Premiere in Grazer Oper: Alban Bergs Schocker Wozzeck berührt
Rund zehn Minuten begeisterter Schluss-Applaus mit „Bravo“-Rufen. Das gab es bei der Premiere von Alban Bergs Schocker Wozzeck. Inszeniert in 15 düsteren Szenenbildern bei der Premiere am Freitag, den 13.2. im ausverkauften Grazer Opernhaus. Vor der versammelten Kunst- und Kultur-Prominenz.
Bereits im ersten Bild geht es bei Regisseur Evgeny Titov um das Eingemachte. Es zeigt die Titelfigur des armen, einsamen Wozzeck auf seinem Passionsweg in die Verzweiflung völlig nackt. Die Symbolik dahinter: Aller sozialen Kontakte entledigt. In einem finsteren, abgemorschten Wald. Um ihn herum mit den weiteren Hauptfiguren – dem Hauptmann (Militär, seinem Vorgesetzten) und dem Arzt (Medizin). Diese begleitet von ihrem Anhang. Ein Bild des Gelächters über Wozzeck und der völligen Dehumanisierung.
Niedrigste Triebe
Horror-Stimmung im düsteren Wald, mit Gestrüpp, Hügeln, Gebüsch und Höhlen. Die Gesellschaft um Wozzeck steht am Abgrund, ist dabei in diesen hinabzutaumeln. Alles Menschliche bleibt auf der Strecke. In grotesker Übersteigerung lebt sie ihre niedrigsten Triebe aus.
Nur der tragische Held Franz Wozzeck kommt noch menschlich daher. Daniel Schmutzhard ist in seiner Darstellung eine Wucht. Sein Schmerz ist nicht nur hör-, sondern förmlich spürbar. Seine Ausweglosigkeit, in der er steckt, fesselt und beschäftigt das Publikum.
Selbst Marie, seine große Liebe, ist hier nicht das unschuldige Opfer der Umstände. Dass sie für ihre Lebenslust mit dem Leben bezahlt – Wozzeck ersticht sie –, ist heute aktueller denn je. Annette Dasch verkörpert als Lebensliebe von Wozzeck und Mutter des gemeinsamen Sohnes diese Rolle spielerisch wie stimmlich mit einer unglaublichen Intensität und Dramatik. Wozzecks Ende ist die logische Folge in Alban Bergs Drama. Das als Text-Fragment des 1837 verstorbenen Georg Büchner erhalten blieb.
Die Wozzeck-Inszenierung in Graz hat das Potential für viel Echo. Erste Reaktionen:
„Kurier“: Wozzeck an der Grazer Oper: Eine Hölle auf Erden. Musikalisch suggestiv mitreißender „Wozzeck“ von Alban Berg mit starken Bildern am Opernhaus Graz.
„Die Presse“: Wen gruselt‘s nicht bei diesem „Wozzeck“?. Alban Bergs „Wozzeck“ mit Daniel Schmutzhard und Annette Dasch, als Fantasy-Horror inszeniert von Evgeny Titov: ein im besten Sinn schauderbarer Abend. Über Karajans notorisch finstere Inszenierungen spöttelte man seinerzeit, er verwende „schwarze Scheinwerfer“: Diese würden nicht Licht ausstrahlen, sondern Dunkelheit. So betrachtet hätte ihm dieser düstere Abend wohl gefallen.
„Kleine Zeitung“: Ein Papageno aus der Hölle.







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