Kleintierdurchlass-V_Philipp-Habeler

Luftaufnahme des Areals und des (hier noch in Bau befindlichen) Kleintierdurchlasses. Foto: ÖBB, Philipp Habeler

Der Kleintierdurchlass an der Bahnstrecke Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt: Die rechte Seite wurde mit Eco-Beton, die linke Seite mit „Normalbeton“ betoniert. Unterschiede zwischen den beiden Betonsorten gibt es keine: Weder im Aussehen, noch in der Performance. Foto: Wopfinger Transportbeto

Der Kleintierdurchlass an der Bahnstrecke Pottendorfer Linie zwischen Wien Meidling und Wiener Neustadt: Die rechte Seite wurde mit Eco-Beton, die linke Seite mit „Normalbeton“ betoniert. Unterschiede zwischen den beiden Betonsorten gibt es keine: Weder im Aussehen, noch in der Performance. Foto: Wopfinger Transportbeto

CO2-sparender Eco-Beton

Donnerstag, 22. Juli 2021

ÖBB, Wopfinger und TU Graz beweisen Praxistauglichkeit

Wenn Hasen, Igel und andere Kleintiere die Pottendorfer Linie in Ebreichsdorf in Niederösterreich queren, tun sie das in einem ganz besonderen Betontunnel. Dieser führt Wildtiere gefahrlos unterhalb der Gleise durch. Das ist wichtig, da trotz der Bahntrasse ein Austausch von Tierpopulationen links und rechts der Bahn stattfinden muss. Ansonsten käme es im äußersten Fall zum Verschwinden gewisser Tierarten. Die Wildquerungshilfe nahe Ebreichsdorf in Niederösterreich besteht zur Hälfte aus CO2-reduziertem, sogenanntem Eco-Beton und zur Hälfte aus Standard-Normalbeton. Jeder Betonierabschnitt – Fundament, Decke, Wände – wurde nach dieser Aufteilung ausgeführt. „Dadurch war es uns möglich, die Betonsorten direkt miteinander zu vergleichen“, erklärt Joachim Juhart vom Institut für Materialprüfung und Baustofftechnologie der TU Graz. Der Betonexperte hat den Bau wissenschaftlich begleitet und machte sich dabei Vorarbeiten zunutze. Schon 2016 testete er verschiedene Rezepturen für Eco-Beton im Labor auf ihre Dauerhaftigkeit und Festigkeit. Die ÖBB-Infrastruktur AG als Pionierin in Sachen Nachhaltigkeit hat dieses Konzept nun praktisch umgesetzt. „Als Österreichs größtes Klimaschutzunternehmen haben die ÖBB nicht nur das Ziel, Menschen und Güter sicher und umweltbewusst zu befördern, sondern auch nachhaltig und umweltfreundlich zu planen und zu bauen und damit in jeder Hinsicht aktiv zum Schutz unserer Umwelt beizutragen“, so Thomas Schöfmann, Projektleiter, ÖBB-Infrastruktur AG.

Vom Labor in die Anwendung
Um den normierten Qualitäts- und Sicherheitskriterien zu entsprechen, waren im Vorfeld der Betonierarbeiten freilich zahlreiche Schritte notwendig. Juhart und seine Forschungsgruppe prüften in Zusammenarbeit mit Wopfinger Transportbeton im Labor die Tauglichkeit der für die Mischung infrage kommenden Stoffe, ergänzten (herkömmlichen) Zement um sogenannte „Eco- und Mikrofüller“ (das sind Sekundärrohstoffe und Gesteinsmehle) und mixten verschiedene Mehrkomponentenmischungen. Zwei Mischungen kamen in die engere Auswahl. Tests in kleinem Maßstab entschieden schlussendlich über die optimale Rezeptur. Diese wurde an der Mischanlage von Wopfinger Transportbeton hochskaliert und gemäß einem eigens kreierten „Nachweiskonzept für CO2-reduzierte (Performance basierte) Betone“ getestet. Alle Anforderungen an die Eigenschaften des Betons wie z.B. die Verarbeitbarkeit, die Festigkeit sowie insbesondere die Dauerhaftigkeit wurden von Wopfinger Transportbeton und von der TU Graz im Zuge der Rezepturentwicklung nachgewiesen. Schließlich erarbeiteten die Projektpartner gemeinsam mit der ausführenden Baufirma Porr ein „Betonierkonzept“. Darin waren alle erforderlichen Maßnahmen für die Betonarbeiten festgeschrieben, einschließlich der Qualitätssicherung und Nachbehandlung des Betons.