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Die Formel1-Geisterrennen in Spielberg – ohne Fans – bedeuten für die Region einen Einnahmenverlust in der Höhe von rund 25 Millionen Euro. Foto: Philip Platzer / Red Bull Content Pool

Die Formel1-Geisterrennen in Spielberg – ohne Fans – bedeuten für die Region einen Einnahmenverlust in der Höhe von rund 25 Millionen Euro. Foto: Philip Platzer / Red Bull Content Pool

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Das bittere Ende einer Ära

Dienstag, 28. Juli 2020

In Spielberg gab es zu seiner Blütezeit 2.200 Beschäftigte

Diese Zeit liegt allerdings schon knapp 50 Jahre zurück. Damals boomte die Nachfrage nach kleinen Elektromotoren. Erster Eigentümer war der Bauknecht-Konzern. Im Laufe der Jahrzehnte wechselten die Eigentümer und gingen auch die Beschäftigten-Zahlen stark zurück. 2011 wurde ATB Spielberg dann von der chinesischen Industriegruppe Wolong übernommen. Diese hat nun auch den Insolvenzantrag für das Unternehmen ATB Spielberg GmbH beim Landesgericht Leoben eingebracht. Von den 410 Mitarbeitern sind 360 zur Kündigung angemeldet, nachdem sie seit 1. April in Kurzarbeit sind. Es wird in Zukunft keine Produktion mehr in Spielberg geben.

Als ob Corona nicht schon genug Sorgen und Probleme gebracht hätte. Die Geisterrennen in Spielberg – ohne Fans – bedeuten für die Region einen Einnahmenverlust in der Höhe von rund 25 Millionen Euro. Die TV-Übertragungen sind nur ein schwacher Trost und können den wirtschaftlichen Schaden für die gesamte Region nicht abwenden. Und nun noch die Insolvenz von ATB Spielberg: Von den 360 gekündigten Mitarbeitern sind mehr als die Hälfte über 50 Jahre alt und bereits über viele Jahre im Unternehmen beschäftigt gewesen. Durch die Insolvenz muss nun die öffentliche Hand mit weiteren Unterstützungen einspringen.

Für die Gemeinde Spielberg selbst ist das eine Katastrophe, weil ein Großteil der Kommunaleinnahmen damit verloren ist. Bürgermeister Manfred Lenger gegenüber der „Kleinen Zeitung“ (27. Juli): „Ich war zutiefst schockiert. Es war für mich völlig überraschend.“ Ihn würden nun vor allem die menschlichen Schicksale bewegen. Viele Gemeindebürger seien seit Jahrzehnten bei ATB beschäftigt. „Oft arbeiten sogar Mutter, Vater und Kind dort – man kann sich kaum vorstellen, was das für so eine Familie jetzt bedeutet.“ Eine Bekannte habe ihn weinend angerufen. Sie und ihr Mann seien beide über 50 und stehen jetzt vor der Kündigung. „Ich kenne viele der Betroffenen persönlich und weiß, was sie in den letzten Jahren alles für das Unternehmen getan haben.“ Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten seien etwa Gehaltseinbußen hingenommen und Kurzarbeitsmodelle akzeptiert worden. „Die Mitarbeiter waren immer solidarisch und jetzt werden sie eiskalt abserviert“, so der Bürgermeister gegenüber der „Kleinen Zeitung“. Seitens der Gemeinde wolle man daher „alle Hebel in Bewegung setzen“ und „nichts unversucht lassen“, um die Produktion und somit möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Natürlich versuchen die Landesregierung, die Wirtschaftskammer und die Arbeiterkammer in dieser Phase die Region mit Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Für konkrete Aussagen ist es aber noch zu früh.

Der Standort von ATB Spielberg liegt ja in unmittelbarer Nachbarschaft zum Red Bull Ring. Bei dem 2006 gegründeten Unternehmen handelt es sich um einen der führenden europäischen Hersteller von Elektromotoren und elektrischer Antriebstechnik. Die Insolvenzursachen liegen vor allem in den Auswirkungen der Covid-19 Krise begründet. Diese hat die wirtschaftliche Situation der ATB Spielberg GmbH stark betroffen.

Starke Umsatzrückgänge und der daraus resultierende Preisdruck an den Absatzmärkten sowie die allgemein unsichere gesamtwirtschaftliche Situation hat die Lage nochmals verschärft. Es sind ca. 800 Gläubiger und 396 Arbeitnehmer betroffen. Rund 360 Mitarbeiter wurden bereits beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet. Den Aktiva von rund 26 Mio. EUR stehen Passiva von ca. 28,3 Mio. EUR gegenüber. Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Den Gläubigern wird eine Quote von 30% binnen zwei Jahren angeboten.