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Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch (l.) und der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz Elie Rosen (r.). Foto: BKA/Andy Wenzel

Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch (l.) und der Präsident der Jüdischen Gemeinde Graz Elie Rosen (r.). Foto: BKA/Andy Wenzel

Bundesminister Karl Nehammer bei der Pressekonferenz zu den Attacken auf die Jüdische Synagoge in Graz. Foto: BKA/Andy Wenzel

Bundesminister Karl Nehammer bei der Pressekonferenz zu den Attacken auf die Jüdische Synagoge in Graz. Foto: BKA/Andy Wenzel

Synagoge Graz: Fall ist aufgeklärt, aber es gibt keine Entwarnung

Dienstag, 25. August 2020

Die Vorgeschichte zu den Vandalenakten und der Attacke auf Elie Rosen, den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz, wirft einige Fragen auf.

In der Nacht auf Donnerstag voriger Woche wurde die Außenmauer der Synagoge in Graz mit propalästinensischen Parolen beschmiert. In der Nacht auf Samstag warf ein unbekannter Täter mehrere Betonstücke gegen die Fenster an der Nordseite. Eine Scheibe ging dabei zu Bruch, mehrere Fenster wurden beschädigt. Am Samstagnachmittag ging ein Mann auf Elie Rosen los, als dieser ihn mit Steinen am Gelände erwischte. Drei Mal wurde die Synagoge binnen drei Tagen angegriffen.

Was Beobachter verwundert: Warum die Grazer Polizei nicht schon nach der ersten Aktion des mittlerweile gefassten syrischen Flüchtlings einen Rund-um-die-Uhr-Bewachung der Synagoge veranlasst hat. In der Vergangenheit reagierte die Exekutive auf derartige Vorfälle sofort und umfassend. Spätestens aber nach der zweiten Aktion in der Nacht auf Samstag eine 24-Stunden-Bewachung erfolgen müssen. Damit wäre auch der Angriff auf den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Graz Elie Rosen nicht mehr möglich gewesen.

Der Täter ist mittlerweile ja verhaftet und es gebe einen islamistischen Hintergrund, wie Bundesminister Karl Nehammer gestern in der ZIB erklärte. Der seit 2013 als Flüchtling anerkannte in Österreich lebende Syrer habe seinen Hass auf Israel eingestanden, auf die Juden, auf Schwule und Lesben sowie auf Prostituierte. Er zeige, so Nehammer, keine Reue, sei aber voll inhaltlich geständig. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl hat nun umgehend ein Aberkennungsverfahren des Flüchtlingsstatus eingeleitet. Die Festnahme des Täters erfolgte gelang einer Fahrradstreife der Polizei in der Grazer Annenstraße. Im Rucksack des Mannes wurden bei der Festnahme Steine und Stuhlbein gefunden. Letzteres hatte er als Schlagstock beim Angriff auf Elie Rosen verwendet.

Allerdings, so Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, gebe es dennoch keinen Grund zur Entwarnung: „Wir müssen wachsam bleiben, denn in unsere vielfältige, eigentlich multikulturelle Gesellschaft hat sich – insbesondere seit 2015 – viel Missgunst eingenistet. Der Antisemitismus hat kein linkes oder rechtes oder religiöses Mascherl. Wir begegnen ihm überall. Er ist in den Köpfen gewachsen, weil Jahre hinter uns liegen, in denen die Abneigung, um nicht zu sagen der Hass, geschürt und damit der Keil der Spaltung in die Gesellschaft getragen wurde. Wir alle, so Schützenhöfer, seien daher aufgerufen, das Miteinander und nicht das Nebeneinander oder gar das Gegeneinander zu leben: „Wir alle können daran mitwirken, indem wir unseren Mitmenschen mit Respekt und Aufgeschlossenheit begegnen, denn jeder Mensch hat eine Würde, die wir nicht verletzen dürfen.“

Landeshauptmann-Stv. Anton Lang dankte den Einsatzkräften und unterstrich: „Ein herzliches Dankeschön an unsere Sicherheitskräfte, die den Täter so rasch ausforschen und festnehmen konnten. Für die Zukunft gilt es nun, auf allen Ebenen noch aufmerksamer auf jegliche Anzeichen von Extremismus, Verhetzung und Rassismus – egal ob es von rechts oder von links kommt – zu reagieren und noch entschiedener dagegen aufzutreten. Es liegt an uns allen, mit größtmöglicher Vehemenz aufzuzeigen, dass in unserem Land Antisemitismus und Homophobie keinerlei Platz haben. Extremismus hat in unserem Land nichts zu suchen.″