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Foto: Klipp/Pixabay

Foto: GEPA pictures/ Andreas Pranter

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Sind Österreich und Dänemark (0:4) vergleichbar?

Donnerstag, 01. April 2021

Amateurhaft und nicht lernfähig

Österreich ist ein Land mit rund 8 Millionen Teamchefs und auch ich bin einer von ihnen. Es ist keine Katastrophe, was da gestern passiert ist, sondern entspricht einfach der Realität.

Ich versteh‘ nicht, warum diejenigen, die sich professionell mit dem österreichischen Fußball beschäftigen – nahezu täglich – nicht erkennen wollen, dass der österreichische Fußball in den letzten Jahrzehnten nie eine wichtige Rolle in Europa gespielt hat – und schon gar nicht weltweit. Wenn’s wichtig gewesen wäre, war Österreichs Fußball immer überfordert. Ob das bei der Europameisterschaft, bei einer WM war oder in einem europäischen Klub-Wettbewerb. Stets gehörten wir zu den Verlierern. Und das wird so bleiben.

Die so genannten Fußball-Experten – ehemalige Fußball-Profis und sonstige Sport-Journalisten – in den TV-Stationen und im Hörfunk haben nicht genügend Abstand zur „wichtigsten Nebensache der Welt“. Damit fehlt ihnen leider zum einen der Weitblick und – so bitterböse das auch klingen mag – der Durchblick. Sonst hätten ein Herr Boris Kastner-Jirka und ein Herr Helge Payer gestern nicht rund 20 Minuten vor Schluss noch von einer Chance auf ein unentschieden geschwafelt bzw. davon, „das Spiel noch zu drehen“. Mehr Fußball-Naivität geht nicht. Der Ball ist rund, sagt eine alte Fußball-Weisheit und andere können damit besser umgehen.

Bleiben wir in der Wirklichkeit. Da liegt in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs der Zweiten Bundesliga, der SV Lafnitz – wer das nicht weiß: der Ort liegt bei Hartberg – an der Tabellenspitze. Der SV Lafnitz könnte damit in die Bundesliga aufsteigen, dort, wo auch Red Bull Salzburg, Rapid und Sturm spielen. Der Ort hat gegenwärtig 1.450 Einwohner! Und zum Glück wollen die Lafnitzer gar nicht weiter nach oben, weil sie wissen, das dafür schon das Geld für den Spielbetrieb nicht da wäre. Vernünftig. Im benachbarten Hartberg tickt man da schon anders.

Das Beispiel Lafnitz zeigt also, dass der österreichische Fußball im europäischen Niemandsland existiert – das ist aber in etlichen europäischen Ländern so. Aber es liegt nicht daran, dass wir im Vergleich zu den großen Ländern Europas wie Deutschland (80 Millionen), Frankreich, Spanien, Italien und England mit jeweils so um die 50, 60 Millionen in Österreich nur neun Millionen sind. Die Dänen haben nicht einmal sechs Millionen, spielen in vielen Regionen auch nur Dorf-Fußball und sind dennoch Europa-Klasse. Auch im Handball. An der Zahl der Einwohner allein kann es also nicht liegen. Denn in Dänemark gibt’s keine Stadien gefüllt mit zigtausenden Fans an jedem Wochenende.

Und warum sind die Dänen in der Lage, international mit den ganz Großen mitzuhalten? Etliche Spieler arbeiten als Profis in den benachbarten Ländern – von England bis Italien. Ihre Namen sagen den Österreichern wenig bis gar nichts. Auch österreichische Profis sind als Legionäre im Einsatz. David Alaba, Marco Arnautovic, Marcel Sabitzer sind die Bekanntesten. In ihren Klubs gehören sie zu den Führungsspielern.

Fußball ist ein Mannschaftssport und wenn das spielerische Umfeld in einem Team nicht entsprechend entwickelt wird, dann können auch einzelne Stars auf dem Spielfeld nichts bewirken. Sie sind zwar dabei, aber nicht spielbestimmend. Und genau darin liegt ein Geheimnis für die Stärke der Dänen. Die Spiel-Anlage, letztlich die Konzeption des Trainers, hat die Mannschaft zur Nummer 12 in der Welt gemacht.

Mit einem Herrn Trauner, Schlager, Ulmer oder wie sie auch heißen mögen wird, abgesehen von Zufallserfolgen, nicht wirklich was Epochales möglich sein. Die Fußball-Millionäre Alaba, Ilsanker, Sabitzer wirken daher in dieser Umgebung oft ebenfalls wie zweitklassige Bundesliga-Spieler.

Fußball ist ein Mannschaftssport – ähnlich wir Radfahren. Wo, abgesehen vom Einzelzeitfahren, nur die Leistung des gesamten Teams zum Sieg führt. Sonst hätte Norwegen mit dem jungen Superstar Erling Haaland mit 0:3 nicht eine bittere Pleite gegen Lettland erlebt und Deutschland gegen den Fußball-Zwerg Nordmazedonien nicht 1:2 verloren.

Derartige Überraschungsergebnisse könnten den Österreichern Mut machen. Bei der nächsten WM in Qatar haben sie dennoch nichts verloren. Internationale Aufmerksamkeit könnten wir nur erreichen, wenn wir jetzt schon aus „Gründen der Menschenrechte“ von einer möglichen WM-Teilnahme klipp und klar zurücktreten. Mit Transparenten wird ja indirekt darauf hingewiesen, dass es neben anderen Menschenrechtsverletzungen in Qatar beim Bau der WM-Stadien zu hunderten tödlichen Arbeitsunfällen gekommen ist. Da wir ohnehin nie Fußball-Weltmeister werden können, könnte Österreich global als „Weltmeister in Sachen Humanität“ wertgeschätzt werden.

JL