Aus der Vergessenheit geholt
Oper muss nicht immer Tragödie bedeuten. Aber im Fall von „Castor et Pollux“ ist es so. Die Aufführung (Premiere war am 11.4.) der vergessenen Barockoper von Jean-Philippe Rameau aus dem Jahr 1737 ist so gesehen ein Wagnis. Sie wurde sozusagen aus der Vergessenheit geholt. Nach Alban Bergs „Wozzeck“ und Kálmáns Westernoperette „Arizona Lady“ ist es die dritte Neuinszenierung unter Intendanz von Ulrich Lenz in diesem Jahr.
„Emotionale Tiefe und tänzerische Eleganz zeigt das Werk des Komponisten Jean-Philippe Rameau“, resümiert der Premierenkritiker in der „Kleinen Zeitung“. Die Barockoper bleibe ein Stiefkind des regulären Opernbetriebs und jede Inszenierung sei so gesehen ein Wagnis. Das Tänzerische stehe im Vordergrund. Ganz im Gegensatz zur italienischen Oper. Diese lief der Barockoper in der Folge beim Publikum den Rang ab.
Kern der Handlung von „Castor et Pollux“
Stürmische Leidenschaften in ein enges Korsett von (tänzerischen) Gesten gezwängt. Mit einem mystisch wirkenden Bühnenbild. Die Bruderliebe der Zwillinge Castor und Pollux besiegt nicht nur den Willen der Götter, sondern auch den der beiden Frauen, die um sie kämpfen.
Als „poetisches Barockvergnügen“ beschreibt der ORF in seinem Bericht das Werk in der Grazer Oper. Die Handlung entführt die Zuseher in die Welt der Götter, der Unterwelt, der Unsterblichkeit. „Es ist eine Geschichte, die nicht auflösbar ist, wie immer mit der Liebe. Also zwei Frauen lieben denselben Mann, und zwei Männer lieben dieselbe Frau“, so der musikalische Leiter Bernhard Forck. Aus Liebe zum Zwillingsbruder verzichtet der Jupiter-Sohn Pollux auf seine Frau und sogar seine Unsterblichkeit in der schicksalsverstrickten Geschichte. „Ich hatte ein Gesamtkunstwerk vor, wo Musik und Tanz und Bewegung, Licht, Video, Bühnenbild, Musik wirklich zusammen verschmelzen“, so Regisseurin und Choreografin Nanine Linning.
Wenn etwas im Theater in Vergessenheit gerät, so hat das seine Gründe. Ob das Publikum dazu beiträgt, die Oper auf dem Spielplan zu behalten, wird sich aus den Besucherzahlen am Ende der Saison ablesen lassen.





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