20190129-IMG_3922-klein-Logo

Gerhard Hirschmann mit Alt-Bischof Egon Kapellari (re.). Foto: Heimo Ruschitz

... mit Hermann Schützenhöfer (Foto: STVP)

... mit Hermann Schützenhöfer (Foto: STVP)

Das Grab von Gerhard Hirschman am Friedhof in Graz St. Veit. Foto: Klipp

Das Grab von Gerhard Hirschman am Friedhof in Graz St. Veit. Foto: Klipp

Gerhard Hirschmann - geboren am am 28. April 1951, verstorben am 27. September 2019. Foto: GEPA pictures

Gerhard Hirschmann - geboren am am 28. April 1951, verstorben am 27. September 2019. Foto: GEPA pictures

Foto: Klipp

Foto: Klipp

Er blieb ein Suchender

Samstag, 26. September 2020

Vor einem Jahr, am 27. September, verstarb Ex-ÖVP-Querdenker Gerhard Hirschmann

Vor einem Jahr, am 27. September, verstarb Gerhard Hirschmann, 68, bei einer Zugfahrt – er hatte seine Kinder in Wien besucht – nach Graz an einem Herzinfarkt. Hirschmann war charismatisch, empathisch, aber zu sich selbst auch unbequem. Er blieb ein Suchender. Nur privat hatte er mit Lebenspartnerin Brigitte seine Ruhe, sein Glück gefunden.

Krainer war sein Förderer
Der Aufstieg des groß gewachsenen, durchaus charismatischen jungen Oststeirers – er war in Gnas geboren – begann innerhalb der steirischen ÖVP Anfang der 1970er-Jahre. Mit Gerhard Hirschmann und Bernd Schilcher hatte der spätere Landeshauptmann Josef Krainer – damals war Friedrich Niederl Landeshauptmann, Krainer vorerst „nur“ Parteiobmann – zwei Kreativköpfe und Querdenker um sich geschart. Unter ihrer Führung entwickelte die ÖVP das „Modell Steiermark“. Es war das Fundament für Krainers erfolgreiche Politik, später wurde es zu seinem politischen Testament. Bernd Schilcher verstarb am 29. Mai 2015, Josef Krainer am 30. Dezember 2016. Von 1989 als Klubobmann, dann ab 1993 bis 2003 als Landesrat war das Landhaus die Arbeitsstätte von Gerhard Hirschmann. Nach Josef Krainers Wahlniederlage im Jahre 1995 – er verlor die absolute Mehrheit – schlug dieser Hirschmann als seinen Nachfolger vor. Überraschend lehnte Hirschmann jedoch aus privaten (familären) Gründen ab und schlug seinerseits Waltraud Klasnic vor. 2003 wechselte Hirschmann als Vorstandsdirektor in die Energie Steiermark.

Altbischof Egon Kapellari am Grab in St. Veit: „Er war ein unbequemer Freund, unbequem auch gegen sich selber. Er hatte eine Begabung zu eloquentem Spott. Aber er wusste auch um die eigenen Fehler.“

2004 kam es zum Konflikt und Bruch mit der damaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic. Hirschmann zeigte sich mit der Strategie und den Vorkommnissen in der Energie Steiermark nicht einverstanden.

Abtrünnig
Was ihm viele innerhalb der ÖVP bis zu seinem Tod nicht verziehen haben: Im Jahr 2005 bei  der Landtagswahl trat Gerhard Hirschmann mit einer eigenen Liste an. Er scheiterte jedoch klar am Einzug in den Landtag. Ein schwerer Schlag für Hirschmann. Der ÖVP-interne Konflikt hatte aber dramatische Folgen für die sieggewohnte ÖVP: Sie verlor erstmals nach 60 Jahren den Landeshauptmann. Waltraud Klasnic musste ungewollt in die Pension und ihr Nachfolger war mit Franz Voves erstmals ein SPÖ-Politiker in der Steiermark. Erst im November 2019 bei der vorverlegten Landtagswahl wurde die ÖVP erstmals wieder stimmenstärkste Partei in der Steiermark. Bis zu Hirschmanns Tod blieben alle Versöhnungsversuche gegenüber Klasnic – zuletzt auch jene von Hermann Schützenhöfer – erfolglos.

Wiederholt äußerte Hirschmann Freunden gegenüber seinen Wunsch, dass er später einmal in Gnas begraben werden möchte. Seine geliebte Mutter, die er wöchentlich besuchte und noch in seinem Geburtsort lebte und seine Geschwister waren der Grund. Doch sein letzter Wunsch erfüllte sich nicht. Seine Kinder aus der vor 20 Jahren geschiedenen Ehe bestanden auf Graz. Die letzte Ruhe fand er im Grab seiner Ex-Schwiegermutter. Nur 14 Tage später verstarb auch Gerhard Hirschmanns Mutter nach einem zuvor im April erlittenen Schlaganfall. Sie fand ihre letzte Ruhe in Gnas.

PS: Nur wenige Wochen vor Gerhard Hirschmann war Helmut Strobl (ÖVP-Politiker und Querdenker in Graz), 75, einer der Weggefährten, verstorben. Für ihn werden das Land Steiermark und die Stadt Graz im Bereich des Kunsthauses ein zeitgenössisches Denkmal errichten. Der Wettbewerb dafür läuft. In welcher Form und wo das Land an Gerhard Hirschmann gedenken wird – darüber gibt’s noch keine Einigkeit.