Der Lebensretter mit den braunen Haaren
Es war der 8. September 2023. Ein sonniger Tag in Lignano. Peter Bauer sitzt mit seiner Familie in einer Strandbar und genießt seinen Urlaub, als plötzlich sein Kreislauf versagt. Er wird bewusstlos, sein Kopf kippt, die Zunge rutscht nach hinten und verschließt die Atemwege. Sein Schwiegersohn in spe ist sofort alarmiert, handelt schnell und will durch lautes Rufen in der vollen Strandbar ärztliche Hilfe finden.
Ein paar Tische weiter sitzt ein Krankenpfleger mit seiner Familie. Er hört die Rufe und eilt zu Bauer, erkennt den Ernst der Lage, holt die Zunge des Bewusstlosen nach vorne und legt damit die Atemwege wieder frei. Kurz darauf ist zu hören, wie Herr Bauer kräftig Luft holt. „Als er wieder durchgeatmet hat und zu Bewusstsein gekommen ist, ist das auch für mich ein tolles Gefühl gewesen“, erzählt der Pfleger.
Alles passiert innerhalb weniger Minuten. Was in der Aufregung allerdings völlig untergeht, ist, dass jemand nach dem Namen oder der Telefonnummer des Mannes, der gerade ein Leben gerettet hat, fragt. In der Zeit nach dem Vorfall wird für Bauer der Wunsch deshalb immer größer, seinem Lebensretter persönlich Danke zu sagen. Und damit startet eine Suche, die fast drei Jahre dauern sollte.
Gesucht: steirischer Pfleger mit braunen Haaren
Nach dem Urlaub erzählt Bauer die Geschichte immer wieder in seinem Bekanntenkreis, in der Hoffnung, eine Spur zu finden. So bekommt auch Tanja Baldasty davon mit. Sie leitet am LKH-Univ. Klinikum Graz im Bereich MedOffice ein 29-köpfiges Team, das unter anderem im Servicezentrum für die Telefonvermittlung zuständig ist. Baldasty wird zur neuen Hoffnung während der Suche, denn die wenigen Details, an die sich Bauer erinnern kann, sind, dass sein Lebensretter braune Haare hat, Steirer ist und als Pflegekraft auf einer Lungenintensivstation arbeitet.
Daten oder Fotos von Mitarbeitern herauszugeben, kommt aus Datenschutzgründen für Baldasty natürlich nicht infrage, also aktiviert sie außerhalb der Arbeitszeit ihr persönliches Netzwerk aus Kollegen verschiedenster Abteilungen. Mit der Zeit unterstützen immer mehr Menschen aus den unterschiedlichen Berufsgruppen des Uniklinikums Graz bei der Suche.
Nach fast drei Jahren klingelt das Telefon
In der Folge verbreitet sich die Geschichte von dem unbekannten Lebensretter auch im LKH Graz II in Enzenbach, bis dort nach insgesamt zweieinhalb Jahren Suche ein Name fällt: Christoph Krammer.
Anfang Juli telefonieren Krammer, der als DGKP am LKH Graz II, Standort Enzenbach arbeitet, und Bauer zum ersten Mal miteinander. „Es war ein sehr emotionales Gespräch. Ich konnte ihm endlich persönlich sagen, wie dankbar ich ihm bin und dass ich ihm mein Leben verdanke“, erzählt Bauer. Besonders beeindruckt habe ihn, wie locker und bescheiden Krammer reagiert hat.
Denn Krammer hat gar nicht mehr damit gerechnet, kontaktiert zu werden. Für ihn ist die Sache erledigt gewesen: „Erste Hilfe zu leisten, ist für mich selbstverständlich. Ich habe mich aber sehr gefreut, besonders, als ich gehört habe, dass Herr Bauer gesund und fit ist.“
Wenig später kommt es am Uniklinikum Graz zum persönlichen Treffen. Gemeinsam mit einem Teil der Menschen, die an der Suche beteiligt gewesen sind, sehen sich Lebensretter und Geretteter erstmals nach fast drei Jahren wieder.
„Jeder kann Lebensretter werden“
Krammer nimmt aus der Geschichte vor allem eines mit: „Ich würde jedem Menschen ans Herz legen, keine Angst davor zu haben, zu helfen. Es ist viel schlimmer, nichts zu unternehmen. Das Gesetz schützt Ersthelfer, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Jeder kann Lebensretter werden – man muss sich nur trauen, etwas zu tun.“









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