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Foto: Klipp/Pixabay

Kanzler Sebastian Kurz hat weder erfolgreich studiert, noch eine Berufsausbildung absolviert und abgeschlossen. Nach der Matura schnupperte er in die Junge ÖVP hinein und verblieb dort. Schon klar, dass man dort auch fürs Leben lernt, wenn man sich entsprechend dafür interessiert. Foto: BKA / Dragan Tatic

Kanzler Sebastian Kurz hat weder erfolgreich studiert, noch eine Berufsausbildung absolviert und abgeschlossen. Nach der Matura schnupperte er in die Junge ÖVP hinein und verblieb dort. Schon klar, dass man dort auch fürs Leben lernt, wenn man sich entsprechend dafür interessiert. Foto: BKA / Dragan Tatic

Die neuen veröffentlichten Chat-Protokolle zwischen den wichtigsten Politikern und Funktionsträgern der Republik, vor allem zwischen Kanzler Kurz, Gernot Blümel (Foto) und ÖBAG-Chef Thomas Schmid, sind so peinlich, dass man sich in einer Schulklasse oder einem Jugendklub wähnt, wo es um einige „Amterl“ geht. Foto: BKA / Dragan Tatic

Die neuen veröffentlichten Chat-Protokolle zwischen den wichtigsten Politikern und Funktionsträgern der Republik, vor allem zwischen Kanzler Kurz, Gernot Blümel (Foto) und ÖBAG-Chef Thomas Schmid, sind so peinlich, dass man sich in einer Schulklasse oder einem Jugendklub wähnt, wo es um einige „Amterl“ geht. Foto: BKA / Dragan Tatic

Kurz und der Postenschacher

Montag, 29. März 2021

Nur noch peinlich

Die neuen veröffentlichten Chat-Protokolle zwischen den wichtigsten Politikern und Funktionsträgern der Republik, vor allem zwischen Kanzler Kurz, Gernot Blümel und ÖBAG-Chef Thomas Schmid, sind so peinlich, dass man sich in einer Schulklasse oder einem Jugendklub wähnt, wo es um einige „Amterl“ geht.

Die von der Justiz vorgenommene Auswertung der Chat-Protokolle des Chefs der Österreichischen Staats-Holding ÖBAG, Thomas Schmid, zeichnet ein Sittenbild des heimischen Postenschachers. Nur einige Beispiele daraus:

Vor Schmids Wechsel zur ÖBAG: „Sebastian will mich nicht gehen lassen.“ Gernot Blümel nach dem Wechsel: „Schmid AG fertig.“ Antwort von Schmid: „Habe noch keinen Aufsichtsrat.“ Schmid sprach dann mit Kurz. In einer SMS an Blümel: „Aber er ist schon mühsam.“ Bei der Quotensuche nach geeigneten Frauen für den Aufsichtsrat. Schmid: „Mir gehen die Weiber so am Nerv. Scheiß Quote.“ Und zu seiner Befürchtung, „ein Vorstand ohne Mandate“ zu werden, antwortet Kurz: „Kriegst eh alles, was du willst.“ So nach dem Motto: Bubi, kriegst eh alles zum Spielen, was du willst.

Was hat Kurz gelernt?

Österreich wird von einem Kanzler regiert, der im Gegensatz zu den Millionen von Landsleuten eines nicht geschafft hat: die Ausbildung in einem Beruf. Diese dauert bekanntlich Jahre und formt die Menschen. Berufsethos nennt man das. Diese Werthaltung wird dann in vielen Bereichen des Lebens spürbar.

In den Biographien erfolgreicher Menschen, die Karriere in ihrem Beruf oder auch darüber hinaus gemacht haben, erfährt man immer wieder, wie wichtig diese Lebensphase mit Ausbildung war. Bei allen Talenten und Fertigkeiten, die ihnen in die Wiege gelegt waren.

Kanzler Sebastian Kurz fehlt dieses berufliche Fundament. Er hat weder erfolgreich studiert, noch eine Berufsausbildung absolviert und abgeschlossen. Nach der Matura schnupperte er in die Junge ÖVP hinein und verblieb dort. Schon klar, dass man dort auch fürs Leben lernt, wenn man sich entsprechend dafür interessiert.

Eine der wichtigsten Fertigkeiten ist die der Intrige. Wer zum Futtertrog der Politik mit ihren stattlichen Einkommen drängt, der muss sich das Handwerk der Intrige aneignen. In der Lage zu sein, eine Intrige früh zu erkennen und abzuwehren und fallweise eine noch perfidere zu starten oder in die Welt zu setzen.

Einer, der sich in dieser Welt zurechtfand, einstecken und austeilen konnte, letztlich aber doch scheiterte, war Reinhold Mitterlehner, der Vorgänger von Sebastian Kurz als Parteichef und ÖVP-Regierungschef in der Funktion des Vizekanzlers. Sebastian Kurz hat ihn mit seiner „Mission Ballhausplatz“ gemeuchelt, diplomatisch formuliert ausrutschen lassen und gestürzt. Alles von langer Hand vorbereitet. Und wer sich, wie Kurz, bei miesem und fiesem Spiel der Intrige auskennt, der weiß, dass es eines immer braucht: einen oder mehrere Sündenböcke. Sie lenken dann von eigenen Fehlern, Unvermögen, Unwissen, fehlenden fachlichen Voraussetzungen, mangelnder Offenheit ab und liefern indirekt den Beweis, wie gut man selbst ist.

Sebastian Kurz ist also kein Politiker, der sagt: „Die anderen machen es gut, aber wir machen es besser.“ Sondern er verweist immer auf das vermeintliche Versagen der politischen Mitbewerber. Erst allmählich durchschauen mehr und mehr Österreicher dieses Spiel. Im Leistungssport wäre Sebastian Kurz von Anfang an damit chancenlos gewesen. Einem Sportler in Bedrängnis nützt da die klassische Frustabwälzungs- und Sündenbockstrategie nicht. Sie macht ihn zum Loser (Verlierer).

In der Frage, wer Schuld hat an der verkorksten Impfstoffbeschaffung , der zögerlichen Impfung der Österreicher, den Problemen in der Justiz, den Hintergründen für das Terrorattentat in Wien, der Flüchtlingsproblematik, den hohen Coronazahlen in Österreich trotz Lockdown Nr. 1, 2 und 3, und, und, und., zeigt Sebastian Kurz stets mit dem Finger auf die Versäumnisse der politischen Mitbewerber, setzt auf die Strategie der verbrannten Erde im politischen Miteinander, wenn es nur irgendwie dem eigenen Fortkommen dient.

Gemeinsam eine Verantwortung zu und für Entscheidungen zu tragen, die gemeinsam in der Regierung getroffen wurden, auf offener Bühne – und ohne Sündenbock – sind seine Sache nicht.

Pamela Rendi-Wagner, die bisher nicht erfolgreiche SPÖ-Chefin, wird auch deshalb bei den heimischen Wählern künftig wenig Erfolg haben, weil sie in ihrem Verhalten Kurz sehr ähnlich ist: Auch sie prangert, wie Sebastian Kurz, immer das Versagen der anderen – in diesem Fall der türkisgrünen Regierung Kurz, Kogler – an, ohne mit glaubwürdigen Alternativen und Konzepten die Wähler anzusprechen.

Dass es anders geht, zeigt jüngst erst Angela Merkel. Ja, zugegeben, sie ist bereits wenige Monate vor dem Ausscheiden aus der Politik, aber es war kein Zwang, einzugestehen: „Es war mein Fehler – und nur meiner.“ Als sie von der Idee der Verlängerung des Lockdowns Abstand nahm und keinen Sündenbock suchte.