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Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek

Julije Knifer, "Arbeitsprozess, Tübingen", 1975, aus einer 10-teiligen Fotoserie, 21 × 29,7 cm, 1977, Schenkung des Künstlers, Foto: Bildrecht Wien, 2020

Julije Knifer, "Arbeitsprozess, Tübingen", 1975, aus einer 10-teiligen Fotoserie, 21 × 29,7 cm, 1977, Schenkung des Künstlers, Foto: Bildrecht Wien, 2020

Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek

Foto: Universalmuseum Joanneum/J.J.Kucek

Julije Knifer: Kompromisslos

Montag, 28. Dezember 2020

Retrospektive des renommierten Künstlers in der Neuen Galerie Graz

Seit dem 8. Dezember sind die Museen des Universalmuseums Joanneum wieder geöffnet und die neue Ausstellung Julije Knifer. Kompromisslos in der Neuen Galerie Graz somit erstmals für Besucher zugänglich. Knifer ist einer der bekanntesten Künstler Kroatiens nach 1945 und erlangte mit seinen Mäander-Bildern Weltruhm.

Ausgehend von konstruktivistischen Traditionen der Nove Tendencije und im Zuge der postexpressiven, konzeptuell-minimalistischen Strömungen der Malerei in Europa und den USA in den 1950er-Jahren gelangte Knifer um 1960 mit den „Mäander“-Bildern zu seinem signifikanten Motiv.

Mit der grundlegenden Intention der Schaffung eines „Antibildes“ durch den Prozess der extremen Reduktion von Formen und Inhalten, strebte Knifer nach Ausdrucksmöglichkeiten des Absurden als einem Mittel, traditionelle Wertesysteme der Kunst und die ihnen entsprechenden Normvorstellungen der Nachkriegsgesellschaft teils provozierend zu hinterfragen. Diese Intention war ganz im Sinn des lose zusammengeschlossenen Künstlerkollektivs Gorgona-Gruppe (1959‒1966), das von ihm mitbegründet wurde.. Damit standen Knifer und Gorgona zum einen in der Nachfolge der Dada-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, die ähnliche Ziele verfolgt hatte, zum anderen ist er vergleichbar mit Zeitgenossen wie beispielsweise den Vertreter*innen von Fluxus, Happening und Pop-Art oder den Protagonisten der Wiener Gruppe und des Aktionismus im Österreich der 1960er-Jahre. Für Knifer bedeutete das Element der Wiederholung in der Arbeit an den „Mäander“-Bildern, die sich teils über Monate erstreckte und auch starke meditative Aspekte einschloss, auch eine „ganz bestimmte Form der Freiheit (…), mein gesamter Arbeitsprozess ist eigentlich ein Strom ohne Schwingungen und mit dem Ziel, Monotonie zu erreichen, die der einfachste und ausgeprägteste Rhythmus ist“.

Knifer war mit Ausstellungen in den prominentesten Institutionen der internationalen zeitgenössischen Kunst vertreten, seine Werke sind in exklusiven Privat- und Museumssammlungen zu finden, wie etwa im MoMA in New York und in der Sammlung des Centre Pompidou in Paris, wo Knifer auch einen Großteil seines Lebens verbrachte. Mit Graz ist Julije Knifer durch seine Teilnahme an der Ausstellung trigon 77, welche unter dem Thema Der kreative Prozeß lief, verbunden. Die Sammlung der Neuen Galerie Graz besitzt u. a. aus dieser Zeit einige Werke des Künstlers sowie eine Dokumentation der aufsehenerregenden Aktion Arbeitsprozess Tübingen aus dem Jahr 1975, wo ein monumentaler Mäander in einem aufgelassenen Steinbruch entrollt worden war.

Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt von den frühesten Arbeiten Knifers aus den späten 1950er-Jahren, in denen der Künstler in zahlreichen formalen Experimenten, die aus den Errungenschaften der Moderne schöpften, seinen Weg zum idealen Bild bzw. „Antibild“ suchte, über die intensive Entfaltung des Mäander-Motivs ab ca. 1960 bis hin zu den späten Arbeiten der 1990er-Jahre. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Muzej Suvremene Umjetnosti (MSU)/Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Zagreb, statt und präsentiert neben den Werken des Zagreber Museums auch Leihgaben aus US-amerikanischem und französischem Galerien- und Privatbesitz.

Julije Knifer. Kompromisslos

Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, 8010 Graz
08.12.2021–25.04.2021

www.neuegaleriegraz.at