Kinder haben gewählt: Eine Stunde mehr Schlaf
Von wegen Kinderrechte! Hauptakteure dürfen beim Unterrichtsbeginn nicht mitreden.
Der Wecker klingelt, die Augen sind noch klein. Schnell frühstücken, anziehen, Schultasche schnappen – und spätestens um 8 Uhr heißt es dann: Unterrichtsbeginn. Für 147.283 Kinder ist das heute wieder Realität. Nach neun Wochen Sommerferien startet heute in der Steiermark das neue Schuljahr. 12.000 steirische Kinder haben sogar ihren ersten Schultag.
Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auch eine spätere Beginnzeit des Unterrichts diskutiert. Doch die Hauptakteure selbst, sprich die betreffenden Kinder, wurden dazu noch nie befragt. Was wäre denn, wenn die Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden dürften, wann der Unterricht beginnt?
Diese Frage hat sich Franz Stangl, Leiter des UniGraz@Museum gewidmet. Ausgangspunkt dabei ist die Sonderausstellung „Demokratie er-leben“ an der Universität Graz. „Alle reden zwar immer von direkter Demokratie“, sagt er im KLIPP-Telefonat, „aber Kinder bis 15 dürfen eigentlich nie irgendwo wählen bzw. mitbestimmen.“ Und das nicht einmal bei einem Thema, das sie selbst betrifft – nämlich den Unterrichtsbeginn.
Und so hatte Stangl eine originale Wahlzelle der Stadt Graz mit Wahlurne aufgebaut und damit Kindern ermöglicht, zu einer richtigen Wahl zu gehen. In einem Zeitraum von mehreren Monaten durften sie mittels Wahlzettel wählen, welche Unterrichtsbeginnzeit ihnen am liebsten wäre. Vorab hat er sich erkundigt, wann der Unterricht in Graz bei den meisten Schulen beginnt – nämlich um 7:45 Uhr. Und so standen am Wahlzettel drei Uhrzeiten zur Auswahl: 6:45 Uhr, 7:45 Uhr und 8:45 Uhr.
100 % Wahlbeteiligung
Gewählt haben 602 Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren. Die Kinder kamen sowohl aus ländlichen Regionen (Bezirk Liezen, Oststeiermark) als auch aus Grazer Schulen. „Das Ergebnis war ziemlich eindeutig“, so Franz Stangl. Mehr als die Hälfte – also 310 Kinder (51,50 %) – wünschen sich, in der Früh eine Stunde länger schlafen zu können. Doch etwas überraschend: 96 Kinder (16 %) wählten den früheren Unterrichtsbeginn um 06:45 Uhr. Und 196 Kinder (32,50 %) wollen bei einem Unterrichtsbeginn um 07:45 Uhr bleiben.
„… wäre auch für Lehrer weniger stressig“
Die Kinder seien äußerst engagiert gewesen und hätten sich natürlich gefreut, auch einmal so wie die Erwachsenen wählen zu dürfen, so Stangl. Viele hätten auch klare Argumente für einen späteren Unterrichtsbeginn vorgelegt. So hätten sie mehr Zeit zum Frühstücken, auch mit der Familie, weniger Stress in der Früh und wären ausgeschlafener, vor allem bei Tests in der ersten Stunde. Und: Es gab auch viel Empathie für die Lehrer. Für sie wäre es nämlich auch viel weniger stressig, wenn die Kinder ausgeschlafen wären …
Infos auch: Sendung der Kinderreporter von Radio Steiermark









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