Trügerischer Gleichstellungsindex zum Frauentag
Was sind die Realitäten?
Ein Gleichstellungsindex-Beispiel aus dem oberen Murtal mit den Orten und Gemeinden Knittelfeld, Seckau, St. Marein, Zeltweg, Spielberg, Kobenz, Fohnsdorf. Ein weiteres aus dem Mürztal mit Bruck, Oberaich, Niklasdorf, Kapfenberg, St. Marein im Mürztal, Kindberg, Pernegg. Ein drittes mit Bärnbach, Rosental, Söding – St. Johann, Voitsberg, Piber, Krottendorf-Gaisfeld.
Entscheidend dabei: Der Index sagt nichts über das individuelle oder familiäre Lebensglück von Frauen aus. Dieses endet ja nicht an der jeweiligen Gemeindegrenze. Der Index misst strukturelle Voraussetzungen. Hinter gleichen Gesamtwerten können sehr unterschiedliche Profile sich verbergen. Während eine Gemeinde bei Gesundheit und Gewaltschutz punktet, liegt eine andere bei Einkommen, politischer Mitbestimmung, Freizeitnutzung, Kinderbetreuung vorne. Das erklärt, warum ländliche Gemeinden Städte im Ranking überholen können, ohne automatisch „frauenfreundlicher im Alltag“ zu sein.
Ob als Single oder Familie
Ganz unabhängig davon. Da ist die eine Gemeinde als Wohnort die Wohlfühloase, gibt es in den Nachbargemeinden den Arbeitsplatz, die Kinderbetreuung, wohnen die Eltern und Verwandten, erfolgt der Schulbesuch der Kinder, gibt es Freizeitaktivitäten in Vereinen und vieles mehr. Letztendlich ist das „gesamte Paket“ für die Zufriedenheit und das Lebensglück ausschlaggebend. Daher kann eine einzelne Gemeinde im Ranking der 286 steirischen Kommunen weit hinten aufscheinen. Der Lebenswert und die Qualität, dort zu wohnen, sind dennoch gegeben. Weil auch das Umland über entsprechende Angebote verfügt.
Der Gleichstellungsindex des Städtebunds und der AK misst das Ausmaß der Gleichstellung in Österreichs Städten und Gemeinden anhand 23 ausgewählter Indikatoren. Diese werden im Gleichstellungsindex zu neun Dimensionen zusammengefasst: Kinderbetreuung, Bildung, Erwerbstätigkeit, Einkommen, Gesundheit, Gewaltschutz, Mobilität, demografische Entwicklungen sowie Repräsentation in Politik und Wirtschaft. Er ist aber ein rein statistischer Wert mit 100 Punkten als Höchstzahl.
Klar sichtbar – „regionale Cluster“
Die Spannweite der Indexwerte zwischen der erstplatzierten Gemeinde und den Gemeinden auf hinteren Plätzen ist vergleichsweise breit. Logischerweise an der Spitze liegt mit deutlichem Abstand die Landeshauptstadt Graz – mit 75 von möglichen 100 Indexpunkten. Auffällig ist, wie in anderen Bundesländern auch, dass unter den Top 20 acht städtische und zwölf ländliche Gemeinden gelistet sind. Das ist nicht zuletzt auf die regionalen Cluster von Gemeinden zurückzuführen. Diese sind in der Steiermark weniger ausgeprägt als in anderen Bundesländern.
Und ein möglicher Schluss draus: Inwieweit nicht weitere Gemeindefusionen zielführend wären. Denn wenn eine Familie in Spielberg wohnt, die Kinder in Knittelfeld oder Judenburg zur Schule gehen, die Sport- und Freizeiteinrichtungen in Zeltweg oder Fohnsdorf (Therme) genützt werden, man in Vereinen Bildung und Kultur konsumiert in der Region – da sind Gemeindegrenzen Schall und Rauch.







Sei der erste der kommentiert