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Jochen Rindt. Foto: Stadt Graz / Getty Images / Bernard Cahier

… bei letztem Sieg in Hockenheim 1970. Foto: Stadt Graz / GEPA pictures

… bei letztem Sieg in Hockenheim 1970. Foto: Stadt Graz / GEPA pictures

Sein erster Förderer war Ossi Vogl (Autohaus Vogl & Co), selbst mehrfacher Staatsmeister2020: Jochen-Rindt-Gedenkjahr in Graz. Foto: Vogl + Co

Sein erster Förderer war Ossi Vogl (Autohaus Vogl & Co), selbst mehrfacher Staatsmeister2020: Jochen-Rindt-Gedenkjahr in Graz. Foto: Vogl + Co

Vor der speziell bedruckten Straßenbahn anlässlich des Gedenkjahres von Jochen Rindt (v.l.): Bgm. Siegfried Nagl, Natascha Rindt, Motorsportlegende und Rindt-Freund Helmut Marko, Halbbruder Uwe Eisleben und LH Hermann Schützenhöfer. Foto: Stadt Graz / Fischer

Vor der speziell bedruckten Straßenbahn anlässlich des Gedenkjahres von Jochen Rindt (v.l.): Bgm. Siegfried Nagl, Natascha Rindt, Motorsportlegende und Rindt-Freund Helmut Marko, Halbbruder Uwe Eisleben und LH Hermann Schützenhöfer. Foto: Stadt Graz / Fischer

Jochen Rindt mit seiner Frau Nina. Foto: Stadt Graz / Getty Images / Popperfoto

Jochen Rindt mit seiner Frau Nina. Foto: Stadt Graz / Getty Images / Popperfoto

Risiko ohne Ende

Dienstag, 08. September 2020

Jochen Rindt, schon zu Lebzeiten eine Ikone

Es war am 5. September vor 50 Jahren, als Jochen Rindt beim Training zum Grand Prix in Monza mit seinem Lotus-Rennwagen tödlich verunglückte.  Er war der einzige Formel-1-Weltmeister, der seine Krönung nicht mehr erleben durfte. Die Stadt Graz gedenkt ihm mit zahlreichen Schwerpunkten sowie der Ausstellung „Jochen Rindt – die Grazer Jahre“ im GrazMuseum. Auch eine eigene Jochen-Rindt-Straßenbahn wurde kürzlich präsentiert.

Der in Mainz geborene Jochen Rindt versuchte lange Zeit sein Glück in der Formel 1, doch weder seine Einsätze für das Cooper-Team noch jenes für Graham waren von Erfolg gekrönt. Erst mit seinem Wechsel zu Lotus wendete sich das Schicksal: Rindt gewann im Jahr 1970 fünf Rennen, bevor es zum Grand Prix nach Italien ging. Als bei diesem Rennen eine Bremswelle brach, verunglückte der Rennfahrer im Training tödlich. Formel-1-Rennwagen wurden Ende der 1960er-Jahre immer leichter und dabei schneller. Der Tod von Jochen Rindt in Monza war damals auch eine Mahnung – vor allem an die Konstrukteure der Rennboliden. Rindts Punktevorsprung war damals jedoch schon so groß, dass ihn auch sein stärkster Kontrahent, Jacky Ickx, nicht mehr einholen konnte. Am 4. Oktober wurde Rindt so posthum zum F1-Weltmeister der Saison 1970 ernannt.

„Den Jochen Rindt kenne ich, aber wer ist der Mann neben ihm“, fragt mich mein Bruder, der im Ausland lebt, auf dem Weg vom Flughafen in die Grazer Innenstadt, als ihm ein Plakat auffällt. Ich erklärte ihm, dass das Ossi Vogl, der Chef vom gleichnamigen Grazer Autohaus, sei. Er war selbst mehrfacher Staatsmeister im Rallyesport und Rindts erster Förderer, weil er das Talent des jungen Burschen rasch erkannte. Ossi Vogl verstarb 2013.

Rindt verfolgte schon in seiner Mittelschulzeit nur ein Ziel, das seine Freunde kannten: „Ich werde Rennfahrer.“ Helmut Marko, Red Bull Motorsportchef: „Begonnen hat unsere Bekanntschaft im Mopedalter, so mit 16 Jahren. Jochen ging schon damals immer ans Limit, er wollte stets der Beste sein. In unserer Grazer Zeit haben wir an den Wochenenden das Partyleben der Stadt in vollen Zügen genossen.“ Im Sommer im Margarethenbad und im Winter beim Eislaufen am Hilmteich waren natürlich die Mädchen Thema Nummer 1, erzählt man. Mit dabei im größeren Freundeskreis Karl Ritter, Stefan Pachernegg, Andy Zahlbruckner, Fredi Herzl und andere – alle Autofreaks, aus gut situierten Familien. Und wenn es da und dort im Elternhaus sturmfreie Bude gab, dann wurden nicht nur Formel-1-Rennen im Fernsehen verfolgt.

Rindts erstes Auto war ein Simca Montlhery, den er von seiner Familie aus Mainz bekam. Diesen „räumte er aus“ und machte ihn mit Ossi Vogls technischer Hilfe schneller. Bei privaten, verbotenen Nachtrennen zwischen Graz und Bruck oder Feldbach lautete dann die Devise: Wer ist der Schnellste? Rindt fuhr am brutalsten von allen. Mit auf der Straße aufgestellten Blechdosen trainierten die Autofreaks auch Slalomfahren.

Ossi Vogls Eltern führten in der Grazer Innenstadt eine Kfz-Werkstätte und wollten diese dem Sohn übergeben. Ihr Wunsch: Der Sohn möge mit dem Rennfahren aufhören. Zumal er schon einmal bei der Heimfahrt von einem Rennen mit seiner Frau einen schweren Unfall hatte. Diese lag daraufhin monatelang im Gipsbett. Der Sohn fügte sich und überließ Jochen seine hochgetunte Alfetta. Es entstand eine innige Freundschaft zwischen den beiden bis zum Tod. Als Rindt nach einem Formel-2-Boliden Ausschau hielt, wurde er auch bei einem Wiener Rennfahrer vorstellig. Da er kein Geld hatte, würde er den Kaufpreis mit den Siegerprämien im nächsten Jahr zurückzahlen. Der Wiener erkundigte sich bei Ossi Vogl in Graz. Dieser: „Wenn er es überlebt, kriegst du dein Geld sicher.“ So geschah es dann. Der junge Grazer konnte bald seine ersten Autorennen für sich entscheiden und fuhr anfangs in der Formel Junior. Später wechselte der Motorsportler in die Formel 2, in der er insgesamt 29 Rennen gewann. 1965 gewann er außerdem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Jochen Rindt, Sohn eines Deutschen und einer Grazerin, wurde am 18. April 1942 in Mainz, Deutschland, geboren. Als er gerade einmal 15 Monate alt war, kamen seine Eltern bei einem Fliegerangriff ums Leben. Die Eltern seiner Mutter holten ihn zu sich nach Graz, wo er seine ganze Kindheit und Jugend verbrachte.

Die Anteilnahme bei seinem Begräbnis am Grazer Zentralfriedhof war im In- und Ausland riesengroß. Dieser traurige Anlass rückte Graz erstmals in der Nachkriegszeit in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Noch heute erfährt sein Ehrengrab einen starken, steten Besucherstrom.

Jochen-Rindt-Grab am Zentralfriedhof in Graz. Im künftigen Stadtteil Reininghaus wird es einen eigenen Jochen-Rindt-Platz geben. Foto: Stadt Graz / Mazelle

Jochen-Rindt-Grab am Zentralfriedhof in Graz. Im künftigen Stadtteil Reininghaus wird es einen eigenen Jochen-Rindt-Platz geben. Foto: Stadt Graz / Mazelle