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Fotos: Klipp / Pixabay

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Viren treiben Politik vor sich her

Dienstag, 16. Februar 2021

Keine zukunftsweisende Strategie der Regierung

Die Informationsstrategie zu Corona mit den täglichen überlangen Beiträgen im staatlich dominierten ORF vermittelt mehr Angst als sonst was. Es ist leider keine in die Zukunft gerichtete Strategie, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen. Noch immer wird die Fiktion verfolgt, den Corona-Ansteckungspegel auf null bringen zu wollen. Erst dann werde alles wieder gut und normal. Eine Utopie, denn das Virus ist „gekommen, um zu bleiben“, wie das anerkannte Wissenschaftler betonen. Dem wird meist hinzugefügt, dass Viren die Grundeigenschaft haben, sich unablässig zu verändern. Sie können gar nicht anders. Jeder Mensch begegnet dem selben Virus nur ein Mal. Daher gibt es bereits jetzt hunderte, ja tausende veränderte Coronaviren. Diese „flüchten“ nicht – weder vor unserem Immunsystem noch vor unseren Impfstoffen. Aber es gibt so genannte „Fluchtmutationen“, die das Virus zufällig so verändern, dass es unseren Antikörpern und Immunzellen entkommt. Der Wandel ist gleichsam schon in der Architektur des Virus angelegt. Wie schnell er geschieht, hängt von vielen Faktoren ab, über die die Wissenschaft noch forscht. Tatsache ist, dass die Mutationen von SARS-COV 2 die Politik und Wissenschaft vor sich hertreiben.

Daher ist es falsch, wenn in der Bevölkerung aufgrund einer neuen Virusmutation durch offizielle Corona-Informationen, vor allem im ORF und in staatsnahen Printmedien, noch mehr Unsicherheit und Angst verbreitet wird. Ob die derzeit hohen Ansteckungszahlen durch B.1.1.7 ausgelöst werden, darüber sind sich die Wissenschaftler noch uneinig. Und die Politik steckt damit in einem Dilemma, das da heißt: Sollte man für einen Verdacht die Maßnahmen noch verschärfen?

In einigen Ländern zeigt sich (Südafrika und Brasilien), dass bereits Infizierte von den dort grassierenden mutierten Virustypen erneut infiziert werde können. Das wiederum führt zur Frage, inwieweit bereits jetzt geimpfte Menschen irgendwann Probleme mit ihrem Immunschutz gegen Covid 19 bekommen. Es wird Mutanten geben, die die Abwehr unterlaufen können. Damit können geimpfte und genesene Menschen sich dann erneut infizieren.

Die gute Nachricht: Dass die Impfstoffe von Biontech, Moderna aber auch von CureVac innerhalb von wenigen Wochen an diese Mutanten angepasst werden können. Eine wichtige Qualität im Kampf gegen Viren ist eben die extreme Beschleunigung in der Entwicklung der Impfstoffe.

Wie vorher bereits gesagt: Das Virus ist gekommen, um zu bleiben. Niemand weiß allerdings, wie unsere Zukunft mit dem Virus aussieht. Denn die entscheidenden Faktoren sind noch immer unbekannt: Wie lange hält die Immunität nach einer überstandenen Infektion an und wie lange nach einer Impfung? Wie stark ist der Schutz? Verhindert die Immunität nur die eigene Covid19-Erkrankung oder unterbindet sie tatsächlich – und in welchem Umfang – auch die Weitergabe an Gesunde?

Ein Bericht, kürzlich erschienen im Fachmagazin „Science“, prophezeit, dass SARS-COV2 langfristig zu einem lästigen, aber harmlosen Schnupfenvirus wird. Doch eines ist absehbar: Wenn Covid 19 Geschichte ist, steht Covid X schon vor der Tür.

Quelle: „Die Zeit“ Nr. 4, 21. Jänner 2021