Pandemie ein Problem, aber: Arbeitskräftemangel Thema Nummer 1

Gernot Pagger, Julia Aichhorn und Stefan Stolitzka (v.l.). Foto: IV-Steiermark/Marija Kanizaj

Die Lage am steirischen Arbeitsmarkt hat sich gedreht. War noch vor wenigen Monaten der Umgang mit steigenden Arbeitslosenzahlen das zentrale arbeitsmarktpolitische Thema, stehen nunmehr der Mangel an Fachkräften und vielerorts generell die Verfügbarkeit von Arbeitskräften im Mittelpunkt der betrieblichen Herausforderungen. Diese Einschätzung präsentierten Stefan Stolitzka, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark (IV), die Vorsitzende der Jungen Industrie Steiermark (JI) Julia Aichhorn und IV-Steiermark Geschäftsführer Gernot Pagger heute zum Jahresauftakt.

Eine Situation, die die Steiermark langfristig prägen wird: Bei einer österreichweiten Erhebung unter rund 1000 Industriebetrieben wurde die „Verfügbarkeit von Personal“ als wesentlichste Herausforderungen am Standort Österreich identifiziert. Am stärksten ausgeprägt ist diese Sicht in der Steiermark: 70 Prozent aller Unternehmen sehen darin das Standortthema Nummer 1 und einen dringenden Handlungsbedarf. Nicht zuletzt auch hervorgerufen durch die hohe Investitionsbereitschaft der Industrie.

Kinderbetreuung verbessern

Weil der derzeitige Personalmangel viele Ursachen hat, ist die Suche nach Auswegen komplex. „Einfache Lösungen haben vor allem eines gemeinsam: Sie greifen zu kurz. Vielmehr bedarf es einer umfassenden, ressortübergreifenden Fachkräftestrategie auf nationaler, wie auch auf Landesebene. Wir müssen unser Fachkräfte-Potenzial verbessern, erhöhen und vergrößern,“ betont Gernot Pagger.

Ein Viertel der Teilzeitarbeitskräfte würde gern mehr arbeiten, wenn sie wüssten, wo sie in dieser Zeit ihrer Kinder betreuen lassen können. „Die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die Erwerbsmöglichkeit von Frauen essenziell. Rasche Verbesserungen beim Kinderbetreuungs-Angebot hinsichtlich Öffnungszeiten sowie die generelle regionale Verfügbarkeit von Plätzen, sind unsere zentralen Anliegen an die Landesregierung. Hier wünschen wir uns konkrete Ergebnisse und von allen Beteiligten Weitsicht und den Mut, Neues anzustoßen,“ so die JI-Vorsitzende Julia Aichhorn.

Glasfaserausbau und Klima

„Wir müssen sehr viel früher ans Ziel, als wir das vor der Pandemie gedacht haben“, betont Stefan Stolitzka. Die Notwendigkeit eines beschleunigten Glasfaserausbaus in der Steiermark habe Landesregierung erkannt. In den nächsten zwei Jahren müsste man 50 Prozent des Bedarfs schaffen. Dies sei durch die optimale Koordination privater und öffentlicher Anbieter möglich.

Weil UVP-Verfahren sich oft über Jahre hinziehen: Die rasche und zuverlässige Abwicklung ist eine Voraussetzung, die gegenüber Investoren gewährleistet werden müsse.

Aktuell machen die dramatisch steigenden Energiekosten große Sorgen. Diese trifft die gesamte Industrie. Stolitzka fordert von der Bundespolitik: „Wir benötigen kurzfristig einen Überbrückungsfonds, um diese Betriebe von einem energiekostenbedingten Liquiditätsstress abzuschirmen. Ebenfalls liquiditätsstärkend wirken Steuer- und Abgabenstundungen sowie Vorauszahlungsverzichte.“ Energiespezifische Abgaben sollen kurzfristig und befristet gesenkt werden, so wie das bei der Ökostrompauschale bereits geschehen ist.

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