KLIPP-Interview mit Augenzeugen von 9/11

Steirer Walter Plendner, Küchenchef im Marriott beim WTC: „Wir haben mit Glück überlebt!“. 22-Stock hohes Hotel beim Einsturz des Towers begraben.

Ein KLIPP-Kamerateam trifft Walter Plendner einen Tag vor seinem „zweiten Geburtstag“, am 10.9., in seinem Zuhause in Eggersdorf bei Graz. Er war Executive Chef im Hotel Marriott beim World Trade Center (WTC) in New York.

Auch an diesem Tag, dem 11. September 2001, war der Steirer bereits am frühen Morgen in seinem Büro. „Da hat’s auf einmal einen gewaltigen Rumpler gemacht.“ In jenem Augenblick, als die ersten Trümmer auf das Glasdach des bereits mit Gästen gefüllten Frühstücksrestaurants fielen und dieses daraufhin an einigen Stellen gebrochen ist. Und das war der Beginn seines denkwürdigsten Tages im Leben.

 

Zur Vorgeschichte:

Drei Tage vor dem Anschlag, am Samstag, den 8. September 2001, gab es im Hotel Marriott im World Trade Center in New York einen Steirerball, organisiert damals vom Weizer Medienmarkt Habe. Rund 300 Gäste unterhielten sich dort bei Steirermusik blendend. Etliche von ihnen nächtigten auch im Mariott beim World Trade Center.

Helfender Befürworter und Unterstützer des Steirerballs war auch Walter Plendner. Damals seit acht Jahren der Küchenchef im World Trade Center Mariott mit 820 Zimmern. „Die Leute sind am Sonntag abgereist“, erzählt Plendner. „Aber einige sind auch bis Dienstag geblieben, und die habe ich dann sogar in der Früh, als wir evakuiert worden sind, vor dem Hotel gesehen.“

Sofortige Evakuierung

Als das erste Flugzeug in den Tower raste und herabstürzende Teile dann das Glasdach zerstörten, kam es sofort zur Evakuierung des Hotels. „Ich habe zuerst immer an einen Unfall gedacht und erst auf der Straße gesehen, wie das zweite Flugzeug in den zweiten Turm hineingerast ist, dass es sich dabei um einen Terrorakt handelt.“

In der Küche waren damals beim Frühstück etwa 15 Köche der 60-köpfigen Mannschaft bereits am arbeiten. Im Schock versammelten sich die Evakuierten am Ufer des Hudson River und verfolgten von dort das Geschehen. Alle nur mit dem, was sie anhatten. Niemand konnte was mitnehmen. Sie sahen nur fassungslos das Geschehen. Auch wie Menschen aus dem Tower sprangen, weil sie nicht verbrennen wollten.

Der Einsturz der beiden Türme und die Panik, die es danach gab, war für ihn eine „Urerlebnis“. „Ich habe Glück gehabt“, meint er im mehrfachen Sinn. Frau und Tochter waren zu dieser Zeit unterwegs in die Schule. Gewohnt haben die Plendners in einem Apartment am Broadway 176, nur wenige Gehminuten entfernt vom World Trade Center. Sie wurden sofort evakuiert und durften die Wohnung nicht mehr betreten.

Moonbean – der kleine Malteser-Hund

„Ich habe ja außer meiner Dienstuniform überhaupt keine Papiere – nichts mitgehabt“, erzählt Walter Plendner. „Irgendwie habe ich mich dann am Dienstag in dem allgemeinen Chaos doch noch zu unserer Wohnung durchgeschlagen, weil ich unseren Hund einfach holen musste. Moonbean, ein kleiner Malteser, war allein zu Hause geblieben. Das Verhalten des Hundes hat ganz klar gezeigt, dass er die Ereignisse in irgendeiner Form registriert hat, denn er war ganz anders als sonst.“

Von seiner Wohnung aus setzte sich Plendner zu Fuß – es war ja alles blockiert – in Richtung Midtown in Bewegung, wo er sich dann seine Frau und die Tochter umarmen konnte.

Die Familie fand in der Folge  „Unterschlupf“ bei Freunden. Erst vier Wochen später konnten sie wieder in ihre Wohnung. Obwohl von Firmen mehrmals gründlichst gereinigt, roch es noch Monate danach nach „Brand“. Bis zum Jahr 2005 und seiner Rückkehr nach Österreich blieb die Familie dort wohnen. Als Executive Chef arbeitete er dann in einem Hotel der Gruppe in Midtown Manhattan.

Schon Bombenanschlag 1993 überlebt

Walter Plendner erlebte bereits im Jahr 1993 den ersten Anschlag aufs World Trade Center – damals mittels einer Bombe in der Tiefgarage. Das Marriott lag zum Teil über der Garage. Es kam zu gewaltigen Zerstörungen. Das Hotel blieb aufgrund der nötigen Renovierungsarbeiten 18 Monate gesperrt.


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Bemerkungen :

  • user
    kranner@drei.at September 11, 2026 um 6:16 pm
    Wie immer Klasseberichte...