Am 17. September 2020 fand ein Pressestatement zu den Maßnahmen gegen die Krise im Bundeskanzleramt statt. Im Bild (v.l.n.r.) Bundesminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bundesminister Rudolf Anschober.

„Angst-Strategien“ führen in Sackgasse. Corona-Maßnahmen sind wichtig – nur, gut begründet müssen sie sein, sonst hören die Leute nicht mehr drauf. Im Bild (v.l.): Minister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Minister Rudolf Anschober. Foto: BKA / Dragan Tatic

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Montag, 22. Februar 2021

Wirksamste – weil auch kostenlos – Maßnahme gegen Corona, die uns weiterhilft

Jetzt hilft nur noch Positiv-Strategie. Schluss mit Angstparolen. Coronavirus lässt sich austricksen.

Nach dem Corona-Schock vor einem Jahr – falsche oder unwirksame Maßnahmen der Regierung ausgeblendet – sollte eine Erkenntnis Zuversicht geben: Wir müssen akzeptieren, dass sich das Virus verbreitet, dass gekommen ist, um zu bleiben. Dann werden wir den Kampf gegen die Pandemie erfolgreich bestehen. Weil dieser Gedanke uns frei macht in unserem Handeln und tun, aber auch Zuversicht gibt.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass viele gut gemeinte Versprechen und Maßnahmen der Politik und von Experten in die Irre führten, die da zum Beispiel meinen, man muss nicht nur impfen, sondern die Ansteckungen auf null runter schrauben. Nur damit werde man zur alten Normalität zurückkommen. Eine „Normalität“, die uns die dramatischste (Wirtschafts- und Gesundheits-)Krise mit Lockdowns usw. der letzten Jahrzehnte beschert hat.

Wie auch vor Jahrzehnten Politik und Experten danach strebten, die oft tödlich verlaufenden Grippe-Infektionen auf null zu senken, um diese ein für alle Mal auszurotten. Mittlerweile weiß man aus der Wissenschaft, dass Viren nicht ausrottbar sind. Was hingegen machbar ist und hilft: Die Impfstoffe gegen die sich ständig verändernden Grippe- oder jetzt Coronaviren so rasch wie möglich anzupassen. Einen Einfluss auf die Infektionszahlen hat dies aber leider nicht.

Denn Viren verändern sich unablässig. Sie können gar nicht anders. Ein und demselben Virus begegnet der Mensch genau ein Mal! Und zwar dann, wenn das Virus an eine Zelle in seinem Körper andockt und in diese eindringt. Dort zerlegt sich das Viruspartikel, setzt sein Erbgut frei und erlischt („stirbt ab“). Aber mit der Infrastruktur und den Ressourcen der Wirtszelle (des Menschen) entstehen aus dem Bauplan des Virus tausende neue Viren. Diese Mutationen treiben die Wissenschaft und die Politik vor sich her.

Viren flüchten also nicht – weder vor unserem Immunsystem, noch vor unseren Impfstoffen. Viren haben keine Absichten. Sie passen sich nicht gezielt an. Nur zufällig entstehen neben jeder Menge Informationsmüll Varianten, die besser angepasst sind und sich daher schneller verbreiten. Sie können rascher andocken, fester anhaften, schneller eindringen oder setzen sich zuverlässiger wieder zusammen.

Es kommt zu so genannten Escape-Mutationen, Flucht-Mutationen, die das Virus zufällig so verändern, dass es unseren Antikörpern und Immunzellen entkommt. Der Wandel ist in der Architektur des Virus angelegt. Wie schnell er geschieht, hängt von vielen Faktoren ab: vom Typus des Virus, von seiner Verbreitung, von seiner Verweildauer im Wirtsorganismus und von seinem Umfeld.

Darum mutiert etwa das Aids-Virus HIV so schnell, dass es bis heute nicht gelungen ist und vielleicht niemals gelingen wird, dagegen wirksam zu impfen.

Kein gesicherter Schutz

Mit Sicherheit werden auch die jetzt bereits geimpften Menschen irgendwann Probleme mit ihrem Immunitätsschutz gegen Covid-19 bekommen. Irgendwann werden Mutanten erscheinen, die die Abwehr unterlaufen können. Leider. Und so grotesk es klingt: Je erfolgreicher wir impfen, desto schneller könnte das geschehen. Aber, je höher die Immunität gegen das Virus in der Bevölkerung steigt – entweder durch Infektion oder Impfung –, desto weniger neue Opfer finden die zirkulierenden Viren. Erfreulich dabei: Desto weniger gefährlich oder wirksam werden diese. Selbst wenn sich geimpfte und genesene Menschen dann erneut infizieren können.

Keine politische Maßnahme, auch nicht der 6., 7. oder 8. Lockdown, kann das Eintreten dieses Szenarios vermeiden. Die gute Nachricht dabei: Dass die Impfstoffe von Biontech, Moderna, Astrazeneca, CureVac oder Sputnik, und, und innerhalb von wenigen Wochen an die Ausbruchsmutanten angepasst werden können. Dies ist dann eine ganz neue Qualität im Kampf gegen die Viren. In den nächsten Jahren wird es immer wieder zu lokalen Epidemien kommen, die dann mit Impfstoffen und Kontaktbeschränkungen bekämpft werden müssen.

Bald harmloser Schnupfenvirus?

Wie genau unsere Zukunft aussehen wird, weiß da noch niemand. Weil entscheidende Faktoren noch nicht bekannt sind: Wie lange hält die Immunität nach einer überstandenen Infektion an und wie lange nach einer Impfung? Wie stark ist der Schutz? Verhindert die eigene Immunität nur die eigene Covid-19-Erkrankung oder unterbindet sie tatsächlich – und in welchem Maße – auch die Weitergabe an Gesunde? Es könnte auch so sein, dass die Krankheit immer harmloser verläuft, weil jene Menschen mit einem hohen Risiko für eine schwere Erkrankung ihr schon zum Opfer gefallen sind.

Eine Modellierung der Zukunft, die vor kurzem im Fachmagazin „Science“ erschien, prophezeit, dass SARS-CoV-2 langfristig zu einem lästigen, aber harmlosen Schnupfenvirus wird.

Der verstorbene britische Nobelpreisträger Sir Peter Medawar in einem Ausspruch: „Ein Virus ist ein Haufen schlechter Nachrichten, verpackt in Protein.“ Wenn Covid-19 Geschichte ist, dann steht Covid-X schon vor der Tür.

So viel zu unserem Wunsch – zurück zur „alten Normalität“.

Quellen: „Die Zeit“ Nr. 2021/04 und das Fachmagazin „Science“