Personal überlastet, Verbesserungen ausgeblieben

AK-Studie zeigt kritische Zustände im Gesundheits- und Sozialbereich

„Trotz vielfältiger Bemühungen in den letzten zehn Jahren sind die nötigen Verbesserungen ausgeblieben, die Gesundheit der Beschäftigten und von uns allen in der Gesellschaft steht damit auf dem Spiel“, so AK-Präsident Josef Pesserl. Wie eine Studie der Arbeiterkammer Steiermark zeigt, ist das Personal im Gesundheits- und Sozialsektor psychisch und physisch überlastet.

Die Studie wurde heuer im Frühjahr im Auftrag der Arbeiterkammer vom Grazer Forschungsinstitut „Interdisziplinäre Gesellschaft für Sozialtechnologie und Forschung – IGSF“ durchgeführt. Von den rund 60.000 steirischen Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich haben mehr als 8.600 oder 14,4 Prozent an der Umfrage teilgenommen. Die Studie zeigt, dass trotz zahlreicher Maßnahmen zur Verbesserung die Burnout-Raten unter den Beschäftigten bedenklich hoch bleiben. Mehr als 41 Prozent der Beschäftigten erleben moderate, weitere knapp fünf Prozent schwere Burnout-Symptome. „Das sind Werte, die sich seit der vergleichbaren AK-Untersuchung im Jahr 2014 kaum verändert haben“, betonte Studienautor Patrick Hart.

Viele Überstunden, Krank zur Arbeit

Parallel dazu arbeitet ein erheblicher Anteil der Belegschaft regelmäßig weit mehr, als vertraglich vereinbart. Fast die Hälfte der Beschäftigten leistet bis zu zehn Überstunden monatlich, während ein weiteres Fünftel zwischen elf und 20 Überstunden angibt. Rund 85 Prozent der Beschäftigten sind im letzten Jahr zumindest einmal krank zur Arbeit gegangen. Die Hauptgründe dafür sind die Sorge um die Betreuten und die Solidarität mit Kolleginnen und Kollegen.

Keine Hoffnung auf Besserung, Berufsausstieg

Die Zukunftsaussichten innerhalb des Sektors sind laut Einschätzungen der Beschäftigten düster. Drei von vier Befragten befürchten, dass sich die Situation noch weiter verschlechtern wird. Mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten denkt regelmäßig über einen Berufsausstieg nach. Knapp zehn Prozent der Befragten planen konkret, den Bereich in den nächsten Jahren zu verlassen. Hart: „Wenn das passiert, kollabiert das System.“

„Frustration hat zugenommen“

Wiewohl mit der Pflegereform die Entlastungswoche und der Pflegebonus gekommen seien, so Alexander Gratzer, Leiter der AK-Abteilung für Pflege und Betreuung, „haben aber viele Beschäftigte darauf keinen Anspruch. Insgesamt sind 63 Prozent der Befragten mit den Vergabekriterien unzufrieden. Die Frustration hat dadurch zugenommen.“ Auch Beatrix Eiletz, Betriebsratsvorsitzende der steirischen Volkshilfe, bestätigte dies und sieht in der Reform nur ein „Reförmchen“, das zahlreiche Mängel in der Umsetzung aufweise.

Zehn verlorene Jahre im Gesundheits- und Sozialbereich

AK-Präsident Josef Pesserl forderte die Politik in Bund und Land zu einem mutigen Kraftakt auf, der „Rahmenbedingungen aufbaut, die es den Beschäftigten ermöglichen, dass sie ihre Arbeit bis zum gesetzlichen Pensionsalter ohne gesundheitliche Schäden verrichten können und dadurch beste Betreuung und Pflege für die Betroffenen bietet.“ Änderungen seien „keine Raketenwissenschaft, es fehlt der politische Wille“.

Der Vergleich zur Ausgangsstudie zeige, dass zehn Jahre lang nur Wundpflaster aufgelegt wurden, eine Heilung aber ausblieb. Aufrütteln solle auch, dass ein Drittel der Befragten sagt, dass sie sich nicht in der eigenen Einrichtung pflegen oder betreuen lassen würden ...

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