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Franz Voves, der schon 2005 die Wahl für die SPÖ gewonnen hatte, war auch bei der Landtagswahl 2010 der strahlende Sieger. Er einigte sich dann aber 2010 überraschenderweise mit Wahlverlierer Hermann Schützenhöfer auf eine Koalition. Foto: Heimo Ruschitz

Zwischen die beiden passt kein Blatt. Franz Voves entschied sich 2015 praktisch über Nacht im Alleingang – „er sagt, was er tut; er tut, was er sagt“ –, den Sessel des Landeshauptmannes praktisch kampflos der ÖVP zu überlassen. Foto: Caritas / Pierre Payer

Zwischen die beiden passt kein Blatt. Franz Voves entschied sich 2015 praktisch über Nacht im Alleingang – „er sagt, was er tut; er tut, was er sagt“ –, den Sessel des Landeshauptmannes praktisch kampflos der ÖVP zu überlassen. Foto: Caritas / Pierre Payer

Politische Sensation vor sechs Jahren

Mittwoch, 02. Juni 2021

SP-Voves „schenkt“ LH der ÖVP

Die Landtagswahl am 31. Mai 2015 brachte einen knappen Sieg der Voves-SPÖ. Mit 29,29 Prozent (189.762 Stimmen) blieb sie stimmen- und mandatsstärkste (15) Partei. Die ÖVP schaffte als Nummer zwei 28,45 Prozent (184.301 Stimmen, 14 Mandate). Die FPÖ erzielte mit 26,76 Prozent (173.332 Stimmen, 14 Mandate) ihr historisch bestes Ergebnis. Die KPÖ kam auf 2 und die Grünen auf 3 Mandate.

Franz Voves, der schon 2005 die Wahl für die SPÖ gewonnen hatte, war auch bei der Landtagswahl 2010 der strahlende Sieger. Er einigte sich dann aber 2010 überraschenderweise mit Wahlverlierer Hermann Schützenhöfer auf eine Koalition. Wiewohl die ÖVP Voves im Wahlkampf schwerstens auch mit persönlichen Untergriffen attackiert hatte. Im Koalitionspapier „Reformpartnerschaft“ wurde festgelegt, dass diese auf zehn Jahre angelegt war. Dem stimmenstärksten Partner blieb es vorbehalten, den Landeshauptmann zu stellen.

SPÖ und ÖVP mussten beim Stimmengang am 31. Mai 2015 herbe Verluste hinnehmen. Beide verloren am Wahlsonntag jeweils knapp 9 Prozent – also insgesamt rund 18 Prozent ihrer Wählerschaft. Dennoch blieb der Anspruch auf den LH auch 2015 bei Franz Voves. Auf KLIPP-Frage vor Journalisten beim Wahlkampfauftakt nach seiner Schmerzgrenze nannte Voves – unbedacht und locker dahin plaudernd – die 30-Prozent-Marke (lag er doch 2010 bei knapp 40 Prozent). Darunter würde er für sich Konsequenzen ziehen.

Und tatsächlich schaffte er „nur“ 29,29 Prozent. Seine Parteifreunde beknieten ihn zu bleiben. Voves entschied sich vorerst auch dafür. Doch dann kam vom politischen Mitbewerber her die Ansage, er sei „wortbrüchig“ und es gäbe Kontakte der ÖVP mit der FPÖ über eine Koalition. Hermann Schützenhöfer war jedoch – selbst, wenn er es anders gewollt hätte – an den Pakt mit Voves gebunden. Franz Voves entschied sich dann praktisch über Nacht im Alleingang – „er sagt, was er tut; er tut, was er sagt“ –, den Sessel des Landeshauptmannes praktisch kampflos der ÖVP zu überlassen. Letztlich deshalb, weil Hermann Schützenhöfer mittlerweile längst zu seinem Freund geworden war.Eine einsame Entscheidung, mit der er seine Partei vor vollendete Tatsachen stellte.

Die ÖVP war natürlich überglücklich, aber völlig überrascht. Wenn überhaupt, dann hatte sie auf eine Halbzeit-Lösung spekuliert. Die steirische SPÖ wurde damit in ein „Tal der Tränen“ gestürzt. Bis heute hat sie dieses noch nicht durchschritten. Voves trat seit damals bei keiner einzigen SPÖ-Veranstaltung mehr auf. Nur im kleinen Kreis gestand er seinen Fehler ein.

Mit der Position und Funktion Landeshauptmann hat die betreffende Partei einen Bonus, der vom Herausforderer kaum wettgemacht werden kann. Das zeigen nahezu alle Wahlgänge in den Bundesländern.