Alzheimer beginnt lange vor ersten Symptomen
In der Steiermark leben mehr als 21.000 Menschen mit Demenz. Nur sechs Prozent der Betroffenen sind in fachärztlicher Behandlung, wie die Zahlen des Netzwerks Demenz Steiermark zeigen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenzerkrankung und stellt Betroffene, Angehörige und das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen.
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko. Der Welt-Alzheimertag am 21. September macht jährlich auf die Erkrankung aufmerksam. Die Forschung zeigt: Veränderungen im Gehirn können bereits viele Jahre vor den ersten klinischen Symptomen beginnen. Deshalb geht es zunehmend darum, Alzheimer möglichst früh zu erkennen, das Fortschreiten zu verlangsamen und beeinflussbare Risikofaktoren zu reduzieren.
Auch an der Medizinischen Universität Graz wird dazu intensiv geforscht. Marisa Koini vom Fachbereich Neuropsychologie & Neuroscience an der Universitätsklinik für Neurologie beschäftigt sich insbesondere mit kognitiven Veränderungen im Laufe des Alterns.
Erkrankung beginnt schleichend
Lange bevor Gedächtnisprobleme im Alltag auffallen, können sich krankhafte Veränderungen im Gehirn entwickeln. Dazu zählen unter anderem Eiweißablagerungen sowie Veränderungen von Nervenzellen und ihrer Kommunikation.
„Wenn wir verstehen und beeinflussen wollen, wie sich Alzheimer entwickelt, müssen wir die Erkrankung möglichst früh untersuchen. Zum Zeitpunkt der Diagnose sind die krankhaften Veränderungen im Gehirn häufig bereits weit fortgeschritten. Gerade die frühe Krankheitsphase bietet uns daher die Chance, jene Prozesse zu verstehen, die den weiteren Verlauf der Erkrankung bestimmen“, erklärt Marisa Koini.
Lebensstil und Gesundheit spielen eine Rolle
Neben der frühen Diagnose stellt sich die Frage, wie sich das Erkrankungsrisiko beeinflussen lässt. Neben nicht beeinflussbaren Faktoren wie Alter und genetischer Veranlagung können auch Lebensstil- und Gesundheitsfaktoren eine Rolle spielen. Dazu zählen unter anderem Bewegung, Herz-Kreislauf-Gesundheit, Ernährung, Schlaf und soziale Aktivität.
Forschung mit neuen Möglichkeiten
„Wir erleben derzeit einen grundlegenden Wandel in der Alzheimer-Forschung. Wir können die Erkrankung immer früher und genauer erfassen und verfügen erstmals über Therapien, die direkt in Krankheitsprozesse eingreifen können. Die große Herausforderung besteht nun darin, herauszufinden, welche diagnostischen und therapeutischen Ansätze für welche Patienten tatsächlich den größten Nutzen bringen – und diese Erkenntnisse rasch in die klinische Versorgung zu übertragen“, so Marisa Koini.
Forschung müsse letztlich daran gemessen werden, „ob es uns gelingt, den Ausbruch einer Demenz hinauszuzögern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und möglichst viele Jahre mit guter Lebensqualität und Selbstständigkeit zu gewinnen.“









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