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Primoz Roglic. Fotos: Wikipedia

Tadej Pogacar

Tadej Pogacar

Slowenien im Ausnahmezustand

Freitag, 18. September 2020

Primoz Roglic und Tadej Pogacar: zwei „Nachbarn“ als Sporthelden

Österreich ist mit seinen neun Millionen Einwohnern ein kleiner Fleck auf der Weltkarte des Sports; unser Nachbarland Slowenien, mit nur knapp zwei Millionen, ist fast nicht mehr sichtbar. Mit Dominic Thiem feierte Österreich am vergangenen Wochenende einen „historischen Sieger“. Morgen wird bei unseren Nachbarn in Slowenien der Ausnahmezustand ausgerufen, wenn die beiden slowenischen Profi-Radler Primoz Roglic und Tadej Pogacar die Tour de France beenden. Primoz Roglic wird als Sieger in Paris gefeiert und sein jüngerer Landsmann Tadej Pogacar wird als Zweiter auf dem Podium stehen. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Noch dazu ist Radfahren in unserem kleinen Nachbarland ein sehr populärer Sport.

Es war in den letzten Wochen zu beobachten, dass die großen österreichischen Medien zwar über die Tour de France umfassend berichteten. Aber die Tatsache, dass zwei Slowenen das wichtigste Radrennen der Welt anführen, wurde klarerweise lobend erwähnt, doch die Einmaligkeit dieser Situation nicht wirklich entsprechend dargestellt. Überspitzt formuliert wurde die dreiwöchige Tour de France, bei der die weltweit besten Radprofis um den Sieg kämpfen, damit zu einer „slowenischen Meisterschaft“. Die beiden Slowenen werden auf Jahrzehnte zu Sportikonen in Slowenien werden. Ein unvorstellbarer Höhenflug.

Und weil ich den historischen Erfolg von Dominic Thiem angeführt habe: Zwischen Tennis und Radfahren gibt’s einen entscheidenden Unterschied. Im Tennis gewinnt der Einzelkämpfer. Radfahren ist ein Teamsport. Trainiert wird allein und in Gruppen. Doch der Erfolg bei Rennen – abgesehen vom Einzel-Zeitfahren – gelingt nur dann, wenn der spätere Sieger ein entsprechend starkes Team hinter sich hat. Das haben die beiden Slowenen Primoz Roglic und Tadej Pogacar bei der zu Ende gehenden Tour de France sicher gehabt. Es schmälert aber in keinem Fall ihren historischen Erfolg.

J.L.