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Foto: Klipp (Pixabay)

Massentests: Teuer, aber wenig sinnvoll?

Dienstag, 24. November 2020

Jede Regierung will – natürlich auch die schwarzgrüne Koalition mit Kanzler Kurz und Vizekanzler Kogler –, das Beste für die Bevölkerung in Sachen Gesundheit und Covid-19-Abwehr. Nur leider scheint diese Regierung nicht die weitblickendsten Berater zu haben und deswegen viele unverständliche Maßnahmen und Entscheidungen zu treffen und anzukündigen.

Weil die Slowakei und einige andere Regionen in Europa Massentests in der Bevölkerung durchführen wollen oder durchgeführt haben (Südtirol), glaubt die Bundesregierung nun daran, mit Massentests eine ganz besondere wirksame Maßnahme umsetzen zu wollen.

Überaus viele kritische Stimmen und jede Menge offener Fragen gibt es allerdings bis zum Start der Massentests, die bereits in zehn Tagen starten sollen. Nicht nachvollziehbar ist daher die Position von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, der praktisch vorbehaltslos dieses Projekt wiederholt als äußerst begrüßenswert und tauglich betrachtet.

Dabei ist die aufwändige Logistik im Zusammenhang mit Massentests nur in Ansätzen umgesetzt und es besteht die Gefahr, dass das Ergebnis und die Kosten im Vergleich zum Nutzen in keinem Verhältnis stehen.

Zum Ersten ist ein solcher Massentest eine Momentaufnahme und es müsste daher zumindest eine Woche später bereits an den Teilnehmern der ersten Tests neuerlich eine Testung vorgenommen werden.

Einfach zu behaupten, ein solcher Massentest wäre ähnlich wie ein Wahltag, greift überhaupt nicht. Denn es bedarf ja eines geschulten Personals (und dazu braucht es tausende Personen) an den Teststationen, das vom Testen etwas versteht.

Woher sollte man dieses kompetente Personal in so kurzer Zeit nehmen? Wo gibt es die Kapazitäten, um diese Ergebnisse dann zielführend weiter zu verarbeiten und weiter zu verfolgen?

In Graz will der Corona-Krisenstab das, wenn notwendig, sogar im Alleingang abwickeln. Eine völlige Überschätzung der eigenen Kapazitäten.

Woher sollte man alle diese Contact-Tracer nehmen, die dann in der Folge die Recherche der Kontaktpersonen vornehmen? In welchem Zeitraum bekommen positiv Getestete dann allenfalls die Quarantäne-Bescheide?

Bisher waren es in Graz einige hunderte positiv Getestete, dann werden es möglicherweise tausende sein.

Auch aus anderen Bundesländern kommen kritische Anmerkungen – ob Kärnten oder auch Salzburg usw. Ganz scharf die Reaktion aus dem Büro von Landeshauptmann Kaiser. „Insgesamt spottet die Vorgehensweise insbesondere von Bundeskanzler Kurz und seiner rein auf Eigennutz ausgerichteten PR-Kommunikationsstrategie jeder Beschreibung einer verantwortungsbewussten Politik, die zu allererst das Wohl aller in Österreich lebenden Menschen im Auge haben müsste“, sagt Kaisers Pressesprecher Andreas Schäfermeier auf Anfrage der „Kleinen Zeitung“.