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Fotos: Heimo Ruschitz

Grazer Historiker Heimo Halbrainer

Grazer Historiker Heimo Halbrainer

TV-Stars August Schmölzer

TV-Stars August Schmölzer

Caroline List, Präsidentin des Straflandesgerichts

Caroline List, Präsidentin des Straflandesgerichts

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Erschütternd: Briefe aus der Todeszelle

Dienstag, 21. Mai 2019

Schwurgerichtssaal in Graz war Ort für Lesung

Den Besucher des Schwurgerichtssaals, wie auch den Zuhörer von Schwurgerichtsprozessen, erfasst ein bedrückendes Gefühl, sobald er an das Leid und die Gewalttaten denkt, über die in diesem größten Raum im Straflandesgericht Graz Recht gesprochen wurde und auch heute noch wird. Zu Zeiten des Nazi-Regimes in den Jahren von 1938 bis 1945 wurden zahlreiche Todesurteile gefällt – für „Bagatellvergehen“ – und viele auch im Keller des Nebengebäudes vollstreckt. Für diese Todgeweihten interessierte sich der Grazer Historiker Heimo Halbrainer schon in den 1990er-Jahren. „Weil es damals kein einziges Buch über den steirischen Widerstand im Nationalsozialismus gab.“ Er forschte nach den Abschiedsbriefen der verurteilten Widerstandskämpfer, sammelte diese und veröffentlichte damals ein erschütterndes Zeitdokument. Dieses war bald vergriffen und Halbrainer hat es mit Unterstützung des bekannten steirischen TV-Stars August Schmölzer und mit Hilfe weiterer Sponsoren in einer erweiterten Fassung wieder aufgelegt.

„Wenn einmal die Saat aufgegangen, … – so lautet der Titel“, las August Schmölzer im Schwurgerichtssaal aus den Abschiedsbriefen vor. Nicht nur Familienangehörige der Opfer im Saal kämpften rund 80 Jahre nach den Geschehnissen mit den Tränen und Emotionen.

Ermöglicht hatte diese Buchpräsentation und Lesung Caroline List, die Präsidentin des Straflandesgerichts. Auch ihre Gedanken zu diesem Anlass lösten Nachdenken aus (auszugsweise): „Man spürt, dass in diesem Saal viele Taten verhandelt wurden, die Menschenleben beendet haben und mit der Zufügung sehr schwerer Gewalt in Verbindung waren. Blut, Schweiß und Tränen sind allgegenwärtig hier. Aber nicht nur solche, auch politische Straftaten werden regelmäßig – und ich meine, fast sagen zu können, immer häufiger – verhandelt. Recht sprechen heißt nicht Gerechtigkeit üben. Menschen irren und machen Fehler. Und zwar nicht nur einzelne, so wie es Geschworene sind.“

„Fehler und Irrtum sind ein Teil der Rechtssprechung, weil sie von Menschen geübt wird und nicht nur Einzelne irren, auch Gruppen irren, aber auch Millionen“, so Caroline List. Das bittere Ende und die Ermordung der Widerstandskämpfer waren nur möglich, weil es damals eine willfährige (dem Nazi-Regime hörige) Justiz gab.

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