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Auch das Steinmarder-Baby wird aufgepäppelt. Fotos: Heimo Ruschitz

Es gibt noch viel zu tun am neuen Standort in Mariatrost ...

Es gibt noch viel zu tun am neuen Standort in Mariatrost ...

Gerade jetzt im Frühjahr sind zahlreiche Baby-Eichkatzerl in Pflege bei Monika Grossmann.

Gerade jetzt im Frühjahr sind zahlreiche Baby-Eichkatzerl in Pflege bei Monika Grossmann.

Hier auf der Baby-Station werden die Kleinsten versorgt ...

Hier auf der Baby-Station werden die Kleinsten versorgt ...

... entspanntes Enten-Baby

... entspanntes Enten-Baby

Die Baby-Station für Wildtiere

Freitag, 07. Mai 2021

Zu Besuch bei Monika Grossmann, im neuen Quartier der „Kleinen Wildtiere in großer Not“

Von Isabella Hasewend

In Mariatrost nach den Kehren sind wir gleich auf der linken Seite“, erklärt mir Monika Grossmann am Telefon den Weg zur neuen Heimat des Vereins „Kleine Wildtiere in großer Not“. Am Langeggerweg 80 im Hof der ehemaligen Landwirtschaft erwartet uns die Vereinsobfrau bereits. Sie macht einen geschafften Eindruck. „Wenn Sie Fotos von mir machen wollen: Ich habe Nachtdienst gehabt, bin seit gestern um 7 Uhr früh im Dienst und schaue dementsprechend aus“, bekennt sie.

Seit Anfang März 2021 hat sie und ihr Team mit der Arbeit am neuen Standort begonnen und werden auch Tiere aufgenommen. „Im März des Vorjahres, eine Woche vor dem ersten Lockdown, haben wir den Kaufvertrag unterschrieben“, so Grossmann. Nachdem das von der Stadt Graz gemietete Quartier im Leechwald im Laufe der Jahre zu klein geworden ist, begann die Quartiersuche. Und nach eineinhalb Jahren wurde man in Mariatrost eben fündig und hat der Verein den ehemaligen Bauernhof gekauft. „Hier hat ein Ehepaar mit drei Kindern gewohnt, die das gemeinsam von ihren Eltern geerbt und dann eben an uns verkauft haben. Sie haben fünf Monate gewartet, bis wir das Geld beisammen hatten“, zeigt sich Grossmann dankbar.

Muskelkraft gefragt
In den ehemaligen Saustallungen wird gehämmert, gesägt und gebohrt. Auch die Tochter von Monika Grossmann packt mit an. „Der Hauptstock unseres Teams sind vier Leute.“ Ausschließlich Frauen, wie uns auffällt. Die alten Stallungen und Garagen wurden neu umgebaut, verfliest, Wasser, Kanal, Strom – alles neu eingeleitet. „Natürlich wäre ein starker Mann sehr hilfreich und wir sind immer noch auf der Suche nach Verstärkung – etwa zum Rasenmähen, Baumschneiden und dergleichen. Da kommen wir im Sommer gar nicht dazu, weil wir die Zeit für die Tiere benötigen.“

Das hier waren Traktorgaragen“, erklärt Grossmann und öffnet uns die Tür zum neuen Aufnahmebereich. „Hier übernehmen wir die Tiere und versorgen sie im Behandlungsbereich da hinten – vor allem auch hinsichtlich Parasiten, von denen  sich unzählige zum Beispiel im Fell eines Eichhörnchens einnisten.“

5.000 Tiere pro Jahr
In der Baby-Station sorgen die Amsel-Kücken in ihrem Käfig für ein bisserl „Stimmung“. Aufgeregt öffnen sie ihre Schnäbel. „Die wollen gefüttert werden“, holt Monika Grossmann die kleinen Würmchen, die mittels Pinzette in die hungrigen Schnäbelchen gestopft werden. Zwei Käfige weiter ist ein entzückendes Steinmarder-Baby untergebracht. „Ludmilla“, steht der Name auf dem Käfig. „Die meisten Tiere kriegen natürlich keine Namen“, so die Tierpflegerin. Bei fast 5.000 Tieren im Jahr würde das keinen Sinn machen.

Klarerweise arbeitet der Verein auch mit einem Tierarzt zusammen. „Der ist ein Mal pro Woche am Vormittag hier und ansonsten fahren wir mit den Viecherln in die Ordination.“ Wobei sie natürlich viel auch schon selber wissen. „Wenn ein von einer Katze gebissenes Vogelbaby zum Beispiel eine Wunde hat, kriegt es ein Antibiotikum, Schmerzmittel und die Wunde wird versorgt. Das können wir mittlerweile alles selbst machen. Ansonsten könnte der Tierarzt bei uns einziehen.“ Einen Großteil der zu verpflegenden Wildtiere machen die Vögel aus. „Das sind die ganzen Singvögel, Wasservögel und auch Greifvögel“, so Grossmann. „Dann kommen natürlich auch Eichhörnchen, Feldhasen, Füchse, Marder, Rehkitze. Gestern ist uns eine Haselmaus gebracht worden und auch irrsinnig viele Igel haben wir, die wir zumeist über den Winter aufpäppeln.“ Sie öffnet einen Inkubator, wo zwei herzige kleine Wesen heraus schauen. „Das sind Tauben-Babys, die wir vor einer Woche gekriegt haben – ein geschlüpftes und ein Ei.“

Alle 3 Stunden ein Flascherl
100-Stunden-Wochen sind für Monika Grossmann nichts Ungewöhnliches. „Es ist die schönste Arbeit, die ich mir vorstellen kann, aber man muss es mögen. Man stellt sich das oft anders vor, da ist auch viel körperliche Arbeit dabei“, verweist sie auch auf die Wochenend- und Nachtdienste. „Die Rehkitze beispielsweise kriegen ja in der Nacht alle drei Stunden ein Flascherl. Die letzten Fütterungen haben wir so gegen Mitternacht und dann gehören alle Räume geputzt, Futtermittel weggeräumt und neue für den nächsten Tag hergerichtet. Die Arbeitsflächen müssen desinfiziert werden, die Flascherl abgekocht, und, und.“ Und auch handwerklich müsse man geschickt sein. „Je nach Gehege brauchst du Sitzstangen, Altholz für den Specht zum Klopfen, Deckungsmöglichkeiten für Vögel, eine Hütte für die Eichhörnchen. Da bist du ständig irgendwo am Schrauben, am Befestigen, Graben und Suchen im Wald.“

Und dass Monika Grossmann ihr ganzes Leben den kleinen Viecherln verschrieben hat, beweist auch ihre Antwort auf die Frage nach abschalten: „Wenn ich heimkomme, versorge ich die behinderten Igel, die ich in einem abgeteilten Bereich in meinem Garten einquartiert habe. Dann sitze ich bei meinem Biotop, höre den Fröschen zu und kann entspannen. Auch habe ich zwei Vogel-Volieren daheim, wo ich manchmal verlorene Vogelbabys, die ich in den Mur-auen finde, mit zu mir nehme und aufpäpple.“ Und sogar Grossmanns zwei Hunde zeigen Verständnis für die Tierliebe ihres Frauchens. „Die heben eine Pfote, damit ein Igel ungehindert vorbei spazieren kann“, erzählt sie lächelnd.