Bauernhof lockt: Von der Zahnarztpraxis in den Stall ...

Weibliche LWK-Spitzen: Immer mehr Quereinsteigerinnen

Dem Brotbacken verschrieben

„Auch wenn man etwas nicht von der Pike auf gelernt hat, kann man es schaffen – es ist nie zu spät mit etwas Neuem zu beginnen. Man muss die Selbstzweifel auf die Seite schieben“, beschreibt Christina Thir aus Riegersburg ihre größte Herausforderung als Quereinsteigerin. Nach der HAK-Matura und ihrer Kurzkarriere als Bankangestellte hat die heute 43-Jährige mit ihrem Mann (auch Bankangestellter) die verpachtete Landwirtschaft ihrer Schwiegereltern reaktiviert und anfänglich als Nebenerwerbsbetrieb geführt. Heute ist die dreifache Mutter Vollerwerbsbäuerin, hat sich dem Brotbacken verschrieben, baut demnächst das Wirtschaftsgebäude um – für eine kleine, feine Hofbäckerei mit angeschlossenem Hofcafe mit rund 30 Plätzen. Ihre selbstgebackenen Brote und Brotspezialitäten sind wahre Kunstwerke.

Tausche Schreibtisch gegen Hofarbeit

Es ist ein deutlicher Trend, dass immer mehr Frauen Büro, Schreibtisch oder Kanzlei gegen Feld und Stall tauschen. „Wir erleben derzeit eine äußerst dynamische Entwicklung in der heimischen Landwirtschaft: Frauen mit ganz unterschiedlichen Berufen entscheiden sich bewusst für einen Quereinstieg auf den Hof. Das ist ein großer Gewinn für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, stärkt die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit der Höfe“, so Landwirtschaftskammer-Vizepräsidentin Maria Pein.

Ex-Kindergärtnerin: Heute verkauft sie Leberkäse, Breinwurst und Co.

Seit Beginn dieses Jahres ist Susanne Atzler aus Maria Lankowitz, die zuvor als begeisterte Kindergartenpädagogin arbeitete, überzeugte Vollerwerbsbäuerin. Ihr stolzes eigenes Projekt ist der Hofladen, der noch in diesem März eröffnet wird. Schon vor der gemeinsamen Hofübernahme im Jahr 2020 ist die Quereinsteigerin „in die landwirtschaftliche Praxis“ hineingewachsen, hat auf das bestehende Standbein „Direktvermarktung“ gesetzt und einschlägige Weiterbildungen absolviert. Der Umstieg auf den Beruf Bäuerin sei herausfordernd gewesen, so die 37-Jährige. Einen besonderen Fokus legt die vierfache Mutter auch auf Marketing und Werbung. Auf Instagram rührt sie die Werbetrommel für am Hof hergestellte Produkte wie Leberkäse, Stangenwurst, Sulz, Brein- und Blutwurst oder Frischfleisch.

Dreifache Mutter und Direktvermarkterin

„Learning by doing“ und fachspezifische Weiterbildungskurse haben den Weg von Daniela Fagitsch von der Zahnarzt- und Gemeinde-Angestellten zur Vollerwerbsbäuerin ermöglicht. „Die größte Herausforderung war es, die Direktvermarktung auf Schiene zu bringen. Das war echt harte Arbeit – verbunden mit vielen Werbemaßnahmen über Social Media, aber vor allem auch viel Mundpropaganda. Da muss man einfach immer dranbleiben“, sagt die dreifache Mutter. Als großen Vorteil des Berufes sieht die 39-Jährige, dass man ständig bei den Kindern sein kann: „Das ist mir ganz wichtig. Ich genieße auch die Selbstständigkeit, die eigene Entscheidungsfreiheit und die Tatsache, dass ich mir meine Zeit weitgehend selbst einteilen kann.“ Daniela Fagitsch führt den breit aufgestellten Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann: Die Familie betreibt Acker- und Obstbau; vermarktet werden Kürbiskernöl, Essig, Geflügel, Eier und Fleisch.

Nach dem Boku-Studium zu den Schafen

Ohne land- und forstwirtschaftlichen Background aber mit viel Wissen über nachhaltige Lebensmittelproduktion im Gepäck, ist Johanna Pieber aus St. Kathrein/Offenegg frisch von der Universität für Bodenkultur in die landwirtschaftliche Praxis eingestiegen. Fasziniert von der nachhaltigen Lebensmittelproduktion hat sich die 30-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann entschieden, den Betrieb der Schwiegereltern weiterzuführen. Von der konventionellen Milchviehhaltung haben die beiden, bis auf ein paar Mutterkühe, auf die nicht so arbeitsintensive Bio-Lämmerhaltung und auf Direktvermarktung umgestellt. Daneben steckt die zweifache Mutter auch viel Herzblut und Leidenschaft in die Vermietung eines Ferienhäuschens.

„Ich bin meine eigene Chefin“

Elisabeth Rieser kommt aus einer Steuerberatungskanzlei und genießt nun ihre unternehmerische Freiheit und die Vorteile des Berufes Bäuerin, den sie ursprünglich gar nicht anstrebte. „Ich habe mittlerweile aber so richtig in diesen Beruf hineingefunden – die Landwirtschaft ist zu meiner Leidenschaft geworden“, sagt Rieser, die Betrieb und Familie managt. Gemeinsam mit ihrem Mann hat die zweifache Mutter den bereits bestehenden Betriebszweig Direktvermarktung stark ausgebaut. Heute freut sich die 33-Jährige über die zukunftsfitte Ausrichtung des gemeinsamen Bauernhofes: „Wir haben seit 2012 viel in Renovierungen, Neubauten, Tierwohl und Marketing investiert – und setzen auf seltene Rassen wie Murbodner-Rinder und Turopolje-Schweine.“

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