Zwischen Prärie und Puszta
Dem (vorinformierten) Premierenpublikum hat die „Arizona Lady“ mehrheitlich gefallen. Freundlicher Applaus. Lauter wurde es nur bei der „Hillbilly“-Tanz-Formation, wie man das aus Western-Filmen kennt. Klingt irgendwo mehr nach Csárdás, äußerte sich ein Sitznachbar, der sich im letzten Augenblick, ohne Wissen, worauf er sich einließ, für die Premiere entschieden hatte. Ungewollt meinte er, das Ganze habe schon nach dem ersten Akt sein Ende gefunden.
Mit seinem Bauchgefühl lag er richtig. Denn der Komponist der Western-Operette „Arizona Lady“ Emmerich Kálmán (1882-1953) war Ungar. Er musste als Jude 1940 von den Nazis in die USA fliehen, interessierte sich sehr für den Wilden Westen, kehrte 1948 wieder zurück und begann mit den Arbeiten zu „Arizona Lady“.
Die Geschichte ist schnell erzählt: good Cowboy und Bösewicht. Das Ganze spielt im Bundesstaat Arizona und handelt von Lona Farrell. Diese hat ungarische Wurzeln und besitzt die Sunshine Ranch. Ein krimineller Nachbar macht ihr Probleme. Außerdem verliebt sie sich in den Cowboy Roy Dexter. Lonas Pferd Arizona Lady muss am Ende ein wichtiges Pferderennen gewinnen. Von diesem Rennen hängt die Zukunft der Ranch ab.
Emmerich Kálmán, bekannt und berühmt für die Operetten „Die Csárdásfürstin“ und „Gräfin Mariza“, konnte sein letztes Werk nicht mehr zu Ende bringen. Das geschah erst nach dem Tod durch seinen Sohn Charles. Am 14. Februar 1954 am Stadttheater Bern gab es die erste Aufführung und im April 1954 in Graz. Und seit damals nicht mehr.
Neu bearbeitet
Der Regisseur Christian Thausing und Dirigent Kai Tietje haben die „Arizona Lady“ für Graz grundlegend bearbeitet und damit auch verändert. Dazu braucht es nicht zuletzt viel Mut, so grundlegend in die Struktur eines Stückes einzugreifen, um die dem Werk innewohnenden Qualitäten noch klarer herauszuarbeiten, heißt es im Programmfolder. Doch vieles musste auch 72 Jahre später in einem bemühten Versuch steckenbleiben. Wer ein klassisches amerikanisches Musical erwartet, kommt – abgesehen vom farbenfrohen, gut gelungenen Bühnenbild – nicht auf seine Kosten.
„Arizona Lady“ hat nicht den typischen Stallgeruch einer Western-Komödie, sondern erinnert an Kálmáns populäre Operettenmusik. Alles kommt ein wenig zickig daher – auch der Song „Reit’ Cowboy, die Welt ist so weit“. Die Inszenierung hat Längen, die wirklichen musikalischen Höhepunkte fehlen. Es wird offenkundig, warum amerikanische Komponisten sich nicht in das Genre der Operette vertiefen. Musical hat seine Wurzeln in den USA und die Operette ihre in Europa.





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