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„Die App kommt genau zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Simon Orlob. „In den Vorjahren haben wir mit Studierenden der Medizinischen Universität Graz jedes Jahr mit über 2.000 PassantInnen in Graz an unserem Aktionstag Wiederbelebungsmaßnahmen trainiert. Das waren kurze, hochintensive Einheiten. Dieses Jahr können wir unter den geltenden Infektionsschutzmaßnahmen einen so intensiven Austausch nicht anbieten. Das von uns entwickelt System ermöglicht ein intensives, individuelles Training auch ohne die aktive Mitarbeit unserer Studierenden.“ Seit dem Sommer gibt es an allen Standorten der Grazer Stadtbibliothek Wiederbelebungspuppen, die zum Üben ausgeliehen werden können. „Mit der neuen Lern-App wird das Wiederbelebungstraining noch interaktiver und effektiver“, blickt das Entwicklungsteam in die Zukunft. Foto: Med Uni Graz

Herzstillstand: Lern-App zum Training von Wiederbelebungsmaßnahmen

Samstag, 17. Oktober 2020

Jeder zehnte Österreicher bzw. jede zehnte Österreicherin erleidet im Laufe des Lebens einen unterwarteten Herzstillstand. Auf Grund der Umstände, von Scheu oder fehlendem Wissen, wird nur in 50% der Fälle innerhalb von vier Minuten mit lebensrettenden Maßnahmen begonnen, was zur Folge hat, dass nur etwa 10% dieses Ereignis schadlos überleben. Den Unterschied könnten Zeugen des Notfalls machen. „Nach aktuellen Hochrechnungen könnten österreichweit rund 1.000 Leben gerettet werden, wenn in den ersten Minuten nach dem Notfall mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen begonnen wird“, erklärt Gerhard Prause, Notfallmediziner an der Med Uni Graz.

Um den Zugang zum Training lebensrettender Maßnahmen niederschwelliger und spielerisch zu gestalten, entwickelten WissenschafterInnen der Med Uni Graz und der FH Joanneum eine intelligente App, die Interessierte durch ein Wiederbelebungstraining führt. Mittels einer kompakten Sensorik, die in Trainingspuppen eingebaut wird, werden alle Maßnahmen wie z.B. die Herzdruckmassage gemessen und drahtlos an ein Smartphone übertragen. Auf diese Weise kann die App individuelle Hilfestellungen geben und so das Wiederbelebungstraining verbessern.

Daniel Fabry, Leiter des Studiengangs für Communication, Media, Sound and Interaction Design der FH Joanneum erklärt: „Bei einem so relevanten und komplexen Thema wie der Wiederbelebung ist es wichtig Personen zur Ersten Hilfe zu motivieren und Schwellenängste zu nehmen. Passieren Fehler, sollen diese korrigiert werden können. Mit der Sensorik gibt es die Möglichkeit Verbesserungspotenziale zu erkennen und den BenutzerInnen Hilfestellung zu geben. Verpackt ist das Training in eine Art Spiel, die ein positives Erfolgserlebnis bietet und anspornt, sich tiefergehend mit dem Thema auseinanderzusetzen – in der Fachsprache nennt man dieses Prinzip Gamification.“

Simon Orlob von der Klinischen Abteilung für Allgemeinen Anästhesiologie, Notfall- und Intensivmedizin der Med Uni Graz ergänzt: „Das ist eine ganz wichtige Botschaft, man kann tatsächlich nichts verkehrt machen. Wichtig ist, dass man einen Herzstillstand erkennt und unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnt.“

Konzipiert wurde die Anwendung zunächst mit Design-Studierenden der FH JOANNEUM. Die Gestaltung und Produktentwicklung erfolgte letztlich durch David Mischak im Rahmen seiner Masterarbeit. „Ich freue mich, dass ich mit meiner Gestaltungsarbeit einen Beitrag zur Bewusstmachung und Informationsvermittlung bei diesem so wichtigen Thema beitragen kann“, resümiert der nunmehrige Absolvent des Studiengangs Communication, Media, Sound and Interaction Design.