Italien sollte bei WM dabei sein

„Weil der Ball rund ist, ist im Fußball alles möglich“

Wenn ein David den Goliath besiegt, so ist das stets ein Ereignis für die Geschichtsbücher. Dem 3,2-Millionen-Einwohner-Land Bosnien-Herzegowina sei daher die Teilnahme, der Jubel und der zeitweilige Ausnahmezustand gegönnt. Und dass damit hoffentlich die drei Volksgruppen näher zusammenrücken und künftig miteinander besser leben können. Auch der ehemalige Österreich-Team- und Sturm-Graz-Trainer Franco Foda hätte mit dem Kosovo (1,8 Mio. Einwohner) bei einem Heimsieg gegen die Türkei (85,3 Mio. Einwohner) beinahe Ähnliches geschafft und hätte sich damit zu einer nationalen Legende gemacht.

Auch bei uns in Österreich gibt es, schaumgebremst, viele Ansätze von Euphorie, dass wir bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko dabei sind. Für die jeweiligen Liliputaner im internationalen Fußball sind derartige Siege eben etwas Großes.

ABER – und das ist die Kehrseite einer solchen Form der Qualifikation: Sie macht das weltweit wichtigste Turnier in diesem Sport mit 48 Mannschaften NICHT attraktiver. Und dies zum Leidwesen für rund eine Milliarde Fans, die die WM gebannt an den TV-Schirmen verfolgen werden. Das Gegenteil ist der Fall.

Schön, dass Bosnien-Herzegowina, Österreich und mit Curacao, Haiti oder Usbekistan auch noch weitere Fußball-Zwerge im Turnier dabei sind. Aber ihre Teilnahme wird nur in den Ländern, gegen die man in der jeweiligen Gruppe spielt, Begeisterung auslösen – natürlich nur bei Siegen. Nicht darüber hinaus.

Weltmeister gehören dazu

Ganz anders wäre das bei Italien, einem viermaligen Weltmeister, zuletzt 2006 in Deutschland und Europameister 2020 im Wembley-Stadion in London. Eine Fußball-Großmacht auf unserem Planeten. Auf Augenhöhe und vergleichbar mit Deutschland (4 WM-Titel), Frankreich (2), Argentinien (3) und Rekordhalter Brasilien mit fünf WM-Titeln.

Der Profi-Fußball ist nun mal das größte sportliche Milliarden-Business. Der Fight um die WM-Krone ist ein Kampf um Marktwerte und mit viel, viel Geld verbunden. Auch und gerade für die einzelnen Sportler selbst.

FIFA muss umdenken

In anderen Sportarten hat man für derartige „Betriebsunfälle“ und „Unwidrigkeiten“ bereits Lösungen gefunden, dass das wichtigste Event der betreffenden Sportart (über mehrere Wochen) mit allen Stars und Glanzlichtern über die Weltbühne gehen kann.

Modelle und Überlegungen gäbe es da viele. So könnten beispielsweise die Finalisten – oder auch nur der Sieger – der letzten Welt-, Europa-, Afrika-, Asien- und Südamerikameisterschaften fix gesetzt und in jeweils separaten Auslosungstöpfen sein. Auch die Möglichkeit einer „Wild Card“ bestünde. Ein solches Szenario würde den Fußballzwergen wie Bosnien-Herzegowina oder Curacao, aber auch Österreich, nicht die Chance nehmen, mitzufiebern, aber insgesamt das WM-Turnier noch spannender gestalten. Und die aktuellen Leistungen von Fußball-Liliputanern nicht schmälern, aber der Bedeutung von Fußball-Großmacht-Ländern gerecht werden.

Ein letzter Gedanke: Wie klingt das? Eine Fußball-WM ohne Brasilien, Argentinien, Deutschland. Oder eine Eishockey-WM ohne Kanada …

                JL

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