Jüdische Gemeinde: Neujahrsfest

Fotos: Fischer

Präsident Elie Rosen ging in seiner Rede auch auf den Anschlag auf die Synagoge (und ihn) im August des vergangenen Jahres ein und bedankte sich beim Land Steiermark, der Stadt Graz und der Exekutive für die Unterstützung und das Verständnis.

Präsident Elie Rosen ging in seiner Rede auch auf den Anschlag auf die Synagoge (und ihn) im August des vergangenen Jahres ein und bedankte sich beim Land Steiermark, der Stadt Graz und der Exekutive für die Unterstützung und das Verständnis.

Vinzenz Praxmarer und die Sopranistin Shira Karmon

Vinzenz Praxmarer und die Sopranistin Shira Karmon

Jüdische Gemeinde: Neujahrsfest

Schreiben bereits das Jahr 5782

Freitag, 03. September 2021

Neujahrsempfang der Jüdischen Gemeinde Graz

Schon der sichtbare Polizeischutz vor dem Eingang mit Schutzwesten, Helm und Waffe signalisierte, dass die Abendveranstaltung in der Synagoge unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen ablief – auch am Gelände der Synagoge. Präsident Elie Rosen und die Jüdische Gemeinde hatten zum Neujahrsempfang in die Synagoge am Grieskai in Graz geladen.

Warum Neujahrsempfang erst am 2. September? Wegen Corona? Nein. Denn der jüdische Kalender hat nichts mit der christlichen Zeitrechnung zu tun. Dieser ist ein Lunisolarkalender, der im Jahr 3761 v. Chr. mit der Zählung beginnt. Die Monate sind wie bei einfachen Mondkalendern an den Mondphasen ausgerichtet. Neben einem Normaljahr mit 12 Mondmonaten (ordentlich 354 Tage lang) gibt es Schaltjahre mit 13 Mondmonaten (ordentlich 384 Tage lang) zur Angleichung an das Sonnenjahr. Die kalendarischen Ausnahmeregeln können zu einer Verlängerung oder Verkürzung der ordentlichen Jahreslängen um jeweils einen Tag führen. Das jüdische Jahr beginnt heutzutage im Herbst mit dem Tischri, der nach jüdischer Auffassung der Monat ist, in dem die Menschheit erschaffen wurde. In biblischer Zeit begann das Jahr mit dem Nisan im Frühjahr. Der Nisan ist der Monat der Erlösung, in dem die jüdischen Vorfahren aus Ägypten auszogen. Die Tatsache der Erlösung wird auch heute noch höher bewertet als die der Schöpfung, indem beim religiösen Gebrauch des jüdischen Kalenders der Nisan weiter als erster, der Tischri aber erst als siebter Monat des Jahres betrachtet wird. (Quelle: Wikipedia)

Präsident Elie Rosen ging in seiner Rede auch auf den Anschlag auf die Synagoge (und ihn) im August des vergangenen Jahres ein und bedankte sich beim Land Steiermark, der Stadt Graz und der Exekutive für die Unterstützung und das Verständnis. Für die Anliegen und Projekte seiner Gemeinde gibt es viel Wohlwollen – besonders durch die Stadt Graz selbst. So laufen Gespräche über ein Bethaus, das künftig auch für Kulturveranstaltungen genützt werden wird.

Die Coronapandemie habe eine starke Zäsur im direkten Kontakt mit der Öffentlichkeit, aber auch innerhalb der Mitglieder der Gemeinde bewirkt. Mit digitalen Hilfsmitteln (Apps) habe man allerdings auch neue Möglichkeiten der Kommunikation entwickelt.

Sorgen macht Präsident Elie Rosen natürlich die sinkende Mitgliederzahl seiner Gemeinde. Es brauche mittelfristig Migration von Juden. Man sei dabei, neue Wege und Anreize für die Partizipation am jüdischen kirchlichen Leben zu schaffen. Eine dieser Neuheiten ist auch die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde im slowenischen Ljubljana.

Programmhöhepunkt des Abends war dann der umjubelte Auftritt der Sopranistin Shira Karmon, die seit 15 Jahren in Österreich lebt. Und da gibt es auch einen Graz-Bezug: Ihre Gesangslehrerin flüchtete zu Beginn der Nazi-Herrschaft nach Israel und lebt heute noch dort. Gastgeber Präsident Elie Rosen und sein Team luden zum Abschluss zu einem Buffet – natürlich koscher – , das alles zeigte, was die jüdische Küche bietet. Verantwortlich dafür das Restaurant „alef-alef“ in Wien (Tipp für Feinschmecker und Wien-Besucher: Jeden Mittwoch gibt’s dort in den frühen Abendstunden ein Buffet).