Historisch:

Jeden Tag wird deutlicher, dass Friedenspolitiker und Nobelpreisträger Michail Gorbatschow (verstorben 2022) in den letzten 100 Jahren der einzige Machthaber war, der nicht dem Cäsarenwahn eines russischen Imperiums verfallen war.

Der Brückenbauer

Vom 26. bis 28. März 2003 war Friedensnobelpreisträger und der Ex-Kreml-Chef Michail Gorbatschow (ein Vorgänger von Wladimir Putin) auf Einladung des Landes Steiermark in Graz. Auf Initiative von KLIPP, dem „Dialog für Europa“. Ermöglicht durch den 2019 verstorbenen Landesrat Gerhard Hirschmann und LH Waltraud Klasnic („Gorbatschow und Kohl waren Brückenbauer“) sowie eine Sponsoren-Gruppe (z.B. Energie Steiermark).

Eingeladen zum mehrtägigen Aufenthalt nach Graz waren ebenso mehr als 4.000 Studenten aus südosteuropäischen Ländern. Die damals in der neuen Stadthalle die Diskussion zwischen Michail Gorbatschow und Helmut Kohl verfolgten. Spannender Weltgeschichte-Unterricht aus erster Hand.

Vom Westen gefeiert

Unter Michail Gorbatschow als KP-Generalsekretär (seit 1985) und Staatspräsident der Sowjetunion gab es das Ende des Kalten Krieges, damit den Wegfall des Eisernen Vorhangs, den Fall der Berliner Mauer (1989), die Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland und auch in der Folge die Auflösung des Warschauer Pakts, dem Militärbündnis, das Gegenstück zum Verteidigungsbündnis Nato. Der Westen, aber auch die übrige Welt, feierte die Ereignisse entsprechend euphorisch.

Und im eigenen Land?

Obwohl Putins Ex-Ex-Vorgänger Michail Gorbatschow aus dem vergreisten Polit-Büro der Sowjetunion hervorging, ließ er dieses historische Trauma hinter sich. Der Erfinder von Glasnost, Friedenskämpfer – Brüderlichkeit unter den Völkern – scheiterte aber im eigenen Land. Seine Vision wäre naiv gewesen, so seine Kritiker. Genützt hätte diese hauptsächlich den USA. Gorbatschow sei verantwortlich für den Niedergang und Zerfall des Ostblocks. Er wurde von Boris Jelzin abgelöst. Bis zur Machtübergabe an Wladimir Putin versank das Land in Chaos und Korruption. Die russischen Bürger verloren durch den wirtschaftlichen Niedergang jedwede Sicherheit. Oligarchen vereinnahmten Staatseigentum in unvorstellbarem Ausmaß. US-Ratgeber hatten maßgeblichen Anteil. Diese empfahlen eine radikale Umstellung von der Plan- auf Marktwirtschaft. Erst nach Putins Machtübernahme 1999 begann sich das Land wieder zu stabilisieren

Der Fluch der Geografie

Dieser hat für Russland stets gravierende Folgen in den letzten 100 Jahren gehabt. Und welche Optionen gibt es für einen Herrscher, für einen Autokraten, derart riesige Räume zusammen zu halten? Nach Ansicht von maßgeblichen Historikern und Russland-Kennern – und das zeigt die Geschichte – nur Repression und Terror. Dieser Stil fußt auf dem Unvermögen, Kontrolle und Herrschaft auszuüben. Der Geist des Staates wurde aus dem Geist des Krieges, der Eroberung geboren.

Größtes Land der Erde 

Russland ist so groß wie die Fläche Europas und Australiens zusammen: mit 17.075.020 Quadratkilometer – ohne die durch Putin-Kriege besetzten Teile der Ukraine – bereits mit Abstand das flächengrößte Land der Erde. Es umfasst 11 Prozent der Weltlandfläche.

Von Westen nach Osten erstreckt sich Russland auf einer Gesamtlänge von 9.000 Kilometern, von 19 Grad östlicher bis 169 Grad westlicher Länge über zwei Kontinente. Auf Europa entfallen 23 Prozent der Landfläche, auf Asien 77 Prozent. Von Süden nach Norden beträgt die Ausdehnung bis zu 4.000 Kilometer.

Russland hat neben der Volksrepublik China mit 14 die größte Anzahl von Nachbarstaaten mit einer gemeinsamen Landgrenze. Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.000 Kilometer. Russland grenzt des weiteren an fünf Meere, wobei die Küstenlinie 37.700 Kilometer umfasst. Russland ist in elf Zeitzonen eingeteilt.

Kriege ohne Not führen

Nur der Zweite Weltkrieg, in Russland als „Großer Vaterländischer Krieg“ bezeichnet, war die Ausnahme. Sonst führt Russland Kriege meist ohne Not – auch jenen gegen die Ukraine. Dank seiner Größe gibt es keine Feinde, die Russland direkt bedrohen. Wladimir Putin weiß daher, dass eine Revolte nur aus der Mitte der Elite des Landes Erfolg haben kann. Auch wie damals 1917, dem Jahr der historischen Oktober-Revolution. Ohne die Spaltung von innen her wird es zu keiner Haltungsänderung in Russland kommen. Bis dahin werden Oppositionelle nur als Erfüllungsgehilfen des Westens abgestempelt.

Die Putinsche Aggressivität ist getrieben und folgt dem Mechanismus des Imperiums und der irrwitzigen Sorge, dass man die Ausdehnung und die Weite des Raums nicht kontrollieren kann. Die Führer europäischer Länder sind von ihrer West-Ost-Süd-Nord-Grenze nur einige Stunden unterwegs und stoßen dann bereits auf ihre „Grenzen“. Die krankhafte Sorge Putins, den Raum nicht kontrollieren zu können, versucht er zu lösen, indem er weitere Expansionen in alle Himmelsrichtungen anstrebt. Wie das übrigens China und auch die USA tun.

PS: Es ist ja auch kein Zufall, dass Möchte-gern-King und USA-Präsident Donald Trump – auch die USA ist als Weltmacht nicht bedroht – äußerst behutsam mit Russlands Diktator umgeht.


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