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„Das System Kurz ist nicht partnerschaftsfähig. Es ist ein egobezogener, narzisstischer Politikstil.“ Foto: Gregor Tatschl / https://flickr.com/photos/86179782@N07/10006741806

„Kurz-System ist zu sehr auf Schein gebaut“

Mittwoch, 05. Mai 2021

NEOS-Gründer Matthias Strolz

KLIPP bringt Auszüge aus einem „Profil“-Interview von Neos-Gründer Matthias Strolz. Dieser verhandelte mit Sebastian Kurz vor dessen Machtübernahme in der ÖVP über eine Fusion.

Was waren Ihre konkreten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Sebastian Kurz?
Strolz: Ich beobachte international einen neuen Politikertypus, der die Lüge hemmungslos als Standardinstrument einsetzt. Trump, Johnson in Großbritannien oder Bolsonaro in Brasilien. Wir haben die eleganteste Version davon. Ich finde das nicht okay. Es versaut das Land. Ich finde es beispielsweise verlogen, wenn man auf super katholisch macht und gleichzeitig der katholischen Kirche bei Kritik das Messer ansetzt und mit Häme feststellt, dass die Erpressung auch wirkt. Ich habe Sebastian Kurz das auch persönlich gesagt: „Dein System ist zu sehr auf Schein gebaut und du wirst immer mehr Energie brauchen, um diese Inszenierungen hinzukriegen, und irgendwann ist ein kritischer Punkt überschritten, wo du nicht mehr ausreichend Kraft hast für die eigentliche Regierungsarbeit.“

Was würden Sie aus heutiger Sicht in der Zusammenarbeit mit Sebastian Kurz anders machen?
Strolz: Man muss sich auch immer wieder emotional entkoppeln. Emotion hat zwar auch eine manifestierende Kraft, aber allzu oft verstellt sie den Blick und macht befangen. Ich anerkenne seine Talente, halte das System Kurz aber für nicht partnerschaftsfähig. Es ist ein egobezogener, narzisstischer Politikstil. Ich halte Kurz nicht für per se korrupt, aber durch seine Kaltschnäuzigkeit zieht er Ehrgeizlinge an und Leute, die glauben, sie könnten Politik kaufen. Die Art, wie er mit politischen Partnern zusammenarbeitet, ist toxisch und macht krank. Er wird sich mittelfristig schwertun, Partner zu finden.

Quelle: „Profil“ 18. April 2021, Nr. 16