80 Jahre Konditorei Ebner

Fotos: Bernhard Bergmann

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„… ich muss auf Holz klopfen“,

Freitag, 21. August 2020

greift sich Reinhold Ebner, 81, an den Kopf

Obwohl er ganz, ganz schlecht sieht, kann Reinhold Ebner in seiner Tischlereiwerkstatt in der Lamberggasse im oststeirischen Pöllau – umgeben von komplizierten Maschinen – noch fast alles machen. Ob das Restaurieren von alten Türen, das Herstellen von Sitzgelegenheiten, das Drechseln von Schalen aus Kirschholz, … Hilft da die Erfahrung? „Ja, schon, aber eines darfst du dabei nicht – g’schlampert werden. Das muss man sich immer selbst sagen.“ Ein Freund hilft ihm, wenn es darum geht, Dinge aufzuzeichnen oder an einem Werkstückteil zu markieren.

Der Eine ist schon mit einem kleinen Wehwehchen arbeitsunfähig, den Anderen können selbst vier Schlaganfälle nicht von seinem Tun abhalten. Man staunt, wenn man dem betagten Tischlermeister beim Arbeiten in seiner Werkstatt beobachtet. Wie er sich langsam und vorsichtig, aber genau wissend, was sein nächster Handgriff sein wird, zwischen seinen Maschinen, dem Kettenspanner, der Bandschleifmaschine bewegt und sich praktisch alles ertastet.

Geboren in der Obersteiermark hat Reinhold Ebner in die Konditorei eingeheiratet und war in seinen jungen Jahren der erste Meister in der damals ganz kleinen Tischlerei Polzhofer (heute „Kapo“). Seine Frau Lisl schupfte mit ihrer Mutter und einer Tante die Konditorei, der Vater war aus dem Krieg nicht mehr zurückgekommen. Beide hatten Zuckerbäcker gelernt. Als nach und nach bald fünf Kinder zu „bändigen“ waren, wurde Reinhold Ebner zum Quereinsteiger in der Backstube. „In der Konditorei habe ich geholfen, die Teige auszurollen. Irgendwas machen, wo was draus wird – das war immer meine Leidenschaft. Das manuelle Tätigsein.“ Und: „Meine Frau hat die Schaumrollen gemacht und das Geld hab‘ ich verbraucht“, scherzt er.

Denn zum Bauen und Herrichten gab es immer etwas. Mit viel Fleiß haben die Ebners ihr „Anwesen“ in Pöllau Schritt für Schritt erweitert. Kennengelernt hat er seine Frau in Pöllau. „Wir sind über 50 Jahre verheiratet“, so Reinhold Ebner. „Aber ab und zu kenn‘ ich sie heute noch nicht“, feixt er. Die drei Töchter leben in Pöllau, sind dort bekannte Therapeutinnen. Der eine Sohn hat auch Tischler gelernt und Design und unterrichtet in der Holzfachschule Kuchl in Tirol. Der andere leitet in Rumänien eine Servicestation der Lufthansa mit 180 Mitarbeitern. Der Vater: „Jetzt ist es halt schwierig.“

Als wir von der Werkstatt zur Konditorei zurückgehen – alles liegt nahe beisammen –, resümiert Reinhold Ebner: „Wenn ich so ums Haus herum gehe und überall sehe, was ich gemacht habe, dann freut es mich.“ Auch seine Tochter Therese: „Ich war mit 21 Jahren die jüngste Konditormeisterin, als ich im Oktober 1996 von meiner Mutter die Konditorei übernommen habe.“ Heute führt sie diese mit ihrem Mann, von Beruf ausgebildeter Koch und Kellner. Die Köstlichkeiten des Hauses Ebner aus der Welt des Süßen sind heute über Pöllau hinaus bekannt. Dazu gehört auch der Pöllauer Lebkuchen. Mutter Lisl tüftelt schon seit jeher an den Rezepturen nach alter Tradition. Heute unterstützt von Tochter Therese.

Gefragt sind auch die von Hand gefertigten Trüffel-Pralinen, verpackt im klassischen „Pöllauer Schatzkisterl“. Und dann ist da auch noch die Tortenlandschaft mit der original Steirertorte oder den vielen verschiedenen Hochzeitstorten. „Die Zutaten kommen logischerweise großteils aus der Region“, so die Juniorchefin. „Als Fachbetrieb sind wir die einzigen bis Graz hinein. Bei uns gibt’s keinen Toast und keine Würschtel – da sind wir sehr streng.“ Sie bedauert, dass es für die Tradition des Zuckerbäckers/Konditors in Österreich zu wenig Nachwuchs gibt. „Dabei sind es in den internationalen Hotels gerade Österreicher, die sehr gefragt sind. Weil wir so gute Mehlspeisen machen können.“

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