Eine Woche Auszeit vom Krieg für junge Ukrainer

Im weststeirischen Theaterdorf St. Josef. Kampfkunst Aikido statt Alarm.

„Aikido for Ukraine“ heißt es derzeit im beschaulichen Theaterdorf St. Josef in der Weststeiermark. Als Gäste genießen junge Ukrainer die Auszeit vom Krieg. Eingeladen, wie im Vorjahr, hat die 30-köpfige „Sportler“-Gruppe der ortsansässige Aikido-Club mit dessen Obmann Rainer Loidl.

Ihm ist es erneut gelungen, mit Hilfe der Gemeinde und weiteren Sponsoren, das Trainingscamp auf die Beine zu stellen. „Es war eine ordentliche Challenge“, erzählt er bei unserem Besuch in St. Josef. Aber alle im Dorf helfen zusammen. Die Gemeinde, die Pfarre, die Schule, Unternehmen. Einige Frauen des Ortes sind für die Verpflegung zuständig und kochen. Eben eine richtige Dorfgemeinschaft.

Aber was ist Aikido eigentlich?

Eine Kampfkunst und kein Sport, zumal es auch keine Wettbewerbe gibt. „Fließende Kreis- und Spiralbewegungen, die Kraft und Bewegung, Energie des Angreifers nutzen und diese umlenken“, erklärt mir Rainer Loidl. Und: Eine zentrale Fähigkeit im Aikido ist das richtige Fallen, Bewegen und Abrollen. Jene, die die richtige Falltechnik – Ukemi – schon gut können, sind am schwarzen Hosenrock erkennbar. Hakama nennt sich das traditionelle japanische Kleidungsstück.

Zwei Mal am Tag trainiert die Gruppe. Abseits davon stehen Beachvolleyball ein Schwimmbadbesuch und ein Abstecher in die Landeshauptstadt Graz am Programm.

Kriegsflüchtlinge im eigenen Land

Hier in der Steiermark können die Jugendlichen Abstand und etwas Entspannung vom Kriegsalltag in ihrer Heimat finden. Darunter auch Denis und seine Schwester Anna. Die beiden kommen aus Charkiw – ursprünglich. Denn wie so viele sind sie Kriegsflüchtlinge in ihrem eigenen Land. Sie leben nun, wie die meisten der Gruppe, in Uschhorod, im Westen der Ukraine, an der slowakischen Grenze.

An den Krieg „gewöhnt“

Zu Kriegsbeginn sei alles ganz schlimm gewesen, erzählt Anna, aber man habe sich irgendwie daran gewöhnt. Für uns schwer vorstellbar, mit dem Krieg zu leben, mit den Gegebenheiten, wie nächtlicher Bombenalarm und häufige Stromausfälle, umgehen zu können. Anna hat auch zu malen begonnen. „Mit Acryl, Motive aus der Natur.“ Das entspanne sie. Gaming am Computer wiederum ist ein Hobby des zwölfjährigen Marc. „Wir bewältigen die Stromausfälle mit einem großen Akku.“ Im Vorjahr gab es hauptsächlich nur Online-Unterricht, mittlerweile wird wieder in der Schule gelernt.

Nach Uschhorod in der Ukraine werden auch immer wieder Kinder aus vom Krieg besonders gezeichneten Orten zu Aikido-Trainingscamps geschickt, weil dort die Lage nicht so prekär ist.

In eine ganze andere Welt tauchen sie für eine Woche hier in St. Josef in der Steiermark ein. Unvergesslich schon der Aufenthalt im Vorjahr. Die jungen Ukrainer: … vor allem die Stille und Ruhe in der Nacht ... 


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