Guten Appetit! Zum Spinat-Mythos am Gründonnerstag

Der „grüne“ Teller als Mahlzeit: Von „das ess’ ich nicht“ bis Leibspeise. Zwischen Kirche, Brauchtum und Popeye.

Heute, am Gründonnerstag, landet bei drei von zehn heimischen Familien ganz selbstverständlich Spinat auf dem Teller – klassisch mit Spiegelei und Erdäpfeln. Gerade in der Steiermark gehört dieses Gericht fast schon zur kulinarischen Pflicht.

Name führt in die Irre

Sprachlich hat der Gründonnerstag historisch nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern dürfte vom althochdeutschen „greinen“ – also „weinen“ oder „klagen“ – stammen. Es erinnert daran, dass Jesus an diesem Tag von seinen Feinden verhaftet worden ist. Und es hat auch etwas mit Essen zu tun. Denn davor, so heißt es in der Bibel, saß er mit seinen Jüngern beim „letzten Abendmahl“. Eine Interpretation des Grazer Theologen Karl Veitschegger: Dabei könnte auch Blattgemüse gegessen worden sein. Daher die tiefe kirchliche Bedeutung für die christliche Kirche. Erst im 14. Jahrhundert entwickelte sich der Gründonnerstag zum „grünen Speisetag“.

Ein starkes Symbol für Neubeginn

Mit dem Frühling kehrt das Grün in die Natur zurück – ein starkes Symbol für Neubeginn und Hoffnung, passend zur Osterzeit. Daraus entwickelte sich der Brauch, am Gründonnerstag etwas „Grünes“ zu essen. Neben Kräutern oder Salaten setzte sich vor allem Spinat durch – einfach, günstig und schnell zuzubereiten.

Wobei auch historisch gesehen „grüne Speisen“ breiter gedacht sind: Brennnessel, Bärlauch oder junge Wildkräuter werden heute noch als saisonale Alternativen genutzt. Vor allem in der Frühlingsküche der ländlichen Regionen sind sie beliebt. So tummeln sich in den steirischen Murauen in diesen Tagen viele Sammler von Bärlauch und Co.

Popeye machte ihn zum Symbol für Stärke

Dass Spinat heute noch sogar in den USA als „Kraftspender“ gilt geht auf die berühmte Zeichentrickfigur Popeye zurück. Diese machte Spinat im 20. Jahrhundert weltweit zum Symbol für Stärke. Nur eine Dose Spinat machte den Seemann im Cartoon plötzlich übermenschlich stark. Ein Bild, das sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Und nicht zuletzt hat die Popularität des bald 100 Jahre alten Popeye dafür gesorgt, dass der Spinatkonsum in den USA deutlich anstieg.

Hälfte des Spinat-Umsatzes zu Ostern

Damit zurück nach Österreich: Dass der „Spinattag“ längst mehr als nur ein „kirchlicher Nebeneffekt“ ist, zeigen auch aktuelle Marktdaten: Rund 45 Prozent der jährlichen Verkaufsmenge von Tiefkühlspinat werden bereits vor Ostern umgesetzt – 4,4 Millionen Packungen im Lebensmitteleinzelhandel.

Ein gesunder Klassiker

Mit seinen Nährstoffen ist Spinat eine Traditionsspeise. Er enthält unter anderem natürliche Vitamin C zur Stärkung des Immunsystems, Eisen, das zur Blutbildung beiträgt (wenn auch weniger als lange angenommen), Folsäure (besonders relevant für Zellteilung und Stoffwechsel) sowie Magnesium und Kalium – wichtig für Muskeln und Nerven.

Also lassen Sie sich ihren Spinat heute und auch in Zukunft schmecken – egal, ob selbstgemacht mit Brennnessel, Bärlauch, Kräutern aus dem eigenen Garten oder unkompliziert aus der Tiefkühltruhe. Mahlzeit!


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