klein020_foto_schedl

Foto: zVg

Titel

Gericht: KAGes muss Kosten tragen

Mittwoch, 13. Januar 2021

Anwältin Karin Prutsch erkämpft für SMA-Opfer lebensrettende Therapie

„Ich habe mein eigenes Schicksal für mich als Berufung gesehen.“ Die Grazer Anwältin Karin Prutsch, 47, vertritt seit rund 15 Jahren „Medizin-Opfer“. „Ich vertrete Leute, die sonst nicht gehört werden und keine Stimme haben. Sie sehen in mir oft die letzte Hoffnung für Gerechtigkeit ihres Anliegens.“ Das erklärte die Anwältin kürzlich im KLIPP-Gespräch.

In diesen Tagen freut sie sich über zwei historische Gerichtsentscheidungen. Diese betreffen zwei junge Klienten und für sie geht es ohne Übertreibung um „Leben und Tod“. Nach jahrelangem Gerichtsstreit startet nun bei Nicola D., die von der seltenen Muskelschwund-Krankheit SMA (Spinale Muskelatrophie), betroffen ist, die Behandlung mit Spinraza. Die KAGes lehnte es bisher ab, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen – es gäbe keine ausreichenden Erfolgschancen. Das Gericht in Graz entschied nun vorerst per einstweiliger Verfügung: die KAGes muss die Kosten der Therapie übernehmen. Eine Spritze kostet 80.000 Euro. Das Gerichtsverfahren läuft noch. Aufgrund der einstweiligen Verfügung muss die 14-jährige Nicola bereits morgen mit Spinraza am LKH Graz behandelt werden. Deren Mutter in der „Kleinen Zeitung“: Es ist ihre erste Behandlung mit Spinraza. Meine Tochter ist im Kleinkindalter an SMA erkrankt. Nicola sitzt im E-Rollstuhl, kann auch nicht selbst stehen und hat eine Beatmungshilfe in der Nacht.

Auch bei einem weiteren SMA-Opfer dem 15-jährigen Georg Polic, hat die „Retterin in Not“ Karin Prutsch in den letzten Wochen bei Gericht ein für den jugendlichen positives Urteil erwirkt. Seine teure und erfolgreiche Behandlung mit Spinraza – außerhalb der Steiermark – wurde bisher durch private Helfer in einer Spendenaktion bezahlt. „Bei Georg hat die KAGes bis 3. Februar Zeit, Berufung einzulegen. Bis jetzt wissen wir nicht, ob das geschieht“, erklärt die Anwältin. Daher hat sie im Fall von Georg ebenfalls den Antrag auf einstweilige Verfügung eingebracht. „Damit Georgs Spinraza-Behandlung auch wirklich am 23. Februar in Graz starten kann. Derzeit sind vier Fälle“, so Karin Prutsch, „von SMA-Patienten gerichtsanhängig.“ Insgesamt kämpft sie aber für zwölf SMA-Patienten in der Steiermark um eine Behandlung.

Lesen Sie auch die große Reportage über ihren Kampf für „Medizin-Opfer“ im KLIPP