, das ist Dorothea, eine Art Anführerin, wenn es darum geht, Blödsinn zu drehen“, lächelt Barbara Windisch. Sie kennt jedes Tier mit Namen. Desiree liebäugelt mit unserer Kamera und ich berühre zum ersten Mal das wirklich unglaublich weiche Fell dieser Tiere. Es fühlt sich fast wie Watte an.

Am Hof der Familie Windisch hat man sich auf die Haltung von zwei Alpaka-Typen spezialisiert. „Zum einen sind das eben diese flauschigen Huacaya-Alpakas“, nimmt sie die lotrecht vom Körper abstehenden Fasern des Fells zwischen ihre Finger. Die anderen sind die eher seltenen Suri-Alpakas. „Das sind unsere Hippies, weil die Strähnen ihres zottelig ausschauenden Fells sich in kleine Locken drehen.“

Ein Mal im Jahr kommen die Alpakas zum „Frisör“. Beim Schur-Termin kommen drei bis fünf Kilogramm Rohwolle pro Alpaka zusammen. Aus der edlen Wolle entstehen die kuscheligen Produkte wie beispielsweise handgefertigte Hauben, Socken, Pullover, Westen, Ponchos, Hüte, Taschen, Pantoffel, Bettdecken und Pölster, um nur einige Beispiele zu nennen. „Alpaka-Wolle zählt zu den edelsten und beliebtesten Naturfasern der Welt und ist, da sie so gut wie kein Wollfett enthält, auch sehr gut für Allergiker geeignet“, erklärt Barbara Windisch in ihrem Hofladen.

Text: Isabella Hasewend
Fotos: Heimo Ruschitz