WKO_Situation_im_Handel

v.l.: Wolfgang Ziniel (KMU Forschung Austria), Gerhard Wohlmuth (Obmann Sparte Handel in der WKO Steiermark) und Helmut Zaponig (Spartengeschäftsführer Handel) präsentieren die Halbjahresbilanz des steirischen Handels. Foto: Fischer

Rund 21.000 Unternehmen zählt der steirische Handel – ein wichtiger Arbeitgeber, der in Zeiten von Corona vor großen Herausforderungen steht. Wie diese im ersten Halbjahr 2020 gemeistert wurden, was der Lockdown tatsächlich gekostet hat und wie die konkrete Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung verlaufen ist, darüber informierten Spartenobmann des Handels Gerhard Wohlmuth, Spartengeschäftsführer Helmut Zaponig und Wolfgang Ziniel, von der KMU Forschung Austria.

Rund 21.000 Unternehmen zählt der steirische Handel – ein wichtiger Arbeitgeber, der in Zeiten von Corona vor großen Herausforderungen steht. Wie diese im ersten Halbjahr 2020 gemeistert wurden, was der Lockdown tatsächlich gekostet hat und wie die konkrete Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung verlaufen ist, darüber informierten Spartenobmann des Handels Gerhard Wohlmuth, Spartengeschäftsführer Helmut Zaponig und Wolfgang Ziniel, von der KMU Forschung Austria.

Debatten um die Einführung einer Vier-Tage-Woche hält Wohlmuth für kontraproduktiv: „Ladenhüter aus der politischen Klamottenkiste lösen keine Probleme.“ Foto: Fischer

Debatten um die Einführung einer Vier-Tage-Woche hält Wohlmuth für kontraproduktiv: „Ladenhüter aus der politischen Klamottenkiste lösen keine Probleme.“ Foto: Fischer

„Trügerische“ Statistik

Donnerstag, 03. September 2020

Steirischer Einzelhandel zieht Halbjahresbilanz

Wie verschleiernd und trügerisch gesamtstatistische Auswertungen sind – das zeigt sich bei der heutigen Präsentation der Halbjahresbilanz des steirischen Einzelhandels. Ort des Geschehens: steirische Wirtschaftskammer in Graz. Handel-Spartenobmann Gerhard Wohlmuth stellte diese Bilanz dar. Unterm Strich gäbe es „nur“ ein Minus von 3,5 Prozent beim Gesamtumsatz des ersten Halbjahres 2020 im Einzelhandel. Dies entspräche einem Umsatzentgang von 250 Millionen Euro für das erste Halbjahr – bezogen auf den Gesamtumsatz im steirischen Handel von brutto 4,6 Milliarden Euro.

Eine Kennzahl, die relativ undramatisch klingt, aber hinter der sich ein dramatisches Umfeld verbirgt. Der nur 3,5-prozentige Umsatzrückgang ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass ab 16. März Geschäfte der Grundversorgung, wie Lebensmittel, Drogerien, Trafiken, Telekommunikation, medizinische Artikel, Apotheken, geöffnet waren und Rekordumsätze verbuchten. Die Tragödien spielen sich aber im Bekleidungs-, Schuh-, Schmuckhandel und benachbarten Sparten, aber auch bei den Baustoff-, Eisen- und Holzhandelsgeschäften ab. Zigtausende mussten durch den Lockdown praktisch von einem Tag auf den anderen schließen und verloren für zumindest fünf, aber bis zu acht Wochen, also zwei Monate, ihre gesamten Umsätze. Diese Tatsache wird dazu führen, dass es im Herbst zu einer bisher noch nie da gewesenen Insolvenzgefahr von Unternehmen in diesen Sparten kommen wird. Eine Aussage bei der heutigen Präsentation der Ergebnisse: „Daher herrscht so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm, was die Situation der Unternehmen betrifft.“

Man muss kein Statistiker sein, um die Wucht des Lockdowns und die Folgen zu erkennen: Wenn vom 16. März 2020 bis 2. Mai 2020 ein großer Teil des Handels seine Umsätze verliert und auch nach dem 2. Mai die Umsätze nur Schritt für Schritt an die Vorjahrsumsätze sich entwickeln, dann führt das fast unweigerlich irgendwann zur Insolvenz. Die Finanzreserven der Unternehmen sind gering und vielfach konnte man nur mit extremen Abverkäufen überhaupt die Ware an den Kunden bringen.

Dass die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel vorerst ebenfalls nur um 2,8 Prozent auf rund 45.000 gesunken ist, hängt damit zusammen, dass in zahllosen Betrieben Mitarbeiter noch immer in Kurzarbeit sind. Spartenobmann Wohlmuth konnte aber keine exakten Angaben darüber machen.

Angaben und Ergebnisse von statistischen Auswertungen aufgrund der Coronakrise – jene im Einzelhandel erfolgten durch die KMU Forschung Austria – werden rein rechnerisch durchaus korrekt sein. Die Konjunkturerhebung wurde bei rund 4.500 Geschäften durchgeführt. So genannte Durchschnittswerte oder Gesamtergebnisse haben aber ihre Tücken. Nur ein Beispiel dazu: In einem Unternehmen mit zehn Beschäftigten beträgt die monatliche Gehaltssumme 100.000 Euro. Im Schnitt gibt es daher statistisch gesehen ein Durchschnittseinkommen für jeden Einzelnen von 10.000 Euro. Verdienen aber in der Realität zwei Spitzenmanager 40.000 Euro, so verdienen die übrigen neun Mitarbeiter jeweils nur noch rund 2.000 Euro. Ähnlich sind die Verhältnisse aufgrund von Corona auch in etlichen Bereichen des Einzelhandels.