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„Tom hat viel Erfahrung, kann begeistern, weiß, was verträglich ist, ist authentisch, weil er selbst viele Sportarten betreibt.“ Fotos: beigestellt

Fünf L, die wichtig sind für ein gutes Leben: Lachen, Lieben, Lernen, Laufen und Leichte Kost. Korschelts persönliche 6-S-Theorie: „Sport ist gut fürs Sehen, für Spaß, Selbstbewusstsein, Schlafen, Sex und Schei…“

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Auch ihr Mann Harald profitierte: heute 25 kg weniger

Auch ihr Mann Harald profitierte: heute 25 kg weniger

Mit unglaublich vielen Details,
Anregungen und Tipps für Nachahmer – ganz egal, ob sie nun nur fitter werden wollen oder 10, 20 oder auch 30 kg abnehmen möchten.

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Schlank wäre sie nie gewesen, aber irgendwie begann alles aus dem Ruder zu laufen

Schlank wäre sie nie gewesen, aber irgendwie begann alles aus dem Ruder zu laufen

Zuerst 155 kg schwer – dann 77

Freitag, 14. August 2020

Die Grazer Richterin Andrea Korschelt: Ohne Diät, aber mit Hoffnung, einem schweren Anfang, wachsender Begeisterung, buntem Essen, Rückschlägen, Regeneration und viel Training zu einem neuen Leben.

Wie habe ich das bloß geschafft

Diese Frage stellt sich die Grazerin Andrea Korschelt zu Beginn ihrer Geschichte in dem gemeinsam mit ihrem Trainer geschriebenen Buch „Halbiert“, in dem beide, dem Buchtitel auch entsprechend, ihre Sicht, ihre Erfahrungen wiedergeben.

Schlank wäre sie nie gewesen, aber irgendwie begann alles aus dem Ruder zu laufen. Es gab kaum eine Diät, die sie nicht ausprobiert hätte – auch mit kurzfristigen Erfolgen. Und dann stellte sich irgendwann Resignation ein. „Als ich über 120 kg hatte und dies die Kapazität meiner Waage überschritt, kaufte ich mir noch eine neue Waage, die immerhin 140 kg anzeigte. Als diese Waage dann auch nicht mehr tauglich war, begnügte ich mich mit dem Selbstbetrug, dass ich offenbar 141 kg wog.“

Beim ersten Kontakt in Toms Studio bot dieser ihr an, seine Waage zu benützen. „Ich erlitt einen ordentlichen Schock“, so Andrea Korschelt. „Das etwas über 140 kg waren dann tatsächlich 155 kg.“

Und natürlich waren Beschwerlichkeiten der Grund dafür, dass sie nach der Konsultation eines Facharztes – „Versuchen Sie es mit einem Personaltraining“ – in der Sportwissenschaftlichen Beratung von Tom Gmoser landete. Die Atemnot beim Gehen war schlimm geworden, gegen den Bluthochdruck nahm sie Medikamente, die Müdigkeit und die Erschöpfung waren ständige Begleiter. Sie konnte sich nur noch mit dem Auto fortbewegen. Steileres Gelände beim Gehen vermied sie. Es war peinlich, wenn sie bei Veranstaltungen mehr als einen Sessel ausfüllte – einmal sogar gebeten wurde, am Rande der Sitzreihe Platz zu nehmen, im Flugzeug um die Verlängerung des Sitzgurtes zu bitten. „Ich wollte die Realität nicht wahrnehmen und versuchte, die Dinge zu verdrängen.Die Familie begann sich Sorgen um meine Gesundheit zu machen“, so Andrea Korschelt. „Auf Anregungen und Hinweise reagierte ich wie eine Kobra.“

Harmoniebedürftig vermied man daher in der Familie, das Thema anzusprechen. Besonders ihr Mann Harald, der zahlreiche diesbezügliche Ansätze gewagt hatte, begann das Thema auszuklammern, „um mich bei Laune zu halten“.

Tom Gmoser – und das war natürlich mitentscheidend für den späteren Erfolg – als Profi strahlte er für sie Freude und Begeisterung für seine Tätigkeit aus und machte ihr klar, dass „das Projekt“, das nun bevorstand, Energie kosten und nicht zu einem Spaziergang werde. Die Zielsetzung, die er vorgab, mit einem ausgeklügelten Etappenplan unter die 100 kg zu kommen, war 99 kg („unverzichtbar auch ein Ernährungsprotokoll“). Korschelt: „Ich hatte das die letzten 20 Jahre nicht erreicht und damit war die Hoffnung geboren, es vielleicht doch schaffen zu können.“ Der Zeitraum, den er dafür festlegte, waren eindreiviertel Jahre. „Der Startschuss war am 7. August 2014“, so Andrea Korschelt. „Und den Tag werde ich mir ewig merken. Ich habe mir gar nicht vorstellen können, welche Lebensqualität ich damit wirklich gewinnen kann“, blickt die heute 62-Jährige zurück.

„Rein physiologisch beginnen mit dem individuellen Training sofort unglaubliche Anpassungsvorgänge im Körper“, erklärte ihr Tom Gmoser. „Mehr rote Blutkörperchen für mehr Sauerstofftransport, ökonomischere Herzarbeit, mehr Nährstoffe in der Muskulatur für bessere Leistungsfähigkeit, Verbesserung der Stoffwechselvorgänge, der Knochenstruktur, der Stressresistenz, und, und. Das Wohlbefinden steigt unglaublich an.“ Prinzipiell galt bei der Ernährung: kein Alkohol, kein Zucker, wenig Fette. Auch die Haut brachte viel Pflege. Durch das Training wurde vieles fester. Alles ging natürlich nicht weg. Aber Andrea Korschelt hat auch viel gebürstet und gecremt.

 

„Nach einem dreiviertel Jahr brauchte ich keine Blutdruckmittel mehr“, so Andrea Korschelt. „Auch meine Sehleistung hat sich verbessert. Vorher hatte ich viele Male vom Auto aus gedacht, wie schön es wäre, da oder dort spazieren zu gehen. Nun konnte ich die Natur mit allen Sinnen erleben und das habe ich unwahrscheinlich genossen. Es war ein völlig neues Leben. Auch mit Auswirkungen auf die Partnerschaft“, wie sie dezent formulierend hinzufügt. Der Nebeneffekt ihres Projekts: Auch ihr Mann Harald nahm durch die geänderten Ernährungsgewohnheiten und als Begleiter da und dort bei ihrem Training rund 25 kg ab. „Es war herrlich, in einen Raum zu kommen und nicht mehr die Dickste zu sein.“

Anfang8_Aufzeichnungen

Ein Kapitel im Buch ist mit dem Begriff „Begeisterung“ überschrieben. „Die wichtigste Erfahrung für mich war, dass sich alles im Kopf abspielt. Beim Trainieren hörte ich zu Beginn beim Gehen oder sonstwo immer das Lied
,I have a dream‘ von Abba. Das Visualisieren meines Ziels war ganz wichtig, um Rückschläge, Stillstände, die ja klarerweise da waren, zu überwinden und zu verkraften.“ Der Erfolg beruht auch auf der Einfachheit des Konzepts, das ihr Tom Gmoser erstellt hat. Denn die Motivation lebt nicht von grauen Zahlen oder Normwerten, ob man drunter oder drüber ist, sondern von positiven Erlebnissen beim Sport und der Bewegung. Man kramt in der Vergangenheit und denkt an Dinge, die man gerne wieder machen würde, die man schon abgeschrieben hat, auf die man hinarbeitet. Und wenn es dann soweit ist, ist das unheimlich motivierend. „Das war ein unsagbarer Gewinn an Lebensqualität“, schreibt sie am Schluss des Buches. „Ich hatte mich zwar halbiert, aber gleichzeitig hatte ich meine Widerstandsfähigkeit und Dynamik vervielfacht. Vielleicht schreibe ich einmal ein Buch ,Verdoppelt‘. Dabei würde ich dann aber nicht vom Gewicht, sondern nur von meiner Lebensfreude erzählen.“ Und die hat sich bis heute nicht verändert.

Anmerkung: Heute wiegt Andrea Korschelt sogar nur 67 kg.