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Foto: Klipp / Pixabay

Corona-Impf-Strategie im Land nicht gut genug

Montag, 25. Januar 2021

Wie weit daneben, mangel- und fehlerhaft die Impf-Strategie des Landes-Impfkoordinators Michael Koren und seines Teams ist, lässt sich in der Praxis und an Details ablesen. Alles erfolgt ja unter dem Versprechen, dass der „Schutz der vulnerablen Gruppen“ das oberste Gebot sei.

Mir sind allein in Graz in meinem näheren Umfeld drei Frauen bekannt, im Alter von 90 bis 97. Sie leben noch in ihren eigenen vier Wänden, führen also mehr oder minder ein selbstbestimmtes Leben. Da und dort unterstützt durch nahe wohnende Familienangehörige, Bekannte, Freunde und auch stundenweise betreut.

Bis heute gelang es den drei Frauen und ihrem Umfeld nicht, zu erfahren, wann und wo sie geimpft werden. Unverständlich, da doch in Österreich bereits seit einem Monat „weit Jüngere“ geimpft werden. Es liegt offensichtlich daran, dass es Steiermarks Impfkoordinator Michael Koren und die Seinen nicht zustande gebracht haben, früh genug einen Impfplan für die „Ältesten“ zu erstellen, die nicht in Heimen leben. Obwohl auch diese neben jenen in den Heimen und dem medizinischen Personal bevorzugt behandelt werden müssen, wie es seit Monaten heißt.

Dabei wäre es einfach: Ein Klick ins zentrale Melderegister genügt und man erfasst all jene Steirerinnen und Steirer, die über 80, 85, 90 oder gar 95 Jahre alt sind. Und basierend auf diesen Daten hätte man schon vor Monaten exakte Ablaufpläne für die Impfung erstellen und die wirklich Alten auch informieren können.

Das, was jetzt anläuft, mit heutigem Tag, ist für mich – ich sage es so, wie ich es empfinde – amateurhaft, nicht nachahmenswert und zum Teil fahrlässig. Weil man damit das Leben derer weiterhin gefährdet, die als besonders schützenswert gelten.

Vor wenigen Tagen feierte die 96-jährige Dame ihren Geburtstag – mit vielen persönlichen Glückwünschen. Während jüngere Steirer ihre FFP2-Masken bereits in den letzten Wochen erhalten haben, hat sie diese noch nicht in ihrem Postkasten. Wiewohl sie schon längst zugesandt hätten werden müssen.

Auch wenn die Lebenszeit der „Super-Alten“, die noch vor ihnen liegt, überschaubar ist, sind diese drei Frauen zum Glück noch „lebendige Beispiele“ dafür, dass Vieles von den Verantwortlichen im Gesundheitssystem oder in der Politik zwar versprochen, aber schlecht umgesetzt wird. Und dabei sollte man nicht auf jene Opfer vergessen, die es auch hätten schaffen können, wenn die angekündigten Maßnahmen zum Schutz des Lebens rechtzeitig erfolgt wären. Die Chancen waren da. Die vielen Todesopfer in den steirischen Heimen sind leider der traurige Beleg dafür.

Wie hat es zu Beginn der Krise doch der Kanzler als Führer im „Corona-Quartett“ ständig wiederholt: Bitte tun Sie mit, liebe Österreicher, wir wollen ja die Oma und den Opa schützen!

Ein knappes Jahr danach lässt dieser Schutz noch immer zu wünschen übrig.

JL