Camp für Moria 3 KK

Fotos: zVg

Camp für Moria 2 KK

Bischof Krautwaschl: Kein Mut zu offener Kritik an Kurz

Dienstag, 02. Februar 2021

Dieser Brief ist eine Reaktion auf die nachfolgende Presseaussendung der Diözese Graz-Seckau. Bischof Krautwaschl besuchte dort das „Camp für Moria“ am Grazer Freiheitsplatz.

Werter Herr Bischof!
Es ist traurig, nein für mich beschämend, dass Sie nicht den Mut aufbringen, die Verantwortlichen in Österreich – die Bundesregierung – namentlich und öffentlich zu kritisieren.
Ja. Österreich ist nicht allein für die Flüchtlingssituation in Griechenland verantwortlich.Aber Bundeskanzler Sebastian Kurz, angeblich ein getaufter Christ, mit den Werten der katholischen Glaubensgemeinschaft – wie auch seine anderen christlich-sozialen(?) Mitstreiter – lehnen es seit Monaten ab, besonders schlimm betroffenen Flüchtlingen in Österreich eine „Herberge“ zu geben. Zumindest solange, bis es diesen Menschen – vor allem Kindern – wieder besser geht. Leider zeigen Sie Herr Bischof nicht die Zivilcourage, diese Haltung “ das ist beschämend Herr Kurz“, „dagegen werden wir unsere Glaubensgemeinschaft mobil machen“ klar in der Öffentlichkeit anzuprangern. Zumal ja tausende österreichische Familien und auch viele Organisationen (natürlich auch die Caritas) bereit sind Menschen aufzunehmen. Sie waren am Freiheitsplatz, sprechen von „menschenunwürdigen Umständen“ in Ihrer Aussendung, ducken sich aber weg, wenn es um eine klare Botschaft an den Kanzler geht. Wenn Sie eine Verpflichtung als „oberster Hirte“ in einer Diözöse haben, dann ist es die, den Kanzler (mit seiner Regierung) im Namen aller Christen in Österreich aufzufordern, umgehend dafür die Möglichkeit zu schaffen, dass auch das christliche Österreich seine Hilfsbereitschaft im eigenen Land anbieten kann.
Wenn nicht jetzt, wann dann, ist ein Appell von Ihrer Seite im wahrsten Sinn für Menschen und Kinder in Not „über-lebens-notwendig“. Auch mit der Hoffnung, dass Sie in einer solchen Situation wie jetzt unüberhörbar Ihre Stimme erheben werden, haben Sie den Bischofsstab anvertraut bekommen. Hoffen, dass es besser wird und beten allein ist in diesen Zeiten zu wenig, um einen guten Schlaf zu finden. Ein unbekannter Geistlicher in einer kleinen Gemeinde, könnte darauf hoffen, hat er doch keine Möglichkeit „breites Gehör“ zu finden. Doch Ihre Stimme, verehrter Herr Bischof, wird sehr wohl gehört in der Öffentlichkeit.
Mit freundlichem Gruß
Jürgen Lehner
P.S: Über Aktivitäten-vertraulich, hinter verschlossenen Türen-zu berichten, mag den einen oder anderen Insider beruhigen, nicht jedoch die Ihnen anvertraute christliche Glaubensgemeinschaft.

Medieninformation der Diözese Graz-Seckau – Katholische Kirche Steiermark

Flüchtende in Not nicht im Stich lassen
Bischof Wilhelm Krautwaschl war zu Gast beim Camp für Moria am Grazer Freiheitsplatz. Die Botschaft: Hilfe vor Ort ausbauen und Kinder und Familien mit Asylstatus aufnehmen.
Zeltstädte im Schlamm, nasse Unterkünfte, schlechte Sanitäreinrichtungen – die Situation für Flüchtende an vielen Orten in Europa hat mit Menschenwürde nur mehr wenig zu tun. „So leben zu müssen, können wir uns alle nicht vorstellen“, sagt Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl beim Besuch des Protestcamps für Moria am Grazer Freiheitsplatz. Mit einer kleinen Zeltstadt wollen engagierte GrazerInnen auf die hoffnungslose Lage in Griechenland und auch in Bosnien aufmerksam machen.
„Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes haben eine unverletzliche Würde und damit verbunden auch ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben; mit der Chance, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten“, sagt Bischof Wilhelm. Das sei den Flüchtenden genommen. Mitten in Europa treten wir Werte mit Füßen, die unsere Kultur ausmachen. Nun bedürfe es zweierlei: Hilfe vor Ort und Toleranz bei der Aufnahme von Flüchtenden, die bereits Asyl zuerkannt bekommen haben, so der steirische Bischof. In Österreich und in der Diözese Graz-Seckau haben sich viele Menschen, darunter auch verschiedene Institutionen, Gemeinden und Pfarren bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen, mit Wohnungen zu versorgen und diese – unterstützt von Hilfsorganisationen – zu betreuen. Bischof Wilhelm: „Hierzu wäre am ehesten eine Art „resettlement“ sinnvoll, wie es schon vor geraumer Zeit mit Familien aus Syrien in Österreich gelebt wurde.“
„Unabhängig von der Flüchtlings- und Asylpolitik der Bundesregierung wollen wir als Kirchen im ökumenischen Zusammenhalt ein Zeichen setzen und die Erlaubnis bekommen, vor allem unbetreute Kinder und Jugendliche aus den Lagern auf Lesbos bei uns in Österreich über diese kalte und nasse Jahreszeit zu bringen“, sagt der Grazer Stadtpfarrpropst Christian Leibnitz, Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark. Über alle finanzielle Unterstützung, die die Bundesregierung schon geleistet habe, brauche es diese menschliche und christliche Tat der ganz konkreten Hilfe hier bei uns. „Damit viele andere Länder dann unserem Beispiel folgen“, hofft Christian Leibnitz.
Hilfe vor Ort
Wichtig sei das Verbessern der Lage vor Ort, so Bischof Wilhelm. Die Caritas der Diözese Graz-Seckau ist derzeit vor allem in den Lagern in Bosnien vor Ort aktiv. Seit 2018 betreibt die Caritas in der Stadt Bihac mit Spenden aus Österreich eine Wäscherei. Drei Angestellte versorgen täglich 100 Erwachsene und Kinder im Flüchtlingslager Borici mit frischer Wäsche. Das Rote Kreuz betreibt in Bihac im Lager Bira eine Großküche, hier wird für bis zu 3.000 Menschen täglich ein warmes Essen gekocht. Die Caritas unterstützt diese Küche mit Lebensmittel in den nächsten drei Monaten. Im Flüchtlingslager Lipa stellt die Cariats alles für einen Teestand Nötige zur Verfügung wie Tee, Zucker, Pappbecher und Löffel. Die Mutter-Teresa-Schwestern haben in Bihac eine Niederlassung mit einer Küche für Obdachlose. Sie werden von der Caritas mit Lebensmittel unterstützt und kochen damit 6-mal die Woche 100 warme Essensportionen für Flüchtlinge, die außerhalb der Camps in Wäldern leben.