Lukrative Geschäfte mit „vergoldeten Münzen“

8 statt 90 Euro für Mozart-Gedenkprägung mit 24-Karat-Gold-Veredelung. Wie kann das stimmen?

„Für Sie als Leserin und Leser der KLEINEN ZEITUNG“ steht im Adressfeld des in der Tageszeitung beigelegten Kuverts. „Exklusive Gedenkprägung zum Jubiläum 270. Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozart … Dankeschön für Sie als Leserin und Leser … Ausgabepreis nur 8 Euro … statt 90 Euro ... GRATIS dazu 1 Schilling mit 24 Karat Gold …“

Es wird der Eindruck vermittelt, dass dem Leser also etwas ganz Tolles angeboten wird. In Abstimmung mit der KLEINEN ZEITUNG. Sozusagen exklusiv und als „Dankeschön“ fürs Lesen. „… die Nachfrage ist enorm …. Ihre Gedenkprägung und Ihr Geschenk …“, heißt es im Schreiben weiter. Man wird aufgerufen, daher noch beides „heute abzurufen“. Einfach den beiliegenden „Abrufschein“ ausfüllen – mit Name, Adresse, Geburtsdatum (warum?) und Unterschrift – und dann entweder per Fax oder im beiliegenden bereits adressierten Kuvert per Post zurückschicken. Das Porto zahlt „dankenswerterweise“ der Empfänger – eine DGG mbH in der Mariahilfer Straße 36 in 1010 Wien. Per Mail ist eine „Bestellung“ nicht möglich, zumal im gesamten Schreiben weder Mail-Adresse noch Telefonnummer angegeben ist. Also keine direkte Kontaktaufnahme möglich.



Und es überrascht nicht, dass ein gewisser Fritz Baumgartner, Kundenservice-Leiter der DGG, trotz intensiver Recherchen nicht „erreichbar“ ist. Im Internet heißt es in Erfahrungsberichten mit der DGG: „Finger weg!“ Oder: „… ungefragt mehr zugesendet ... direkt mit ,Rechnung zu Ihrer Bestellung’ … diese ,Ansichtsexemplare’ dann einfach zurückschicken und alles wäre gut. Dennoch sehr irreführend absolut unseriös.“

„Warnen Sie Ihre Leser!“

Wir haben auch bei der „Münze Österreich“ nachgefragt – die offizielle staatliche Münzprägestätte der Republik Österreich. Pressesprecherin Eva-Maria Klement im Telefonat, nachdem wir die im Schreiben angegebenen Daten geschildert haben: Das klinge alles äußerst unseriös. „Allein bei dem niedrigen Preis von 8 Euro können die Menschen ja nicht so dumm sein und darauf reinfallen.“ Es könne ja nicht stimmen. Wenn man den derzeit hohen Goldpreis bedenkt, könne so etwas ja nicht seriös sein. Zum „Abrufschein“ mit Unterschrift: „Um Gottes Willen! Warnen Sie Ihre Leser vor derartigen Angeboten!“

Beim Münzkauf sollte man sich vorher informieren, wie schwer eine Münze ist, wie hoch der Goldgehalt ist. Gerade bei Gedenkprägungen, die ja keinen Nominalwert (z.B. 20 Euro, 100 Euro) haben. Da ist es dann nur der Materialwert – falls überhaupt nennenswertes Edelmetall enthalten ist. In vielen Fällen sind es nur dünn vergoldete oder versilberte Stücke und haben den entsprechend geringen Metallwert.

Bei der steirischen Arbeiterkammer sind betreffend DGG in den letzten Jahren nur eine Handvoll Beschwerden eingegangen. Sollte man unaufgefordert mehr Münzen als „bestellt“ zugesandt bekommen, samt Rechnung, raten die Konsumentenschützer der AK dazu, schriftlich den Rücktritt zu erklären und die Rechnung zu beeinspruchen. Und: Man ist in Österreich nicht verpflichtet, die unaufgefordert zugesandten Münzen zurück zu schicken, kann diese auch entsorgen.

In Deutschland haben große Medienhäuser bereits davon abgesehen, derartige vermeintliche „Exklusiv-Angebote für Leser“ ihren Zeitungen beizulegen. Eine Antwort auf unsere Anfrage bei der KLEINEN ZEITUNG ist bei Redaktionsschluss noch ausständig.

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