„Verseppung“ des Landes?

Am 19. März begeht die Steiermark den Josefitag

Morgen feiert die Steiermark mit dem Josefitag den Stiefvater von Jesus als Landespatron (siehe dazu weiter unten). Die Festivitäten und Veranstaltungen sind völlig neu – sogar für drei Tage angesetzt. FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek hat als Referent für Volkskultur den Heiligen Josef zu einem Symbol steirischer Leitkultur aufgewertet (Steirerfeiern). Sein Vorgänger Christopher Drexler hatte mit seinem politischen Verständnis mit einem staatstragenden Auftritt in der Aula der Alten Universität in Graz – „Rede an die Steirerinnen und Steirer“ – das Bewusstsein um den Landespatron aufzuwerten versucht.

Wobei sich niemandem wirklich erschließt, warum gerade die Bibelfigur des Heiligen Josef für die Steiermark so speziell sein soll. Den Feiertag führte Mitte des 17. Jahrhunderts Kaiser Ferdinand III. per Edikt ein. In Österreich haben auch die Bundesländer Kärnten, Tirol und Vorarlberg denselben Landespatron.

Protestplattform #kulturlandretten

Die Novellierung des Kulturförderungsgesetzes ist der Auslöser für die Gründung der Plattform #kulturlandretten. Ein gravierender Vorwurf der Künstler und Kulturaktivisten: Es fehle ein Sparen mit Augenmaß. Unzumutbar sei auch die parteipolitische Umfärbung des Kulturbeirats im Land, äußern sich deren Vertreter bei Veranstaltungen und in Interviews.

So Schriftsteller Max Höfler und „manuskripte“-Herausgeber Andreas Unterweger in einem Bericht in der ORF-Sendung „Kulturmontag“ mit einem satirischen Gedicht zur künftigen Leitkultur: Man kann den Prozess in einem Wort ganz gut zusammenfassen – nämlich Verseppung. Der Grazer Schloss-Sepp, die Sepp-Insel, der Kunst-Sepp, Schloss Eggen-Sepp, Grüner Sepp, Seppstein-Gletscher, Stift Seppmont, die Seppering-Bahn, die Seppizaner.

Die Novellierung habe tiefgreifende Veränderungen zur Folge.

  • Politisch verantwortet Landeshauptmann Kunasek die Volkskultur.
  • Die weiteren Aufgaben im Kulturbereich (Bühnen Graz, usw.) liegen bei ÖVP-Landesrat Kornhäusl.
  • Das Budget für die Bühnen Graz wurde um 4 Mio. Euro gekürzt.
  • Ein weiterer Paukenschlag: Die freie Kulturszene steht vor einem Härtetest. Man fürchtet die teilweise Vernichtung aufgrund von weiteren Budgetkürzungen. Geplant ist nämlich von der FPÖ mit ihrem Koalitionspartner ÖVP die Abschaffung der ORF-Landesabgabe. Diese beträgt 5 Euro im Rahmen der ORF-Haushaltsabgabe. Eine solche ist ab dem Jahr 2027 geplant. Das würde zur Verringerung des Kulturbudgets um weitere 25 Millionen Euro führen.

Historie zum Heiligen*

Seit mehr als 250 Jahren gilt der Heilige Josef als Landespatron der Steiermark. Sein Festtag wird am 19. März gefeiert. Als barmherziger Ehemann der Gottesmutter Maria und Ziehvater von Jesus hat der fleißige Zimmermann aus Nazareth eine besondere Bedeutung. Nicht zuletzt wurde er 1870 zum Schutzpatron der gesamten Katholischen Kirche ernannt.

Er ist schon etwas in Vergessenheit geraten, der einst so überaus beliebte Name „Josef", kurz „Pepi", „Seppi", „Seppl", „Beppo" usw. Während er heute in der aktuellen Statistik der Steiermark nicht einmal unter den ersten 30 beliebtesten Bubennamen aufscheint, zählte er in den 1910er bis zu den 1960er Jahren gemeinsam mit Johann und Franz zu den absoluten Top Drei.



Bereits im 15. Jahrhundert erklärte Papst Sixtus IV. den 19. März zum offiziellen Festtag des Heiligen Josef. Mitte des 17. Jahrhunderts wird der Josefstag per Edikt von Kaiser Ferdinand III. zum Feiertag im Herzogtum Steiermark erklärt, welcher später sogar befohlenermaßen „feierlich zu begehen" war. Den letztgültigen Entscheid über Sankt Josef als Landespatron trifft allerdings erst Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1771. Zusätzlich bekam Josef 1955 einen zweiten Gedenktag, „Josef, der Arbeiter" am 1. Mai. Heute ist's schon längst vorbei mit arbeitsfrei, lediglich Schulkinder und Lehrpersonal dürfen sich an einem schulfreien Josefitag erfreuen.

Als Vorbild für tiefen Glauben, Demut und Verantwortung obliegen dem heiligen Josef die Patronate für Ehepaare und Familien, Kinder und Jugendliche, Arbeiter, Handwerker und Zimmerleute, Tischler, Erzieher und Sterbende. Diverse Darstellungen zeigen Josef das Christuskind tragend, bei der Geburt Jesu im Stall, auf der Flucht nach Ägypten sowie sterbend in den Armen Jesu und Mariens. Ihm beigegeben sind Attribute wie Zimmermannswerkzeug und die weiße Lilie als Symbol der Keuschheit bzw. Reinheit.

Über die Grenzen geblickt: In Bayern gilt der Josefitag traditionell als Beginn der „Starkbierzeit", weil gerade in der Fastenzeit „das flüssige Brot", seinerzeit vor allem für die Mönche, eine wichtige Festnahrungs-Ersatz-Funktion hatte.

(*Quelle: https://www.landesbibliothek.steiermark.at/cms/beitrag/13008971/106332203/)

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