ÖAKampagne Mutmacher mit StR Hohensinner und Jugendamt

v.l.: LR Juliane Bogner-Strauß, Abteilungsvorständin Ingrid Krammer, StR Kurt Hohensinner, Klinikvorstand Holger Till undGabriella Walisch, Fachbereichsleiterin Kinderschutz-Zentrum Graz. Foto: Stadt Graz / Fischer

Mutmacher 2.0

Mittwoch, 13. Januar 2021

Stadt Graz baut Initiative gegen Gewalt an Kindern weiter aus

Vor mehr als 30 Jahren, am 20. November 1989, wurde von der UNO die Konvention über die Rechte des Kindes beschlossen. Dieses Übereinkommen sichert jedem Kind grundlegende politische, soziale, ökonomische, kulturelle und bürgerliche Rechte zu. Ebenfalls im Jahr 1989 wurde in Österreich Gewalt in der Erziehung verboten. „Trotzdem gehört das Thema Gewalt in der Familie leider nicht der Vergangenheit an. Nach wie vor sind manche Kinder von Gewalt in der Familie oder in ihrem Umfeld betroffen. Diese kommt dabei nach wie vor in allen Altersstufen, Kulturen und sozialen Schichten vor“, weiß Bildungs-, Jugend- und Familienstadtrat Kurt Hohensinner. Vor diesem Hintergrund wurde im vergangenen Jahr von der Stadt Graz die Kampagne „Mutmacher“ entwickelt und umgesetzt. Mit kleinen, kuscheligen Wesen, den so genannten Mutmachern, soll verstärkt auf die Thematik aufmerksam gemacht und die Grazerinnen und Grazer für den Kinderschutz sensibilisiert werden. „Ursprünglich war es als Jahresprojekt geplant. Aufgrund der zahlreichen positiven Feedbacks haben wir uns nun aber entschlossen, dieses Projekt dauerhaft weiterzuführen. Für die zweite Auflage wurden nun auch Verbesserungswünsche eingearbeitet“, so Hohensinner.

Mut, in schwierigen Situationen Rat einzuholen
Gerade in für Familien herausfordernden Zeiten wie diesen, ist das Thema Gewaltschutz von Kindern besonders wichtig. Unser Ziel muss es sein, allen Kindern ein gewaltfreies Aufwachsen in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Die Initiative ‚Mutmacher‘ hat bereits im vergangenen Jahr für Aufmerksamkeit gesorgt und deshalb bin ich wirklich froh, dass diese ihre Fortführung findet“, so Landesrätin Juliane Bogner-Strauß und sagt weiter: „Sich in schwierigen Lebenssituationen Rat einzuholen und einfach darüber zu sprechen, kann Berge versetzen und ist ein starkes Zeichen. Ermutigen wir unsere Kinder über Ihre Anliegen zu sprechen, denn den Mutigen gehört bekanntlich die Welt!“

Mut, familiäre Gewalt anzusprechen
Für Abteilungsvorständin Ingrid Krammer ist die Initiative auch ein wichtiges Vernetzungsprojekt des Amtes für Jugend und Familie: „Kinderschutz ist seit jeher eine der Kernaufgaben des Amtes für Jugend und Familie – ein gesetzlicher Auftrag, den wir nur im Verbund mit vielen Partnern erfüllen können, ich denke dabei im Besonderen natürlich an die Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, die Polizei, Kinderschutz-Einrichtungen und viele andere.“ So wird auch die Mutmacher-Kampagne in Kooperation mit der Abteilung für Bildung und Integration durchgeführt. In den kommenden Wochen bekommen alle Grazer Kinder in den 3. Klassen Volksschule ihren ganz individuellen Mutmacher bzw. ihre Mutmacherin. Diese werden von den drei sozialökonomischen Betrieben tag.werk, Jugend am Werk und heidenspass produziert. Nachdem sie aus Stoffresten gefertigt werden, haben alle ein (beinahe) einzigartiges Aussehen. „Wir wollen ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Kindern setzen. Gleichzeitig war uns aber wichtig, dass die Mutmacher auch eine positive Bedeutung für die Kinder haben und ein kuscheliger Begleiter für sie und ihre Familien sind“, erklärt Hohensinner, „Mut braucht man in vielen Situationen: Vor Schularbeiten, schwierigen Entscheidungen oder wenn es eben darum geht Dinge anzusprechen. Genau dann können sich die Kinder an ihre Mutmacher wenden.“

Mut zur zweiten Auflage
Begleitend zur Einführung des Mutmachers in den Grazer Schulen wurde eine Evaluierung des Projekts durch die Universität Graz durchgeführt. Diese und zahlreiche positive Rückmeldungen aus den Schulen waren ausschlaggebend für die zweite Auflage. Für diese wurden einige Ergänzungen und Verbesserungen zur Initiative vorgenommen. Ein wesentlicher Punkt der Rückmeldungen waren die Wünsche der Schulen nach Unterstützung im Projektunterricht zum Mutmacher bzw. zum Thema Gewalt. Daher besteht im heurigen Schuljahr die Möglichkeit, dass Expertinnen und Experten des Jugendamtes von den Schulen zum gemeinsamen Projektunterricht eingeladen werden können. „Die Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Schaltstelle des Projekts“, weiß der Jugend- und Familienstadtrat, „deshalb wollten wir diesen die Möglichkeit geben auf unser Fachpersonal zurückzugreifen. Das ist eine wichtige Unterstützung, gerade beim schwierigen Thema Gewalt.“ Die Pädagoginnen und Pädagogen werden darüber hinaus auch mit weiteren Neuerungen unterstützt: Gemeinsam mit vier Lehrerinnen der angesprochenen Schulstufe wurde ein Arbeitsheft für die Schülerinnen und Schüler entwickelt, damit das Thema gut im Unterricht bearbeitet werden kann. Zusätzlich gibt es Programme und Vorschläge für den Unterricht zum Thema. Ebenfalls neu ist der Elternbrief, der auf der Verpackung des Mutmachers zu finden ist. Dieser ist in einfacher und klarer Sprache gehalten und ist auch in den zehn in Graz häufigsten Sprachen verfügbar.

Mut, hinzuschauen
Die Mutmacher sollen dabei helfen mit Kindern leichter ins Gespräch zu kommen, wenn es um Fragen familiärer Gewalt geht. Die Patronanz für diese Initiative haben die beiden Klinikvorstände, Universitätsprofessor Ernst Eber (Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde) und Universitätsprofessor Holger Till (Kinder- und Jugendchirurgie), gerne übernommen. „Die Unterstützung bzw. Stärkung der Ausdrucksmöglichkeiten von Kindern stellt besonders in herausfordernden Zeiten eine wichtige Initiative und gute Investition in die Zukunft unserer Kinder dar. Mutmacher und Mutmacherinnen können Kommunikation unabhängig vom sozioökonomischen Status stärken und im besten Fall direkte Kommunikation und Reflexion ermöglichen“, erklärt Eber. Inhaltlich begleitet wird die Kampagne vom Kinderschutz-Zentrum Graz, stellvertretend für die Grazer Kinderschutz-Einrichtungen. Das Kinderschutz-Zentrum Graz ist eine Beratungs- und Therapieeinrichtung und besteht seit nunmehr 30 Jahren. Die Arbeitsschwerpunkte sind psychische, physische und sexuelle Gewalt in der Familie. Das Zentrum bietet Unterstützung und Hilfe für Kinder, Jugendliche, Eltern, Erziehungsberechtigte und Bezugspersonen bei Gewalterfahrungen, Krisen und verschiedensten anderen Problemen an.

Mut, Hilfe in Anspruch zu nehmen
Die Initiative versteht sich als ein Teil der Anstrengungen des Amtes für Jugend und Familie zum Thema Kinderschutz. „Damit es erst gar nicht zu Gewalt in der Familie kommt, setzen wir im Jugendamt verstärkt auf den präventiven Kinderschutz. Dieser gilt 365 Tage im Jahr und geht uns alle an. Als Amt stärken wir Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und beraten sie, wenn sie an ihre Grenzen stoßen. Je früher Eltern zu uns kommen, desto besser können wir sie unterstützen! Wir alle kennen das nigerianische Sprichwort: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Die Idee dahinter ist, dass Kinder in einem sozialen Umfeld aufwachsen, dass sie vielfältige Ansprechpartner brauchen und vor allem, dass Kindererziehung nicht nur auf den Schultern von Müttern und Vätern lasten sollte. Eltern mögen uns als Ressource sehen – wir im Jugendamt sind Teil dieses vielzitierten Dorfes“, so Ingrid Krammer abschließend.

Alle Informationen zur Kampagne: www.graz.at/mutmacher