Tanti auguri, Vespa! Zum 80er am 23. April.

Die Wespe lebt. In Gleisdorf pflegen das Duo Peter Eberl und Christan Katzbeck mit Freunden die Begeisterung dafür.

Am 23. April 1946, also vor genau 80 Jahren, meldete Piaggio in der italienischen Stadt Pontedera das Patent für eines der erfolgreichsten Produkte der Neuzeit an: Jeder kennt sie – vom Kind bis zur Großmutter. Die Vespa verkörpert italienisches Lebensgefühl, die Leichtigkeit des Seins – besonders jetzt im Sommer. Nach dem fürchterlichen Zweiten Weltkrieg fand der Motorroller weltweit rasch hunderttausende Fans, die ihn später zum Kultobjekt mit vielen Liebhabern und Sammlervereinen werden ließen – bis heute.

„Es sieht aus, wie eine Wespe“, soll Firmenchef Enrico Piaggio in Pontedera ausgerufen haben, als er 1946 den Prototyp MP6 mit 98 cm3 und 3 PS erstmals selbst startete und die Gegensätzlichkeit zwischen dem mittleren breiten Fahrerteil und der schmalen Hüfte bemerkte. Ein Name, der zum Symbol für Italiens Neuanfang wurde, den Willen der Italiener, wieder leben zu wollen.

Das Nachkriegs-Italien war arm, vom Krieg zerstört, es fehlte an Transportmitteln und einem leistungsfähigen Eisenbahnnetz. Und da passte die Vespa als Nutzfahrzeug, als Zeichen des Aufschwungs hinein – praktisch, zuverlässig, preiswert, nicht teuer in der Erhaltung und mit Ratenzahlung zu kaufen.

Alles war so gedacht und später auch produziert, dass ein Durchschnittsitaliener damit umgehen konnte, dass er einen Reifenschaden auch ohne Montage-Montur beheben konnte. Der Motor ist daher, vom Fahrer aus gesehen, isoliert angeordnet. Das Beinschild schützt ihn auch vor Regen und Nässe – und, was ganz wichtig ist: Die Vespa ist auch ein Frauen-Fahrzeug, aufgrund des geringeren Gewichts und nicht nur der Ästhetik wegen.

Die geniale Intuition dazu kam von einem Luftwaffeningenieur namens Corradino D’Ascanio, auch der Erfinder des Hubschraubers. Er war kein Motorrad-Fan oder Experte, alles war ihm zu unbequem. Ascanio vertraute auf seine technischen Erfahrungen aus dem Flugzeugbau und die gesamte Konstruktion zeigt das: Ohne Kette, mit Getriebe, die vordere Gabel mit Stoßdämpfern, das geringe Gewicht – um nur einige Dinge zu nennen. Geschätzte 30 Millionen „Vespas“ gibt es heute.

Und genau dieser Faszination Vespa haben sich in Gleisdorf die beiden Freunde Peter Eberl und Christian Katzbeck verschrieben. „Wir schrauben seit Jugendtagen – er in seiner Gartenhütte und ich im Keller“, sagt Peter Eberl.

Später gründeten sie einen Vespa-Club. „Wir organisierten auch viele soziale Aktivitäten und Charitys.“ Mittlerweile haben sie sich vom Club getrennt und aus ihrer Vespa-Leidenschaft ein eigenes, kleines Business in der Mühlgasse 79 in Gleisdorf gemacht. Dort haben sie sich in einer umgebauten Lagerhalle darauf spezialisiert, jahrzehntealte Vespas – so genannte Rost-Schüsseln – zu restaurieren und wieder fahrtüchtig zu machen. „Die Kunden wollen, dass die Vespa alt ausschaut, aber technisch soll alles am heutigen Stand sein“, so das Duo.

Gleich daneben betreiben sie die Bar „Sei Giorni“. Ein echter Treff für Vespa-Fans – für viele fast täglich. „Wir organisieren die Teile in ganz Europa und sie müssen original sein – das dauert natürlich oft.“ So musste ein Vorarlberger Kunde zwei Jahre auf sein Gustostück warten. Der Preis: Je nach Aufwand ab 15.000 Euro. Dutzende Vespas sind es in den letzten Jahren schon gewesen. „Alles belegt und dokumentiert mit dem Gutachten eines Sachverständigen“, sagt Christian Katzbeck. Da die Vespa-Erbauer jedes Jahr die Modelle veränderten, verbesserten, kann man sich vorstellen, welche Herausforderung das für die Restaurateure und Mechaniker ist.

Früher waren es acht, heute sind es vier

Jedes Jahr brach eine Runde von acht Männern aus Gleisdorf für eine Woche mit ihren 150 cm3 starken Gran Sport Vespas zu einem speziellen Urlaub auf. Mittlerweile ist daraus ein Quartett geworden, das für eine Woche in Kroatien auf der Insel Pašman (südlich von Zadar) mit ihrem „Spielzeug“ unterwegs ist. Die Anreise erfolgt mit einem VW Crafter, wo alle vier und auch die Vespas Platz haben. Ohne Anhänger, wie früher. „Man wird ja auch älter und bequemer“, so Manfred Leber, der von Anfang an dabei ist.

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