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In der Steiermark gibt es aktuell 350 Teichbewirtschafter und Fischzüchter, die Karpfen sowie forellenartige Fische halten oder Angelteiche betreiben. Aufgrund der Probleme mit den Fischräubern haben in den vergangenen Jahren 50 Teichwirte beziehungsweise 12,5 Prozent der Betriebe aufgegeben. Jährlich bringen sie 550 Tonnen Karpfen (2020: minus 50 Tonnen gegenüber den Vorjahren) und etwa 600 Tonnen forellenartige Fische vorwiegend auf den regionalen Markt. „Heimischen Karpfen wird es heuer in der Fastenzeit bei Spar, Lidl, Billa und Merkur geben und dann erst wieder zur Hochsaison um die Weihnachtszeit“, sagt Helfried Reimoser, Geschäftsführer des steirischen Teichwirteverbandes. Rein rechnerisch kommen heimische Fische nur selten auf den Tisch: Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch ist zuletzt von 8,5 Kilo auf rund zehn Kilo gestiegen, davon sind aber nur 0,7 Kilo heimische Fische. Foto: LK-Stmk / Werner Krug

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher für eine pragmatische Lösung. Foto: LK-Stmk / Alexander Danner

Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher für eine pragmatische Lösung. Foto: LK-Stmk / Alexander Danner

Fastenzeit: Heimische Fische sind sehr beliebt, aber knapp

Mittwoch, 17. Februar 2021

Grenzenlose Überpopulation an Fischräubern setzt einen Ausbau der heimischen Teichwirtschaft trotz steigender Nachfrage aufs Spiel. Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher kämpft für eine pragmatische Lösung: Die aus der Balance geratene Überzahl an Fischfeinden ist auf ein verträgliches Maß zu reduzieren.

Die heimischen Teichwirte haben sich bisher gut durch die Covid-Pandemie manövriert. „Der verloren gegangene Absatz in der heimischen Gastronomie konnte durch die verstärkte Nachfrage auf den Bauernmärkten, direkt ab Hof sowie im Lebensmittelhandel gänzlich kompensiert werden“, freut sich Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher. Der Beliebtheit der heimischen Fische sowie der steigenden Nachfrage trägt auch die Landwirtschaftskammer Rechnung: „Wir haben unser Beratungsteam mit einem Spezialisten verstärkt, der die Teichwirte von der notwendigen Wasserrechtsbewilligung über den Teichbau bis hin zu ökonomischen und ökologischen Fragen berät“, unterstreicht Kammerdirektor Werner Brugner.

Die heimischen Teichwirte befinden sich wegen der grenzenlosen Überpopulation an Fischfeinden in einem großen Dilemma. Sie wollen die steigende Nachfrage durch Erweiterung der Teichflächen und Erhöhung des Angebots an heimischen Fisch bedienen. Doch insbesondere Fischotter und Kormorane plündern die heimischen Gewässer und machen teure Investitionen vielerorts wertlos. Teils haben größere Teichwirtschaften bereits das Handtuch geworfen. Für Präsident Franz Titschenbacher gibt es einen pragmatischen Lösungsweg: „Bei aller Wertschätzung der Naturschutzanliegen ist es doch so, dass der gewünschte günstige Erhaltungszustand beispielsweise bei Fischottern längst bei weitem überschritten ist. Eine Regulierung dieses Fischfeindes auf ein verträgliches Maß ist erforderlich.“ Jährlich töten vor allem Fischotter in den steirischen Gewässern etwa 1.000 Tonnen Fische und richten somit einen Schaden von rund zehn Millionen Euro an.

Gesund und vorbildliche Herkunftskennzeichnung
„Die Herkunftskennzeichnung von Fischen ist vorbildlich geregelt und so beispielgebend, wie es auch für andere Lebensmittel wünschenswert wäre“, unterstreicht der Kammerpräsident. Für die Verbraucher ist Folgendes angegeben: Name der Fischart, Zurichtungsform sowie Herkunftsland. Die Kennzeichnung von heimischen Karpfen erfolgt somit beispielsweise so: Karpfen, küchenfertig ausgenommen, Auqakultur in Österreich.

Das nahezu fehlende Bindegewebe macht Fische besonders zart und leicht verdaulich. Besonders wertvoll sind die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, die in der Ernährung eine wesentliche Rolle spielen. Weil diese der Körper nicht selbst aufbauen kann, müssen sie über die Ernährung aufgenommen werden. Während pflanzliche Omega-3-Säuren im Körper erst umgewandelt werden müssen, stehen jene der Fische dem Menschen direkt zur Verfügung.

Große Fischvielfalt in den heimischen Teichen
Die heimischen Fische ernähren sich naturnah, verschiedene Fischarten bilden eine vielfältige Teichgemeinschaft aus Karpfen, Stören, Amuren, Schleien und Raubfischen wie Hechten, Welsen und Zandern. Neben im Teich vorkommendem Futter wie Plankton und Insekten, fressen Karpfen auch Gerste und Kernölkuchen (Presskuchen aus der Kürbiskernölherstellung). Sie verbringen nach der Teichzeit zusätzlich zwei Wochen in der Frischwasserhälterung, wodurch das Fleisch fester wird und somit einen Qualitätsschliff erhält. Karpfen haben mit zwölf Prozent einen ähnlichen Fettgehalt wie die begehrten Lachsforellen. Die Forellenzüchter halten in kaltem Wasser Forellen, Lachsforellen, Bachforellen, Saiblinge und ähnliche Arten.